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Sturz von Putin: Ex-Abgeordneter stellt Kremlchef bloß – im TV

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Von: Jens Kiffmeier

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Die Macht bröckelt immer weiter: Russlands Präsident Wladimir Putin wird plötzlich für Ukraine-Desaster angeklagt – sogar im Fernsehen. Kommt jetzt doch der Sturz?

Moskau – Für Wladimir Putin wird die Gefahr für einen Sturz immer größer: Knapp ein halbes Jahr nach dem Angriffskrieg auf die Ukraine wird die Kritik am Kremlchef plötzlich spürbar lauter. Angesichts von militärischen Fehlschlägen traute sich der Ex-Abgeordnete Boris Nadezhdin, Russlands Vorgehen im russischen Fernsehen öffentlich zu kritisieren. Die Ukrainer dächten nicht ans Aufgeben, sagte er zur Verblüffung der westlichen Politik und fügte hinzu: Russland müsse sich endlich von der Idee verabschieden, man könne mit Söldnern und einer „kolonialen Kriegsführung“ die Ukraine unterwerfen. Ohne eine Generalmobilmachung sollte man den Feldzug lieber gleich vergessen. Putins bisherige Propaganda-Strategie gerät damit ins Bröckeln.

Wladimir Putin: Sturz plötzlich wieder denkbar in Russland – Lokalpolitiker begehren wegen Ukraine-Krieg auf

Mit seinem TV-Auftritt reiht sich der frühere Parlamentarier Boris Nadezhdin ein in eine immer länger werdende Liste von Kritikern. Nachdem bereits am Wochenende mehrere Lokalpolitiker aus St. Petersburg und Moskau Russlands Präsidenten Wladimir Putin wegen des Desasters im Ukraine-Krieg zum Rücktritt aufgefordert und ihm mit Anklage wegen Hochverrats gedroht hatten, kommen jetzt immer mehr Unterstützer dazu. Demnach sollen bislang mehr als 40 Politiker aus 18 Bezirken eine entsprechende Petition unterzeichnet haben.

Geht es für ihn bald eher wieder abwärts? Russlands Präsident Wladimir Putin steht plötzlich an der Heimatfront in der Kritik.
Geht es für ihn bald eher wieder abwärts? Russlands Präsident Wladimir Putin steht plötzlich an der Heimatfront in der Kritik. © Uncredited/dpa

„Es kommen immer mehr Unterstützer dazu“, twitterte die Bezirksrätin Xenia Torstrem laut der Nachrichtenagentur dpa. „Wir finden, dass die Handlungen von Präsident W. W. Putin Russlands Zukunft schaden“, heißt es in der Petition, mit der der Sturz vom Kremlchef durchgesetzt werden soll.

Ukraine-Krieg: Russland erleidet Verluste durch Gegenoffensive – für Putin wächst die Gefahr für einen Sturz

Anlass für das Aufbegehren sind die jüngsten Entwicklungen im Ukraine-Krieg. Durch die westlichen Waffenlieferungen und militärischer Taktik konnte die Ukraine im Kampf gegen die Invasoren zuletzt große Erfolge feiern. Während Kiew mit einer Großoffensive viele Gebiete zurückerobert, sinkt die Moral aufseiten Russlands. Zuletzt machten Berichte von flüchtenden Soldaten die Runde. Der Kreml versuchte, die Gebietsverluste zunächst als strategische Verlagerung für die „Spezialoperation“ zu verkaufen. Doch nach und nach musste das Moskauer Verteidigungsministerium die Teilniederlagen auch zugeben.

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Putins bisheriges Narrativ, wonach Russland einen ungefährdeten Sieg im Ukraine-Krieg davontragen werde, bricht dadurch allmählich zusammen. Bislang hielten sich Oppositionspolitiker und vor allem die russischen Medien zurück – aus Sorge vor Repressionen, mit denen das Putin-System für gewöhnlich Gegner mundtot macht. Doch die Angst vor Putins Inlandsgeheimdiensten scheint weniger zu werden. Zwar wurde gegen die ersten Unterzeichner der Rücktrittsaufforderung umgehend ein Strafverfahren eingeleitet – aber das hielt andere Oppositionelle wie Boris Nadezhdin ganz offensichtlich nicht mehr zurück.

In Russland selber zeigen sich auch immer stärker die negativen Auswirkungen des Krieges. Allein durch die westlichen Sanktionen ist die Wirtschaft um sechs Prozent geschrumpft – so stark wie in keinem anderen Land Europas. Fachleute wie der Bremer Russland-Experte Michael Rochlitz gehen davon aus, dass das Putin-Reich sich auf Jahrzehnte von den wirtschaftlichen Folgen nicht erholen wird. Daneben steckt Russland militärisch in der Klemme. Die Verluste sind immens. Die Rekrutierung von Freiwilligen funktioniert nicht mehr. Selbst kremltreue Söldner wie Tschetscheniens Präsident Ramzan Kadyrow, genannt der Bluthund, stellen Putin plötzlich öffentlich infrage.

Spekulationen um einen Putsch sind nicht neu: FSB-Inlandsgeheimdienst galt lange als größter Feind

Doch ob es wirklich zu einem Sturz Putins kommt, bleibt abzuwarten. Bereits seit langem wird über einen Putsch spekuliert. Bislang gingen die Experten immer davon aus, dass dieser nicht von der Straße aus betrieben werden würde. Nur der innerste Zirkel um Putin, so hieß es stets, sei in der Lage, den Kremlchef vom Thron zu stoßen. So soll das Murren im FSB-Inlandsgeheimdienst schon länger hörbar sein. Jedoch galten die bislang gehandelten Nachfolger immer als bessere Kopie von Putin.

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