Niedersachsens Ministerpräsident

Stephan Weil (SPD): Ein Landesvater im Kampf gegen Schurken

Freund der Autoindustrie und Corona-Krisenmanager: Das Herz von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) schlägt für Niedersachsen. Dafür wagt er auch Sonderwege.

Hannover – „Alle Könige sind meistens Schurken“ schreibt Schriftsteller Mark Twain in seinem Roman „Die Abenteuer des Huckleberry Finn“. Und vermutlich war ihm damals noch nicht klar, dass ein paar Jahrzehnte später Kinder aus aller Welt seine Werke verschlingen würden. Für einen Jungen aus Norddeutschland wurde der mittellose und freiheitsliebende Abenteurer Huckleberry Finn sogar zum Vorbild – und der Einsatz für Minderheiten zu einer Lebensaufgabe. 

Name:Stephan-Peter Weil (SPD)
Alter: 62 Jahre
Familie: verheiratet mit Rosemarie Kerkow-Weil, ein Sohn
Amt: Ministerpräsident von Niedersachsen

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat schon früh entdeckt, in welche Richtung es für ihn gehen soll. Seine Kindheits-Ikone Huckleberry Finn war alles andere als privilegiert – und damit vielleicht ein erster Fingerzeig auf die Menschen, für die sich der sozialdemokratische Regierungschef heute auch in seinen politischen Aktivitäten einsetzt.

Stephan Weil (SPD): Beruflich und privat ist der Ministerpräsident in Niedersachsen verwurzelt

So positioniert sich Weil regelmäßig klar für Gleichberechtigung. Zuletzt in der Debatte um die Regenbogenflagge im Zuge der EM. Solidarität ist Weils Waffe gegen Ungerechtigkeit. Und der 62-Jährige bewegt sich mit seinem Engagement immer mal an der Grenze zwischen Politik und Aktivismus. In einem Interview erklärt er seine Tatkraft so: „Nichts ist von Dauer, deswegen müssen wir uns permanent für den Erhalt des Friedens engagieren.“

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD).

Langweilig dürfte dem Wahl-Hannoveraner auch sonst nicht werden. Er ist Mitglied im Kuratorium der Robert-Enke-Stiftung, der Kestnergesellschaft Hannover und vom Freundeskreis Hannover, bei ver.di, der AWO und dem Rotary Club. Außerdem sitzt er im Aufsichtsrat der Volkswagen AG. 

Kritik an Stephan Weil: Automobilindustrie und Klimaschutz sind für Regierungschef kein Widerspruch

Die Automobilindustrie ist ein Herzensthema des Ministerpräsidenten. Ganz egal, ob das Klima oder die Coronavirus-Pandemie diskutiert wird – irgendwann kommt der Punkt, an dem Weil sich für die Autolobby starkmacht. Dafür wird der SPD-Politiker auch gerne mal in die Mangel genommen.

Vor allem seine Verbindung zum Volkswagen-Konzern sorgt für Kritik. „Es muss klar bleiben, dass das Land VW beaufsichtigt, nicht umgekehrt“, sagte etwa Mathias Middleberg, Leiter der niedersächsischen CDU-Landesgruppe im Bundestag, einmal dazu.

Stephan Weil privat: Sein Herz gehört seiner Ehefrau – und dem Fußballverein Hannover 96

Schwierig wird es auch, wenn es um den Klimawandel geht. Kritikern begegnet Weil dann mit der Idee einer Symbiose aus Klimaschutz und Industrie – und verbindet das gerne mal mit Werbung für seine Partei: „Am Ende interessieren sich die Konservativen wenig für den Klimaschutz und die Grünen wenig für die Arbeitsplätze – die SPD vereint beides“, sagte er einmal in einem Interview.

