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SPD: Geschichte, Kanzler, Politik – Alles zur ältesten Partei Deutschlands

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Von: Joshua Schößler

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SPD
Eine SPD-Flagge weht bei einer Wahlkampf-Veranstaltung. © Sina Schuldt/dpa/Symbolbild

Ihren heutigen Namen gab sich die SPD 1890. Mit Olaf Scholz stellt sie den derzeitigen Bundeskanzler. Alles zur ältesten Partei Deutschlands.

Berlin – Die SPD blickt auf eine 150-jährige Geschichte zurück und ist damit die älteste noch bestehende Partei Deutschlands. Ihre Vorläufer entstammen den 1860er Jahren. Zunächst hielt die SPD nach dem Ersten Weltkrieg am Marxismus fest. Während der Diktatur der Nationalsozialisten wurde sie verboten, 1945 jedoch wiedergegründet.

Die SPD sieht sich als linke Volkspartei und nimmt für sich in Anspruch, dass Regierungsmacht lediglich Mittel zum Zweck sei.

Wofür steht die Abkürzung SPD?

Die Abkürzung SPD steht für Sozialdemokratische Partei Deutschlands. Sie ging aus zwei Vorläuferparteien hervor: dem 1863 gegründeten Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein und der 1869 gegründeten Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Ihren Namen SPD erhielt die Partei im Jahr 1890.

Die SPD gibt es seit über 150 Jahren

Die zunehmende Liberalisierung in den darauffolgenden Jahren resultierte in der Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, der 1875 auf dem Gothaer Kongress mit der 1869 durch August Bebel und Wilhelm Liebknecht gegründeten Sozialdemokratischen Arbeiterpartei verschmolz.

Zwischen 1871 und 1878 verbot Otto von Bismarck (83, † 1898) alle sozialistischen Vereinigungen im Rahmen des Sozialistengesetzes. Allerdings wuchs mit der zunehmenden Industrialisierung auch die Arbeiterschicht – und damit auch die ebenfalls verbotenen Gewerkschaften. 1912 erhielt die SPD bei den Reichstagswahlen 34,8 Prozent.

Die SPD während des Nationalsozialismus und der DDR

Auch die Nationalsozialisten verboten die SPD. Viele ihrer Anhänger wurden im Zuge des Ermächtigungsgesetzes verfolgt, misshandelt und ermordet. Aus dem Exil versuchte der Vorstand, die Partei zu führen und Widerstandszirkel aufzubauen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wandelte sich die SPD unter dem Parteivorsitzenden Kurt Schumacher (56, † 1952) in den Westzonen vermehrt zu einer Partei der Mittelschicht, während sie in den Ostzonen durch KPD und SED unter Druck geriet und Mitglieder zur Flucht gezwungen waren.

1959 führte das Godesberger Programm zur programmatischen Öffnung, seit der die SPD an Zielen wie Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität festhält. Rund zehn Jahre später begann sich die Partei aufgrund vieler neuer Mitglieder ideologisch nach links zu bewegen, woraus sich ab Mitte der 1970er Jahre eine Protestbewegung gegen die Atomenergie und Rüstungspolitik bildete.

Die SPD unter ihrem Bundeskanzler Helmut Schmidt

Nach dem Rücktritt Willy Brandts 1974 wurde Helmut Schmidt (96, † 2015) zum fünften Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Doch die Sozialdemokraten sahen sich zunehmend zwischen den Fronten. Die schlechter werdende wirtschaftliche Lage und der gesellschaftliche Protest, der sich gegen die Atomenergie und Sicherheitspolitik wendete, bereiteten der amtierenden Regierung Probleme. Die Ära der SPD-Regierung endete 1982 schließlich in einem konstruktiven Misstrauensvotum gegen Helmut Schmidt.

Die SPD sah sich während der Regierung unter Helmut Kohl (87, † 2017) unter anderem mit personellen Herausforderungen konfrontiert. 1998 konnte sich Gerhard Schröder als neuer Kanzler gegen den Parteivorsitzenden Oskar Lafontaine durchsetzen. 2002 entschieden SPD und Grüne die Bundestagswahl für sich, Schröder kam erneut das Amt des Bundeskanzlers zu. In dieser Legislaturperiode wurde die Agenda 2010 verabschiedet. 2005 schied Gerhard Schröder nach der Abwahl der letzten verbliebenen SPD-Landesregierung freiwillig aus dem Amt und machte so den Weg für Neuwahlen frei.

Die SPD unter der CDU-Bundeskanzlerin Angela Merkel

Infolge der Neuwahlen kam es 2005 zu einer Großen Koalition unter Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die SPD errang bei den Wahlen ein deutlich besseres Ergebnis als erwartet.

