Designierter CDU-Chef

SPD-Vorsprung sinkt: Schafft die CDU mit Friedrich Merz den Aufschwung?

Die CDU-Mitglieder haben Friedrich Merz zu ihrem neuen Parteichef gewählt. Bereits jetzt wirkt sich die neue Rolle des Konservativen positiv auf seine Partei aus.

Berlin – Neues Jahr, neues Glück für die CDU? Noch vor der offiziellen Wahl des designierten CDU-Chefs Friedrich Merz steigen die Umfragewerten für die Oppositionspartei an. Laut dem Sonntagstrend der „Bild am Sonntag“ kommt die Union bei der jüngsten Umfrage auf 24 Prozent, während die SPD nur noch 27 Prozent der Befragten überzeugen kann. Verschafft der Alt-Konservative seiner Partei etwa ein Comeback?

Name: Friedrich Merz
Geburtstag: 11. November 1955 (66 Jahre)
Partei:CDU
Position: Designierter Parteivorsitzender

Das erste Treffen von Merz und CSU-Chef Markus Söder jedenfalls signalisiert vor allem eines: Zusammenhalt in der Union. Ein Zeichen, das lange überfällig und für viele unerwartet schnell kommt. Denn die Union war nicht zuletzt durch die Kanzlerkandidatur von Armin Laschet (CDU) gespalten. Viele Unions-Politiker hätten lieber Söder auf den Wahlplakaten – und an der Regierungsspitze – gesehen. 

Designierter CDU-Chef Friedrich Merz will Bundeszentrale seiner Partei neu besetzten

Mit Merz hat Söder nun einen neuen Verbündeten, der viele Grundwerte mit ihm teilt. Und er kann, anders als Laschet, auf die Unterstützung seiner Partei zählen. Das bestätigt auch Generalsekretär Paul Ziemiak im ZDF: „Friedrich Merz hat die Partei hinter sich und auch die Unterstützung von allen, die Verantwortung tragen in der Union.“

Rückhalt, die der 66-Jährige auch zwingend braucht. Denn Friedrich Merz hat Großes vor mit der CDU. Laut Informationen des Handelsblattes plant der designierte CDU-Vorsitzende eine weitreichende Neubesetzung in der Bundeszentrale seiner Partei. 

Demnach soll unter anderem Armin Peter (CDU), sein bisheriger Sprecher beim Wirtschaftsrat, die Kommunikationsabteilung der Partei leiten. Aufbruchstimmung signalisiert auch die Neubesetzung des Generalsekretärspostens mit dem früheren Berliner Sozialsenators Mario Czaja. Mit der 34-jährigen Christina Stumpp bekommt der sogar eine Stellvertreterin.

Friedrich Merz legt das Image des Hardliners ab – und zeigt sich offen für Nachhaltigkeit

Während innerhalb der CDU vor allem das konservative Lager den neuen Vorsitzenden feiern, zeigt sich Merz selbst ungewohnt bescheiden und zurückhaltend angesichts seiner neuen Rolle. Der einst erzkonservative Jurist zeigt sich fast geläutert, was so manche seiner Grundthesen angeht. 

Der designierte CDU-Chef Friedrich Merz hat große Pläne mit seiner Partei.

Zum Beispiel beim Thema Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare. Dazu sagte er zur „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ kürzlich: „Heute wissen wir: Manche homosexuelle Paare sind vermutlich bessere Eltern als manche heterosexuelle.“ Außerdem wirbt Merz für mehr Fokus auf Nachhaltigkeit in Umwelt-, Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik.

Wird die CDU unter Friedrich Merz weiblicher und jünger oder rückt die Partei nach rechts?

Und auch das Thema Repräsentanz von Frauen in der CDU scheint dem designierten CDU-Chef ein Anliegen zu sein. Zugegeben, eine Baustelle, die man kaum übersehen kann. Denn die CDU hat mehr als 70 Prozent männliche Mitglieder, Frauen sind nur vereinzelt in den Führungsebenen zu finden. Merz will genau das ändern und hat sogar eine Frauenquote als möglichen Lösungsansatz ins Gespräch gebracht. Es wäre ein wichtiger Schritt zurück in die Mitte der Gesellschaft. 

So offen Merz sich aber aktuell noch zeigt, so enttäuschend könnte sein politisches Handeln an der Spitze der CDU für die Mitglieder seiner Partei werden. Denn mit seiner Wahl kamen auch jede Menge Erwartungen auf. Viele Konservative wünschen sich etwa, dass Merz die CDU wieder mehr nach rechts rückt. Das wäre unter einem Gesichtspunkt sogar gut: Dann würden enttäuschte Unionswähler, die zur AfD abgewandert sind, ihr Kreuz bei der nächsten Wahl vielleicht wieder bei Schwarz setzen. 

Andererseits ist genau das die große Befürchtung von vielen Sozialen und Liberalen in der Union. Der CDA-Bundesvize und EU-Abgeordneter Dennis Radtke sagte dazu in der „Zeit“: „Das Problematischste bei Herrn Merz ist nicht er selbst, sondern ein Teil seiner Anhängerschaft.“ Es sei nun wichtig, dass sich der designierte CDU-Chef von seinem Image als Hardliner löst und die verschiedenen Strömungen innerhalb der Partei eint. 

Friedrich Merz zieht klare Grenze zur AfD und bietet damit eine Alternative für Wähler

Das Potenzial dafür trägt Merz in sich. Mit seiner klaren Abgrenzung zur AfD hat er bereits deutlich gemacht, welchen Weg er definitiv nicht gehen will. Und trotzdem hat er jahrelang für seinen neuen Posten gekämpft und wird es sich nicht nehmen lassen, die Partei aktiv zu gestalten. Ein Gewinn für die Demokratie ist seine Wahl damit allemal. Denn er hat die Möglichkeit, konservativen AfD-Wählern eine sinnvolle Alternative zu bieten. 

Ob es Friedrich Merz wirklich gelingt, die CDU wieder zu einer Volkspartei zu machen, die diesen Namen auch verdient, wird sich in diesem Jahr gleich mehrmals zeigen. Mit Tobias Hans, Daniel Günther und Hendrik Wüst stehen gleich drei CDU-Miniserpräsidenten zur Wiederwahl. Die jüngsten Umfragen im Saarland, in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen zeigen: Es ist noch Luft nach oben. Aber noch ist Friedrich Merz ja auch nicht amtierender CDU-Chef. *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler

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