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Sturz von Putin: „Bald hasst ganz Russland“ den Kreml-Herrscher

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Von: Yannick Hanke

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Nach dem russischen Truppen-Abzug aus dem ukrainischen Cherson stellt sich die Frage: Welche Asse hat Präsident Wladimir Putin noch im Köcher? Naht sein Ende?

Moskau – Seine militärische Niederlage in der Süd-Ukraine kann sich Russlands Präsident Wladimir Putin nur schwerlich eingestehen. Putins Truppen wurden aus der Stadt Cherson abgezogen. Die militärische Führung des einstigen Zaren-Reiches war darum bemüht, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Man würde an die Sicherheit der eigenen Soldaten denken, hieß es nahezu unisono.

Selbst Putins Bluthund Ramsan Kadyrow begrüßte den Russen-Rückzug aus Cherson. Von einer Niederlage oder gar Kapitulation im Ukraine-Krieg will man auf Seiten von Russland natürlich dennoch nichts wissen. Doch wie kommt das Scheitern Putin im eigenen Land an? Und: Könnte der Kreml-Herrscher womöglich vorm Sturz stehen?

Sturz von Wladimir Putin: Cherson-Niederlage bringt Russlands Präsidenten in Bedrängnis

Über einen Sturz Wladimir Putins wird bereits seit geraumer Zeit diskutiert und spekuliert. Fakt ist: Der vom Kreml-Herrscher begonnenen Ukraine-Krieg verläuft nicht nach Plan. Die Annexion des osteuropäischen Landes ist ins Stocken geraten, der Widerstand der Ukrainer ungebrochen groß. Als deren Präsident Wolodymyr Selenskyj am Montag, 14. November 2022, die von den Russen befreite Stadt Cherson besuchte, sprach die Symbolik Bände.

 Russlands Präsident Wladimir Putin sitzt mit versteinerter Miene an einem Schreibtisch. Im kleinen Bild wird Russland als Terroristen-Staat deklariert.
Droht Russlands Präsidenten Wladimir Putin der Sturz? Laut einem Kreml-Kritiker würde ihn bald ganz Russland hassen. ©  Aleksey Nikolskyi/dpa/imago/Montage

Zusammen mit Einwohnern und Soldaten sang der Präsident der Ukraine, für den der Krieg nur mit einem Sieg enden kann, die Nationalhymne – der militärische Teilerfolg wurde gefeiert. Der Kreml indes ließ verlauten, man würde Cherson immer noch als russisches Territorium betrachten. Bizarr, in Anbetracht der faktischen Rückeroberung. Nachmittags sollte es für Putin dann noch härter kommen. Denn im Rahmen eines Treffens vor dem G20-Gipfel verurteilten US-Präsident Joe Biden und China-Präsident Xi Jinping Russlands Atomdrohungen entschieden.

Sturz von Wladimir Putin immer wahrscheinlicher? Auch China rückt vom Kreml-Herrscher ab

Für Wladimir Putin kommt dies einem Nackenschlag erster Güte gleich. Denn ein einst wichtiger Verbündeter Russlands, in diesem Fall das kommunistische China, rückt schrittweise vom Kreml ab. In den eigenen Reihen hatte Putin sich stets damit geschmückt, Chinas Unterstützung im Kampf gegen den Westen zu haben. Eine Allianz, die mehr als nur zu bröckeln scheint.

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Die Gerüchte um einen möglichen Sturz Putins werden aber auch durch Kreml-Kenner Andrei Piontkowski befeuert. Für ihn würde längst feststehen, dass Putin in einer Abwärtsspirale steckt, aus der er nicht wieder herauskommt, so Piontkowski, der einstige Chef der Moskauer Denkfabrik „Strategic Studies Center“, gegenüber einem ukrainischen TV-Sender. Schon kurz nach dem Amtsantritt von Kreml-Herrscher Wladimir Putin im Jahr 2000 warnte Piontkowski vor der Gefahr seines Regimes. Nun sieht er Putin in einer aussichtslosen Lage.

Ukraine-Krieg: Putin in Lage, in der er „nicht lange überleben“ könne – sagt Kreml-Kenner

Mehr noch: Putin würde sich in einer Situation befinden, in der er „nicht lange überleben“ könne, sondern der Putin-Sturz drohen könnte. Schließlich habe die Niederlage Russlands in Cherson enorme Auswirkungen auf die Stabilität der russischen Führung. Dieser Rückzug werde nämlich „Schockwellen durch das Massen-Bewusstsein“ der Russen senden. Es sei nun der Zeitpunkt erreicht, an dem „jedem Russe“ klar sein sollte, „dass Russland dabei ist, den Krieg zu verlieren“.

Putin bewegt sich auf eine Situation zu, in der alle Russen ihn hassen werden.

Andrei Piontkowski, Kreml-Kenner und Ex-Chef der Moskauer Denkfabrik „Strategic Studies Center“

Damit meint Piontkowski sowohl die breite Masse im Land als auch die politisch-militärische Führung. Nach Ansicht des Kreml-Kritikers würde das Cherson-Debakel viele Russen vor die Frage stellen, wer für das Scheitern verantwortlich sei und wofür der Ukraine-Krieg überhaupt tauge. Fragen, die für Putin „äußerst unbequem“ sein. Und auch zu seinem Sturz führen könnten?

Wladimir Putin in Situation, „in der alle Russen ihn hassen werden“ – Sturz als Konsequenz?

Den möglichen Sturz Putins deutet Piontkowski zumindest indirekt an, wenn er sagt: „Putin bewegt sich auf eine Situation zu, in der alle Russen ihn hassen werden.“ Und dafür gebe es unterschiedliche Gründe. „Eine pro-europäische Minderheit hasst ihn, weil er den Krieg angefangen hat. Nun werden ihn seine ehemaligen Anhänger, die seine imperialistische Propaganda besoffen gemacht hat, hassen, weil er den Krieg verloren hat“, analysiert Piontkowski.

Durch die Erfolge der Ukrainer würde die Unzufriedenheit der russischen Bevölkerung mit ihrem Diktator wachsen. Der Druck auf Wladimir Putin steige zunehmend. Die abschließende Prognose von Kreml-Kritiker Piontkowski: „In so einer Lage kann ein Diktator nicht lange überleben“. Bleibt offen, ob das auch für den mit explosiven Drohnen-Grüßen konfrontierten Putin gilt.

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