Doch der häufige Wechsel der Parteivorsitzenden bis 2009 spiegelte die innerparteilichen Konflikte wider und das Fehlen einer klaren programmatischen Ausrichtung führte bei der Bundestagswahl 2009 unter ihrem Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier zum schlechtesten Ergebnis in der Geschichte der SPD. Zahlreiche Stammwähler hatten sich in der Folge von der Partei abgewandt. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands fand sich in der Opposition wieder, die Regierung wurde aus CDU und FDP gebildet.

Die SPD und ihr Kanzlerkandidat Martin Schulz

Im Januar 2017 gab Sigmar Gabriel sowohl Kanzlerkandidatur als auch die Position des Parteivorsitzenden zugunsten von Martin Schulz ab, unter dem es anschließend zu Neueintritten in die SPD kam. Die Umfragewerte verbesserten sich ebenfalls deutlich. Die im Jahr 2017 anstehenden Landtagswahlen in den Bundesländern Saarland, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen verliefen jedoch enttäuschend und boten für einen Erfolg bei der anstehenden Bundestagswahl im selben Jahr schlechte Voraussetzungen. Die Niederlage bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen war erneut exemplarisch für die Situation der Sozialdemokraten.

Die Bundestagswahl 2017 führte zu einem noch schlechteren Ergebnis als im Jahr 2009. Mit nur 20,5 Prozent strebte die SPD den Gang in die Opposition an, dies wurde sowohl von den Funktionären als auch der Parteibasis begrüßt. 

SPD: Wer war bisher alles im Vorsitz?

Nach dem Scheitern der Sondierungsgespräche über ein Jamaika-Bündnis setzte die Partei jedoch ihre Koalition mit CDU/CSU fort, was erneut auf Widerstand innerhalb der SPD stieß. Die Zustimmung zum Koalitionsvertrag fiel mit 66 Prozent dementsprechend niedrig aus, obwohl der Partei drei wichtige Schlüsselressorts zufielen: Finanz-, Arbeits- und Außenministerium. Martin Schulz zog sich daraufhin zurück und verzichtete sowohl auf den Parteivorsitz als auch auf die Position des Außenministers. Olaf Scholz rückte kommissarisch in das Amt des Parteivorsitzenden.

Der Nahles-Rücktritt in der SPD und die Folgen

Nachdem die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles im Juni 2019 von der Parteiführung zurückgetreten war, musste die SPD im Juni 2019 erneut wählen. Erstmals seit 1993 wählten alle Parteimitglieder in zwei Wahlgängen die neue Parteiführung: Eine Doppelspitze aus Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans. Anno 2021 folgte die nächste Wahl. Esken blieb an der Spitze, Lars Klingbeil wurde als zweite Spitze gewählt.

NameSPD
Gründungsjahr1890
GründungsortHalle (Saale)
Mitglieder393.727
ParteivorsitzendeSaskia Esken, Lars Klingbeil
HauptsitzBerlin

Die SPD und ihre wechselhafte Führung

Bei der Wahl 2021 zum neuen Deutschen Bundestag holte die SPD insgesamt 26,4 Prozent der Erststimmen und 25,7 Prozent der Zweitstimmen. Damit ging sie als Sieger aus der Wahl hervor und bildet nun gemeinsam mit den Grünen und der FDP die neue Bundesregierung. Neuer Bundeskanzler ist der SPD-Kandidat Olaf Scholz. Die Bundeszentrale steht in Berlin und trägt den Namen Willy-Brandt-Haus.

Alle SPD-Kanzler von 1918 bis heute

Welche Mitglieder der SPD üben gegenwärtig das Amt eines Ministers aus?

Aktuelle Ministerpräsidenten der SPD:

Die aktuellen Bundesminister der SPD:

Beim Bundesparteitag am 11. Dezember 2021 wurde Esken als Parteivorsitzende wiedergewählt. Ebenfalls zum Vorsitzenden gewählt wurde der bisherige Generalsekretär Lars Klingbeil, nachdem Walter-Borjans auf eine erneute Kandidatur zum Parteivorsitz verzichtet hatte.

Die SPD und der Krieg in der Ukraine

Am 24. Februar 2022 überfiel Russland die Ukraine. Mit dem russischen Angriffskrieg vollzog die SPD-geführte Bundesregierung eine erhebliche Änderung in ihrer Außen- und Sicherheitspolitik. Auf einer Sondersitzung des Deutschen Bundestages am 27. Februar 2022 stellte Olaf Scholz diese Anpassung vor und sprach von einer Zeitenwende. Der SPD-Vorsitzende Klingbeil sagte: „Die Zeitenwende ist da und sie muss ausbuchstabiert werden.“ (Joshua Schößler)

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