"Je später, desto besser"

Bericht: Pofalla erst 2015 zur Bahn

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Ronald Pofalla hatte seinen Posten als Kanzleramtschef bei der Regierungsneubildung Mitte Dezember abgegeben - mit der Begründung, sich stärker dem Privatleben widmen zu wollen.

Berlin - Eine zeitliche Verschiebung soll den umstrittenen Wechsel von Ex-Kanzleramtschef Ronald Pofalla (CDU) in den Bahn-Vorstand laut „Spiegel“ doch noch möglich machen.

Danach könnte Pofalla seinen neuen Posten erst im kommenden Jahr antreten und damit deutlich später als derzeit diskutiert. „Je später er anfängt, desto besser“, zitiert das Nachrichtenmagazin nicht näher genannte Bahn-Kreise.

Zudem könnte Pofallas neu einzurichtender Vorstandsposten für Regierungskontakte später mit dem für Compliance und Recht verschmolzen werden. Dieser wird 2017 frei, wenn der Vertrag von Vorstand Gerd Becht ausläuft. Damit käme es nur für eine rund zweijährige Übergangszeit zur Vergrößerung des Vorstands, die im Aufsichtsrat auf erhebliche Gegenwehr gestoßen war.

Als denkbar gilt dem Bericht zufolge in Koalitionskreisen auch, dass Pofalla seinen Posten zunächst zu geringeren Bezügen unterhalb der Vorstandsebene antritt und 2017 aufgewertet wird. Bahn-Chef Rüdiger Grube will seine Vorschläge dem Aufsichtsrat im März unterbreiten.

Union: Wechsel zwischen Politik und Wirtschaft müssen stattfinden

In der Diskussion um Pofalla haben Unionspolitiker vor einer Verschärfung der Regeln für Wechsel aus der Politik in die Wirtschaft gewarnt. „Unser Problem in Deutschland ist doch eher, wenn man sich unsere Nachbarstaaten oder die USA anschaut, dass es zwischen Politik und Wirtschaft eher zu wenig als zu viel Austausch gibt“, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble der „Rheinischen Post“ (Samstag). „Diese Debatte trägt nicht gerade dazu bei, dass das in Zukunft besser wird.“

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt pflichtete dem bei: „Wechsel zwischen Politik und Wirtschaft sollten weiter stattfinden können und zwar in beide Richtungen“, sagte der CSU-Politiker der „Welt am Sonntag“.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete selbst äußerte sich bislang nicht dazu. Der 54-Jährige hatte seinen Posten als Kanzleramtschef bei der Regierungsneubildung Mitte Dezember abgegeben - mit der Begründung, sich stärker dem Privatleben widmen zu wollen.

Das sind die Lieblingsmusiker der Spitzenpolitiker

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Jürgen Trittin
Der Grünen-Vorsitzende Jürgen Trittin steht gerne an den Plattentellern, er trat schon öfters als DJ Dosenpfand auf... © dpa
Jürgen Trittin
...Trittins Lieblingsbands (laut Facebook): Depeche Mode, Franz Ferdinand, Johnny Cash, Duffy, Talking Heads, Trio, Patti Smith, Fehlfarben, Foyer des Arts und Brian Ferry. Da kennt sich wohl einer richtig gut aus. Blöd nur, dass der Künstler Bryan Ferry heißt und nicht Brian. © dpa
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Die Grünen-Chefin Claudia Roth war in jungen Jahren Managerin der Band Ton Steine Scherben, deren Mitbegründer Rio Reiser ("König von Deutschland") war. © dpa
Karl-Theodor zu Guttenberg
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Es gibt auch Kenner. Linke-Spitzenkandidat Gregor Gysi hört privat gerne Rio Reiser, wie er dem Musikmagazin „Rolling Stone“ verriet. © dpa
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Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) etwa steht auf U2, Coldplay und Udo Jürgens. © dpa
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Nichts vorzumachen braucht man SPD-Chef Sigmar Gabriel. Wie fast jeder Politiker in Niedersachsen ist er mit Scorpions-Sänger Klaus Meine befreundet. Zudem war Gabriel früher der Pop-Beauftragte der SPD, was ihm den Kosenamen „Siggi Pop“ einbrachte. Als die Band Modern Talking sich 2003 auflöste, erklärte Pop-Beauftragter Gabriel zur Scheidung von Dieter Bohlen und Thomas Anders: „Das war seit langem überfällig.“ © dpa
Angela Merkel
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Die Grünen wollen in der kommenden Woche einen Antrag in den Bundestag einbringen, in dem sie die Regierung auffordern, einen Gesetzentwurf zur Einführung einer Karenzzeit für wechselwillige Spitzenpolitiker vorzulegen.

Dobrindt mahnte, man solle diese Debatte in aller Ruhe und vernünftig führen. „Eine Pauschalregelung wird der Vielzahl möglicher Konstellationen wahrscheinlich nicht gerecht.“ Mit Blick auf die konkrete Personalie sieht er allein die Bahn zuständig. „Wenn die Deutsche Bahn personelle Weichen stellen will, muss sie das intern klären beziehungsweise mit dem Aufsichtsrat. Die Bahn ist also selbst am Zug“, sagte der CSU-Politiker. Schäuble stellte sich hinter seinen ehemaligen Ministerkollegen. Pofalla sei „für Führungsaufgaben in vielen Bereichen herausragend qualifiziert“, wie er als Leiter des Kanzleramts gezeigt habe.

Die CDU in Pofallas niederrheinischem Wahlkreis verlangte unterdessen Aufklärung. „Wir haben uns darauf verständigt, dass wir eine Erklärung fordern, damit wir unseren Mitgliedern Antworten geben können“, sagte der Vorsitzende des CDU-Kreisverbands Kleve, Günther Bergmann, am Freitagabend in Kalkar. Dort traf sich der Vorstand von Pofallas Heimatkreisverband zu einer Klausurtagung - ohne ihn.

Fast zwei Drittel der Deutschen (64 Prozent) fänden es nach einer Emnid-Umfrage nicht richtig, wenn der frühere Kanzleramtsminister in den Bahn-Vorstand wechseln würde. 19 Prozent hätten nach der Erhebung für das Magazin „Focus“ mit dem Wechsel keine Probleme.

dpa

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