Parteien-Vergleich

SPD, CDU oder doch Grüne? Wo Frauen in Deutschland am meisten zu sagen haben

Franziska Hoppermann soll unter Norbert Röttgen Generalsekretärin der CDU werden.
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Franziska Hoppermann soll unter Norbert Röttgen Generalsekretärin der CDU werden.

Gleichberechtigung steht bei vielen Parteien ganz oben auf der Agenda. Und trotzdem sind Frauen selbst in der Politik noch immer benachteiligt. Zumindest in einigen Parteien.

Berlin – Die CDU steckt in der Krise. Und mit dem Start der parteiinternen Neuaufstellung sorgt die selbsternannte Volkspartei einmal mehr für Kritik – vor allem wegen der fehlenden weiblichen Bewerber für die Spitzenposten. Norbert Röttgen will neuer CDU-Chef werden und verleiht dem angeschlagenen Image seiner Partei bereits jetzt einen Aufschwung – und zwar mit einer einzigen Personalie. Der Außenpolitiker hat Franziska Hoppermann als Generalsekretärin ins Spiel gebracht – und damit als erster der Bewerber eine Frau für einen Spitzenposten vorgeschlagen. 

Partei:CDU
Frauenanteil: 37,5 Prozent
Gründung:26. Juni 1945

Eine Frau an der Spitze, damit kennt Deutschland sich eigentlich aus. Immerhin hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ganze 16 Jahre unser Land regiert. Allerdings herrscht trotzdem noch lange keine Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen. Nicht in der Gesellschaft, nicht in der Arbeitswelt – und schon gar nicht in der Politik. Ein Beispiel: Im erst kürzlich gewählten Bundestag beträgt der Frauenanteil 34,7 Prozent (256 Sitze). 

Zwar ist dieser damit im Vergleich zu den vergangenen Jahren recht hoch, aber trotzdem noch weit von der fairen Machtverteilung entfernt. Ein Blick auf die Aufstellung vergangener Parlamente zeigt, dass es nicht einmal der höchste Frauenanteil der deutschen Geschichte ist. Während der Legislaturperiode von 2013 bis 2017 saßen ganze 36,5 Prozent Frauen im Bundestag. Damals gab es allerdings einen insgesamt kleineren Bundestag als heute. 

Gleichberechtigung im Bundestag: Grüne und Linke haben schon immer den größten Frauenanteil

Dabei gibt es gerade zwischen den einzelnen Parteien gravierende Unterschiede, wenn es um die Machtverteilung zwischen Männern und Frauen geht. Die Partei, in der Frauen mit Abstand am meisten Macht und Ansehen genießen, sind die Grünen. In der Bundestagsfraktion von Bündnis90/Die Grünen sitzen 59 Prozent Frauen. Die weibliche Überzahl gehört bei der Ökopartei offenbar zur Leitkultur, denn seit ihrem Einzug in den Bundestag im Jahr 1983 sind die Grünen Spitzenreiter in Sachen Frauenanteil.

Gleiches gilt übrigens auch für die Linken. Mit einem Frauenanteil von 53,8 Prozent liegt die Partei nicht nur aktuell deutlich über dem Durchschnitt. Auch die Linke schickt schon immer überdurchschnittlich viele Frauen in den Bundestag. Die SPD bewegt sich mit 41,7 Prozent Frauenanteil eher im Mittelfeld.

Übrigens: Laut einer Studie der Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DiW) haben Kandidatinnen bei den Grünen und den Linken die größten Chancen auf einen Wahlerfolg. Demnach liege die Zahl der Bewerberinnen und der letztendlichen Parlamentarierinnen etwa auf dem gleichen Niveau. 

Frauenproblem in der Union: Welche Chancen haben Bundestagskandidatinnen eigentlich?

Bei der Union zeichnet sich da ein ganz anderes Bild ab: Der DiW-Studie zufolge haben Kandidatinnen, die für die CDU oder die CSU in den Bundestag wollen, im Vergleich zu ihren männlichen Mitbewerbern deutlich geringere Chancen auf ein Mandat. Kein Wunder also, dass die Union mit 23,4 Prozent auf einen eher geringen Frauenanteil im Bundestag kommt. 

Weniger Frauen sitzen nur für die AfD im Bundestag (13,3 Prozent), die FDP liegt mit 23,9 Prozent Frauen aber auch nur knapp über der Union. Man kann die Aufteilung der Parteien mit einer simplen Faustformel zusammenfassen: je konservativer die Partei, desto geringer der Frauenanteil im Bundestag.