Zwischen Politik und Engagement trifft man Weil auch mal auf dem Sportplatz. Der Niedersachsen-Chef ist Fan vom Fußballverein Hannover 96. Seine Leidenschaft bringt er auch gern mal im politischen Kontext ein: Mit den Worten „Ich stand noch nie in der Fankurve der Schuldenbremse“, positionierte er sich etwa klar gegen Pläne von SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz. Und das ist nicht der einzige Punkt, der beide SPD-Politiker inhaltlich voneinander trennt. 

Corona: Bei der Pandemie-Bewältigung fährt Weil in Niedersachsen seinen eigenen Kurs

In der Debatte um die Bundesnotbremse im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie war Stephan Weil einer der wenigen Ministerpräsidenten in ganz Deutschland, die sich bereits im Vorfeld an die Empfehlungen der Bundesregierung gehalten hatten. Die Folge: Beim Einsetzen der Bundesnotbremse wurde in Niedersachsen sogar gelockert.

Keiner kann behaupten, dass er alles richtig gemacht hat.

Stephan Weil über das Krisenmanagement in der Corona-Pandemie

Insgesamt trat Weil während der Pandemie als Motivator, Vermittler und Erklärer, aber auch als Kritiker der Bundesregierung auf. Natürlich gab es dabei Fehlentscheidungen. Im Interview mit kreiszeitung.de sagte der Ministerpräsident dazu: „Keiner von uns kann behaupten, dass er alles richtig gemacht hätte. Es begann damit, dass Deutschland leider in die Pandemie hineingestolpert ist.“

Berlin oder Hannover? Stephan Weil lässt Kanzlerkandidat Olaf Scholz gerne den Vortritt

„Hineinstolpern“ ist dabei eigentlich gar nicht die Art des Ministerpräsidenten. Bei einem Blick auf seinen Lebenslauf fällt auf, dass sein Werdegang kein Zufall ist. Nach seinem Zivildienst wurde Weil erst Rechtsanwalt, dann Staatsanwalt und schließlich Richter. Inspiriert von seiner Mutter trat Weil im Jahr 1980 in die SPD ein, wechselte dann ins Justizministerium, bevor er im Jahr 2006 Oberbürgermeister von Hannover wurde. Seit 2013 regiert er nun Niedersachsen. 

Und was ist mit Berlin? Diese Frage stellen sich Parteikollegen und Medienvertreter immer dann, wenn es um die Zukunft des Ministerpräsidenten geht. Denn die Qualitäten für einen Platz am großen Tisch im Bundestag werden Weil schon länger zugesprochen. Statt aber selbst seinen Hut in den Ring zu werfen, schlägt der Hannoveraner lieber die Werbetrommel für Kanzlerkandidat Olaf Scholz. So sagte er dem Deutschlandfunk, dass Scholz der beste Nachfolger für Angela Merkel sei.

Landtagswahl 2022: SPD setzt in Niedersachsen weiterhin auf Stephan Weil

Weils Herz schlägt für Niedersachsens Landeshauptstadt Hannover. Und es scheint so, als bliebe er seiner Wahlheimat auch politisch treu. In einem Interview zu seinem 60. Geburtstag sagte er: „Ich bin an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich sehr mit mir im Reinen bin.“ Für Stephan Weil geht es also frühestens im kommenden Jahr wieder in den Wahlkampf – wenn im Herbst 2022 die Landtagswahl in Niedersachsen ansteht. Mit seiner Loyalität und Geradlinigkeit ist er in diesem Jahr erneut zum SPD-Vorsitzenden der Niedersachsen gewählt worden. Die Chancen stehen also gut, dass Weil seine Amtszeit noch einmal verlängert. 

Damit entscheidet sich Weil dann ein weiteres Mal für die Bodenständigkeit und gegen einen Platz am großen Tisch im Bundestag. Und vielleicht hält er es mit der Politik ja wie sein Kindheitsidol Huckleberry Finn, der einmal sagte: „Ich möchte keine Belohnung außer zu wissen, dass ich das Richtige getan habe.“ * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler

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