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Neue Grundsteuer 2022: Angst vor Datenchaos durch zweite Steuererklärung wächst

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Von: Felix Busjaeger

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Die neue Grundsteuer 2022 wirft ihre Schatten voraus und Eigentümer in Deutschland müssen eine zweite Steuererklärung abgeben. Experten befürchten ein Datenchaos.

Berlin – Sie ist der Schrecken vieler Eigentümer in Deutschland und wird voraussichtlich in diesem Jahr noch für die ein oder andere Schweißperle bei Betroffenen sorgen: die neue Grundsteuer 2022. Nachdem ein Gericht die Berechnungsgrundlage für die alte Grundsteuer vor einigen Jahren gekippt hat, beginnt nun die Neuberechnung. Im Klartext: Für 36 Millionen Grundstücke in Deutschland müssen wegen der Steuerreform neu bewertet werden. Im Rahmen einer zweiten Steuererklärung müssen Eigentümer* in den kommenden Monaten Daten an das Finanzamt übermitteln. Das könnte zu Problemen führen.

Bundesbehörde:Bundesministerium der Finanzen
Gründung:14. Juli 1879
Hauptsitz:Berlin
Behördenleitung:Christian Lindner (FDP)

Neue Grundsteuer 2022: Hausbesitzer müssen ab Sommer zweite Steuererklärung einreichen

Für die Reform der neuen Grundsteuer 2022* müssen Hausbesitzer in Deutschland im Sommer Angaben in Form einer zweiten Steuererklärung über ihren Grundbesitz übermitteln. Ab 2025 soll dann die neue Grundsteuer als unbürokratische und verfassungsfeste Regelung in Kraft treten. Die Neuberechnung der Steuer ist erforderlich, weil der Einheitswert als Berechnungsgrundlage an Gültigkeit verliert. Künftig wird er durch einen individuellen Wert, der sich aus mehreren Aspekten zusammensetzt, ersetzt. Für die eigentliche Grundsteuer bleibt aber das bisherige Verfahren erhalten, das sich aus Grundsteuerwert, Steuermesszahl und Hebesatz, der in Langwedel seit 1993 nicht erhöht wurde, zusammensetzt.

Grundsteuer 2022: Hausbesitzer, die die Frist beim Finanzamt verpassen, erwartet Strafe

Die Angaben zu Grundstücken, Häusern oder Wohnungen müssen Eigentümer für die Neuberechnung der Grundsteuer 2022* an die Finanzämter übermitteln – teilweise proaktiv. Einige Kommunen schreiben zwar Hausbesitzer bezüglich der neuen Regelung der Grundsteuer an, allerdings besteht dazu keine Verpflichtung. Immobilienverbände und Steuerberater befürchten daher, dass viele Hausbesitzer zu spät von der neuen Grundsteuererklärung erfahren und dann die Frist beim Finanzamt versäumen.

Lupe auf Grundsteuerformular
Weil die Grundsteuer reformiert wird, müssen Grundstücke neu bewertet werden. © Jens Büttner/dpa

Angaben für die neue Grundsteuer 2022: Lage des Grundstücks, Grundstücksfläche, Gebäudeart, Wohnfläche und mehr

Denn: Schnell sind die nötigen Angaben für die neue Grundsteuer 2022 nicht zusammengesucht, teilweise können sogar Behördengänge notwendig werden. Der neue Grundsteuerwert berechnet sich zwar je nach Bundesland aus unterschiedlichen Angaben, allerdings können unter anderem folgende Angaben der Eigentümer für die Neuberechnung der Grundsteuer notwendig sein: Lage des Grundstücks, Grundstücksfläche, Bodenrichtwert, Gebäudeart, Wohnfläche, Baujahr des Gebäudes. Wer nicht alle Daten parat hat, muss mitunter im Grundbuch der Gemeinde nachschlagen.

Feststellungserklärung für neue Grundsteuer: Eigentümer sollen Steuer-Onlineportal Elster nutzen

Um die Daten für die neue Grundsteuer an die Finanzämter* zu übermitteln, sollen Hausbesitzer das Steuer-Onlineportal Elster nutzen. Es gilt, eine neue Feststellungserklärung zu übermitteln. Dies soll ab 1. Juli 2022 möglich sein. Die Abgabefrist läuft nach derzeitigem Stand bis zum 31. Oktober 2022. Wer die Frist nicht einhalten kann, riskiert hohe Bußgelder – im schlimmsten Fall eine Schätzung der Angaben. Weil die Bundesländer unterschiedlich bei der Neuberechnung der Grundsteuer 2022 vorgehen, erwartet der Präsident des Deutschen Steuerberaterverbands, Torsten Lüth, ein „riesiges Datenchaos“.

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Lüth kritisiert, die Informationsbeschaffung werde auf die Steuerpflichtigen und auf die Steuerberater abgewälzt. „Es kann nicht sein, dass wir mühsam auf Datensuche gehen, während Behörden auf etlichen Datenschätzen sitzen“, sagt der Präsident des Deutschen Steuerberaterverbands. Und auch der Eigentümerverband Haus und Grund erwartet in den kommenden Monaten erhebliche Schwierigkeiten bei der Feststellung der neuen Grundsteuer 2022. So müssen etwa die Bodenrichtwerte bei unabhängigen Gutachterausschüssen erfragt oder im Internet recherchiert werden. Größte Herausforderung könnte aber das Baualter sein, sagt Sibylle Barent, die Steuerexpertin des Verbands, der Deutschen Presse-Agentur.

Neue Grundsteuer-Reform: Steuerberaterverband erwartet wegen Neuberechnung und zweiter Steuererklärung eine Mammutaufgabe

Während Lohnsteuerhilfevereine bei den Angaben für die Reform der neuen Grundsteuer 2022* nicht beraten dürfen, können Eigentümer in Deutschland auf die Unterstützung von Steuerberatern oder Eigentümervertretungen zurückgreifen. Angesichts der vielen Grundstücke in Deutschland erwartet der Steuerberaterverband im Hinblick auf die zweite Steuererklärung eine Mammutaufgabe. Würden sich alle Hausbesitzer an ihre Steuerberater wenden, könnten auf jeden Berater rund 400 Erklärungen zukommen, sagt Lüth. „Das ist Wahnsinn.“ Um eine mögliche Entlastung zu erzielen, fordern Steuerberater daher, dass Daten, die den Behörden bereits vorliegen, in einer digitalen Steuererklärung bereits vorausgefüllt werden.

Direkte Auswirkungen der neuen Grundsteuer 2022 werden Eigentümer in Deutschland allerdings vorerst noch nicht spüren. Die Finanzämter werden in den kommenden Jahren die Höhe der neuen Steuer ausrechnen. Wie viel am Ende fällig wird und ob sie mehr oder weniger zahlen müssen als bisher, erfahren die Eigentümer erst 2025 – das tritt die neue Grundsteuer offiziell in Kraft. (Mit Material der dpa) * kreiszeitung.de, hna.de, fr.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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