Coronavirus

Stiko-Empfehlung: Impfung für Schwangere und Stillende

Die Stiko spricht nun eine Impfempfehlung gegen das Coronavirus für ungeimpfte Schwangere und Stillende aus. Eine neue Datenlage habe diesen Schritt veranlasst.

Berlin – Nach Monaten des Zögerns befürwortet die Ständige Impfkommission (Stiko) generell eine Impfung gegen das Coronavirus bei Schwangeren und Stillenden und will sie in der kommenden Institutsempfehlung aufnehmen. Das Robert Koch-Institut teilte am Freitag mit, dass die Stiko eine Impfung ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel empfehle. Stillende können zwei Dosen eines mRNA-Impstoffs (Moderna oder Biontech) erhalten. Nun muss der Beschlussentwurf der Empfehlung noch mit den Bundesländern und den beteiligten Fachkreisen abgestimmt werden. Eine endgültige Empfehlung der Stiko soll zeitnah erfolgen. Änderungen des jetzigen Entwurfs sind daher noch möglich.

Behörde:Robert Koch-Institut
Gründung: 1. Juli 1891
Behördenleitung:Lothar H. Wieler, Lars Schaade
Zentrale Aufgabe:Öffentliche Gesundheitspflege

Stiko: Corona-Impfung für Schwangere

Die neue Empfehlung der Stiko beruht auf neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen der vergangenen Wochen. So konnten Daten zur Impfung für Frauen in der Schwangerschaft keine Hinweise liefern, dass unerwünschte schwere Komplikationen zu erwarten seien. Auch alle Frauen im gebärfähigen Alter sollten sich impfen lassen, heißt es weiter. Dadurch würde bereits von einer Schwangerschaft ein sehr guter Schutz vor einer Corona-Infektion bestehen, teilte die Stiko mit.

Bereits seit Wochen wird in Deutschland über Einschränkungen für Ungeimpfte diskutiert – zuletzt war auch eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen im Gespräch.

Corona-Impfung für Stillende und Schwangere – „Lassen Sie sich impfen. Sie schützen sich und Ihr Kind“

Marianne Röbl-Mathieu von der Stiko sagte am Freitag, auf Basis der neuen Daten sei man zu einer neuen Nutzen-Risiko-Bewertung gekommen. „Sicherheitsdaten haben kein Risiko für ein Signal gezeigt, dass durch die Impfung irgendwelche unerwünschten schweren Komplikationen aufgetreten wären“, so die Frauenärztin. „Stillende sollen auch die Möglichkeit haben, sich selber zu schützen. Das Stillen ist kein Hinderungsgrund ist, sich impfen zu lassen“, betonte Röbl-Mathieu.

Eine Frau hält ihren schwangeren Bauch.

„Auch schwangere und stillende Frauen haben nun eine klare Empfehlung zur Impfung. Das bedeutet nach vielen Monaten mit vielen offenen Fragen nun endlich wissenschaftlich begründete Gewissheit“, kommentierte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die neue Stiko-Empfehlung und appellierte an die Impfbereitschaft der Frauen. „Fragen Sie Ihren Arzt. Lassen Sie sich impfen. Sie schützen sich und Ihr Kind.“

Ist es egal in welcher Phase der Schwangerschaft die Impfung erfolgt?

Die Impfung empfiehlt die Stiko erst ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel. Im ersten Drittel sei das Immunsystem besonders aktiv, erklärte Stiko-Mitglied Christian Bogdan – etwa während der Plazentaentwicklung. Eine Impfung könne immer mit Impfreaktionen verbunden sein. „Die Impfreaktion kann bei so einer Impfung aber auch mit Fieber einhergehen, also mit einer systemischen Reaktion“, sagte Bogdan. Fieber sei ein potenzieller Auslöser für eine Fehlgeburt in der Schwangerschaft. Immunologische Veränderungen versuche man deshalb ebenso wie schwere Infektionen in dieser frühen und besonders sensiblen Schwangerschaftsphase zu vermeiden, so der Experte.

Spielt der Impfstoff eine Rolle?

Die Stiko spricht sich für die Immunisierung Schwangerer und Stillender mit zwei Dosen eines mRNA-Impfstoffs aus – nicht mit einem sogenannten Vektorimpfstoff. Dies erklärte Röbl-Mathieu vor allem dadurch, dass in Deutschland laut Stiko-Empfehlung Vektorimpfstoffe sowieso nicht an Menschen unter 60 verimpft werden sollten. Zudem fehlten bei diesen Vakzinen Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit in der Schwangerschaft. Als mRNA-Impfstoffe sind in Deutschland Mittel von Pfizer/Biontech und Moderna zugelassen.

Schützt eine Corona-Impfung auch das ungeborene Baby?

Von der Corona-Impfung der werdenden Mutter kann auch das Baby profitieren, erklärte Mario Rüdiger, Leiter des Fachbereiches Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin am Universitätsklinikum Dresden. „Wir wissen, durch die Impfung der Mutter werden auch Antikörper übergeben und gehen über auf das Ungeborene und dadurch hat das Neugeborene den sogenannten Nestschutz.“ Dieser Nestschutz, der etwa ein halbes Jahr halte, schütze das Baby in einer besonders empfindlichen Phase.

Sind alle Risiken ausgeschlossen?

„Nach eingehender Beratung und Bewertung der vorhandenen Evidenz“ erfolge die Empfehlung, teilte die Stiko mit. Auch Schwangeren und Stillenden könne also nach sorgfältiger Abwägung der Erkenntnisse zur Corona-Impfung geraten werden, so die Experten. Frauenärztin Röbl-Mathieu sagte aber auch, dass die Datenlage nach wie vor begrenzt sei. Eine ausführliche Aufklärung durch den Arzt bleibe nach wie vor von großer Bedeutung.

Bisher spricht sich die Stiko noch nicht für eine generelle Impfung für Schwangere aus. Bei unerkannten Schwangerschaften sei eine Impfung allerdings kein Grund für einen Schwangerschaftsabbruch. Ärzte könnten dennoch Schwangere impfen. Die Stiko-Empfehlung zielte bisher nur auf Schwangere mit Vorerkrankungen ab, da diese ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf bei einer Corona-Infektion haben. (Mit Material der dpa) * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Mascha Brichta/dpa-tmn/dpa/Illustration

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