Wechsel an der SPD-Spitze

SPD-Vorsitz: Walter-Borjans geht – greift Kühnert nach der Macht?

Personalwechsel bei der SPD: Parteichef Norbert Walter-Borjans will aufhören. Doch wer folgt? Ein Kandidat könnte Kevin Kühnert sein. Ausgeschlossen ist das nicht.

Berlin – Der SPD steht eine Personalsuche ins Haus: Nach der Bundestagswahl muss die Partei die Führung neu aufstellen. Der Vorsitzende Norbert Walter-Borjans (SPD) kündigte am Freitag seinen Rücktritt von der Parteispitze an. Nach der erfolgreichen Wahl sei seine „Mission erfüllt“, sagte der 69-Jährige in einem Interview mit der Rheinischen Post. Deshalb werde bei dem anstehenden Parteitag am 11. Dezember 2021 nicht wieder antreten. Es sei Zeit, „Jüngeren Platz zu machen“. Doch damit drängt sich die Frage auf: Wer übernimmt den Posten jetzt? Ein heißer Anwärter auf das Amt könnte SPD-Bundesvize Kevin Kühnert sein.

Deutsche Partei:Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
Gründung:23. Mai 1863, Leipzig
Bundesvorsitzende:Norbert Walter-Borjans / Saskia Esken
Mitglieder:443.000 Mitglieder

Walter-Borjans hatte den SPD-Vorsitz erst vor knapp zwei Jahren übernommen. Seit 2019 führt er die Partei zusammen mit Saskia Esken. Das Duo war in einer schwierigen Phase angetreten. Damals steckte die Partei nach vielen herben Wahlschlappen in einer tiefen Krise. Bei einer großangelegten Mitgliederbefragung setzten sich Walter-Borjans und Esken gegen namhafte Sozialdemokraten wie Olaf Scholz, Karl Lauterbach oder Ralf Stegner durch.

SPD-Vorsitz: Norbert Walter-Borjans kündigt Rücktritt an – doch wer wird der Nachfolger?

Nach zweijähriger Amtszeit steht die SPD jedoch plötzlich überraschend gut da. Aus der Bundestagswahl gingen die Sozialdemokraten mit Kanzlerkandidat Scholz als stärkste Kraft hervor. Er gehe deshalb mit einem „guten Gefühl“, ließ Walter-Borjans nun wissen. „Wir haben in dieser Zeit gezeigt, dass wir zusammenhalten und mit sozialdemokratischer Politik erfolgreich sein können“, sagte er in dem Zeitungsinterview.

Der eine geht, der andere kommt? Parteichef Norbert Walter-Borjans (Mitte) steckt mit Kevin Kühnert und Saskia Esken die Köpfe zusammen.

Doch nun will Nowabo, wie er auch intern gerne genannt wird, keine Hauptrolle mehr spielen. Dass der 69-Jährige vielleicht Schluss machen könnte, darüber war in der Hauptstadt schon länger spekuliert worden. Mit seiner Rückzugsankündigung machte der 69-Jährige es nun also offiziell. Dass er dabei auf einen Kabinettsposten in der möglichen Ampel-Koalition schielt, ist eher unwahrscheinlich.

SPD-Parteivorsitzende: Kevin Kühnert oder Karl Lauterbach könnten auf den Posten scharf sein

„Für mich war mit dem Vorsitz von vornherein keine weitere Karriereplanung verbunden, sondern das Ziel, die Partei auf Kurs zu bringen“, stellte Walter-Borjans jetzt klar. Dennoch äußerte er sich auch grundsätzlich zur Verteilung der Ministerposten. Zum Abschied riet er seiner Partei eindringlich zur Ämtertrennung. Der neue Parteichef sollte lieber nicht in die Kabinettsdisziplin eingebunden sein, damit sei die SPD in den vergangenen zwei Jahren schließlich gut gefahren, so Walter-Borjans.

Doch wer könnte nun sein Nachfolger werden? Viele Namen werden nun kursieren. Ein heißer Anwärter ist auf jeden Fall: Kevin Kühnert. Der Bundesvize und ehemalige Juso-Vorsitzende gilt als Shootingstar in der Partei, mitunter aber auch als Reizfigur und Parteirebell. Bereits vor zwei Jahren hatte er lange über eine eigene Kandidatur für den Bundesvorsitz nachgedacht, dann aber zurückgezogen und das Duo Walter-Borjans/Esken unterstützt.