Knapp 150.000 der insgesamt rund 400.000 CDU-Mitglieder deutschlandweit sind weiblich. Das macht einen parteieigenen Frauenanteil von 37,5 Prozent aus. Die Tatsache, dass die CDU selbst ihren parteiinternen Durchschnitt nicht ansatzweise in den Bundestag bringt, verstärkt den Eindruck, dass Frauen es in der konservativen Partei schwerer haben, Karriere zu machen. 

Neuaufstellung der CDU: Frauen in der Partei fordern mit Beteiligung

Dabei gibt es immer wieder Forderungen nach einem Umschwung. Die CDU-Abgeordnete Nadine Schön forderte im Gespräch mit der Rheinischen Post angesichts der Neuaufstellung ihrer Partei erst kürzlich: „Wir haben seit Jahren zu wenig Frauen im Parlament und in der Partei. Wir müssen mehr werden.“ Die Vorsitzende der Frauen Union, Annette Widmann-Mauz, sagt im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) zum Frauenproblem ihrer Partei: „Die Neuaufstellung der CDU Deutschlands kann inhaltlich, personell und strukturell nur mit den Frauen in der Partei gelingen.“

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Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel plädiert im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung für mehr Teilhabe von Frauen: „Es muss weiter daran gearbeitet werden, dass sich Frauen insgesamt mehr zutrauen. Denn selbst, wenn welche da sind, ist es ja nicht so, dass sie zum Beispiel um einen Parteivorsitz rangeln.“ 

EAF-Studie verrät: Warum drängen so wenige Frauen in die erste Reihe der Politik?

Aber woran liegt es eigentlich, dass so wenige Frauen in die erste Reihe der Bundespolitik drängen? Das hat sich die Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF) in Berlin auch gefragt und eine Umfrage unter hunderten Politikerinnen und Politikern gemacht. Die Studie zeigt, dass Frauen es tatsächlich deutlich schwerer haben, als ihre männlichen Kollegen. 

So berichten etwa viele der Befragten von latentem Sexismus innerhalb der Partei, abwertenden Sprüchen und Ignoranz sowie Respektlosigkeit bei inhaltlichen Vorträgen. Ein weiterer Aspekt, der es Frauen oftmals schwer mache, sind demnach die politischen Strukturen. Das fange bereits bei Plenumssitzungen an, die meistens abends oder am Wochenende stattfinden. Für Frauen, die eine Familie haben, sind diese Zeiten oftmals schwer einzuhalten. Und wer nicht im Plenum sitzt, der kann sich auch nicht an den wichtigen Debatten beteiligen. Hoppermann, die vielleicht bald Generalsekretärin der CDU werden könnte, sieht darin allerdings ein behebbares Problem. „Ich war immer der Meinung, dass die Vereinbarkeit von Familie und Vollzeitberuf möglich ist“, sagte sie bei ihrer Vorstellung in Berlin. 

Kevin Kühnert, SPD-Vizechef, hat einen weiteren Erklärungsansatz, wie er gegenüber der Zeit verrät: „Zu wenig weibliche Vorbilder; die unzureichende Vereinbarkeit von Beruf, Privatleben und Ehrenamt; ungleiche Verteilung von Ressourcen wie Einkommen und Zeit zwischen Frauen und Männern. Und nicht selten eine sexistische Grundstimmung.“

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz: „Wir brauchen mehr Frauen in der Politik“

Auch, wenn es oft die männlichen Strukturen sind, die Frauen in der Politik klein halten, ist das Grundproblem der unfairen Machtverteilung längst bei allen Geschlechtern angekommen. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz bringt es im Gespräch mit der Zeit auf den Punkt: „Wir brauchen mehr Frauen in der Politik.“ Deshalb habe er sich zum Ziel gesetzt, die Bundesregierung aus gleich vielen Männern und Frauen zusammenzusetzen. 

Fest steht: Es gibt noch viel zu tun auf dem Weg in die Gleichberechtigung. Aber wer genau hinsieht, der entdeckt auch Hoffnungsschimmer in diesen Tagen: Mit Bärbel Bas als neue Bundestagspräsidentin fällt zum Beispiel bereits ein wichtiger Posten im Bundestag in weibliche Hände. Ursula von der Leyen (CDU) zeigt als Mutter und EU-Kommissionspräsidentin, wie man trotz widriger Bedingungen beides unter einen Hut bringen kann. Und der 20. Bundestag ist der jüngste und vielfältigste, den es jemals in Deutschland gegeben hat. Und junge Menschen sind, wie Studien belegen, deutlich offener für Chancengleichheit und Vielfalt, als ältere.  *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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