Traut er sich dieses Mal? Nimmt man die Aussagen vom scheidenden Parteichef ernst, dann könnte das ein deutlicher Fingerzeig sein auf seinen Freund Kühnert. Mit 32 Jahren ist dieser durchaus einer von den „Jüngeren“. Zudem schloss Kühnert, der bei der Bundestagswahl seinen Wahlkreis in Berlin-Schöneberg direkt gewann, einen Ministerposten bereits öffentlich aus. Die Trennung der Ämter wären in Nowabos Sinne also getrennt.

SPD: Für Kühnert als Parteichef muss Saskia Esken den Weg frei machen und ins Kabinett von Scholz wechseln

Gegen Kühnert spricht: Er kommt eher vom linken Parteiflügel, genauso wie Saskia Esken, die im Wahlkampf deshalb oftmals als rotes Gespenst verschrien worden ist. Doch der Vorsitzenden werden durchaus auch Ambitionen auf ein Ministeramt nachgesagt. Doch wenn Esken ins Kabinett wechselt, wäre der Weg für Kühnert an die Parteispitze frei.

Insofern hängt nun auch vieles vom Fortschritt der parallel laufenden Koalitionsverhandlungen der SPD mit FDP und Grünen ab. Viele bekannte Sozialdemokraten drängen in die Regierung. Karl Lauterbach will Gesundheitsminister werden. Doch wenn er übergangen wird, könnte er sich vielleicht auch eine Kandidatur um den Parteivorsitz vorstellen – so wie vor zwei Jahren.

Minister oder Parteivorsitz: In der SPD wird Generalsekretär Lars Klingbeil für alle Ämter gehandelt

Und was ist mit Lars Klingbeil? Der Generalsekretär managte die erfolgreiche Wahlkampagne und genießt in der Partei nun hohen Respekt. Der Name des gebürtigen Niedersachsen fällt nun für alle möglichen Ämter: als Fraktionschef, als Verteidigungsminister – oder jetzt doch Parteichef?

Wie stellt sich die SPD als Regierungspartei neu auf? Mit unserem kostenlosen Newsletter verpassen Sie nichts.

Keine Frage, auf die SPD kommen nun stürmische Zeiten zu. Die Koalitionsverhandlungen sollen bis Anfang Dezember abgeschlossen sein. Personalien sollten eigentlich erst zum Schluss geklärt werden. Doch das Rennen ist nun mehr denn je eröffnet. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Sechs Monate Audible inkl. Gratis-Hörbücher für monatlich 4,95 Euro statt 9,95 Euro

Sechs Monate Audible inkl. Gratis-Hörbücher für monatlich 4,95 Euro statt 9,95 Euro

Das sind die Minister und Ministerinnen der Ampel-Koalition

Das sind die Minister und Ministerinnen der Ampel-Koalition

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Meistgelesene Artikel

Cannabis-Legalisierung: Ampel gibt Hanf frei – doch ab wann?

Cannabis-Legalisierung: Ampel gibt Hanf frei – doch ab wann?

Cannabis-Legalisierung: Ampel gibt Hanf frei – doch ab wann?
Bürgergeld 2022: Wer bekommt was? So viel zahlt die Ampel aus

Bürgergeld 2022: Wer bekommt was? So viel zahlt die Ampel aus

Bürgergeld 2022: Wer bekommt was? So viel zahlt die Ampel aus
Bürgergeld statt Grundsicherung? Was sich Hartz-4-Empfänger wirklich leisten können

Bürgergeld statt Grundsicherung? Was sich Hartz-4-Empfänger wirklich leisten können

Bürgergeld statt Grundsicherung? Was sich Hartz-4-Empfänger wirklich leisten können
Minister: Karl Lauterbach – darum muss Scholz ihn wohl opfern

Minister: Karl Lauterbach – darum muss Scholz ihn wohl opfern

Minister: Karl Lauterbach – darum muss Scholz ihn wohl opfern

Kommentare