Im Porträt

Jens Spahn (CDU): Der Gesundheitsminister mit Heldenallüren

Vom Hoffnungsträger zum gescheiterter Minister: Jens Spahn ist seit der Corona-Krise umstritten. Doch Karriere-Ambitionen hat der CDU-Mann weiterhin. Ein Porträt.

Berlin – Berufswunsch? Auf diese Frage gibt es für den Abiturienten Jens nur eine Antwort: Kanzler. Und das ist nicht einfach nur so dahingesagt, der junge Mann aus Ahaus im westlichen Münsterland meint es ernst mit seinem durchaus ambitionierten Ziel. Und wer ihm das zu Schulzeiten noch nicht glauben will, den überzeugt Jens Spahn (CDU) spätestens in der Coronavirus-Pandemie von seinem unzähmbaren Willen, eine wichtige Rolle in der deutschen Politik zu spielen. Dieser zur Schau gestellte Machtwille kommt allerdings nicht bei jedem Wähler immer gut an. 

Name:Jens Spahn
Geburtstag:16. Mai 1980 in Ahaus
Position: Bundesgesundheitsminister und Vize-Chef der CDU

Im Laufe der Coronavirus-Pandemie entwickelt sich Spahn vielmehr vom Hoffnungsträger mit Heldenallüren zum wankelmütigen Politiker der Widersprüche. Während er auf seiner Homepage „Sicherheit in neuen Zeiten“ verspricht, strahlt er mit zuspitzender Lage zunehmend Unsicherheit aus. So verspricht er etwa Schnelltests und Impfungen, ohne seine eigenen Deadlines einzuhalten. Eine klare Linie im Kampf gegen die Pandemie sucht man bei ihm also vergeblich

Vom Hoffnungsträger zum gescheiterten Corona-Krisenmanager: Wer ist Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU)?

Dabei schätzen Parteifreunde den überzeugten Katholiken doch eigentlich gerade wegen seiner klaren Positionen. Bereits vor seiner Tätigkeit als Gesundheitsminister galt Spahn innerhalb der CDU als selbstbewusster Provokateur und Macher. Er scheute nicht, bereits in kleineren Rollen offen über seine Kritik an der Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel zu sprechen und sich lautstark gegen die Legalisierung von Cannabis und den leichteren Zugang zu Abtreibungen stark zu machen. 

Jens Spahn: Der Weg von der Jungen Union in den Deutschen Bundestag zum Corona-Krisenmanager

Eines wird mit Blick auf seine berufliche Laufbahn sehr deutlich: Spahn ist Überzeugungstäter. Bereits mit 15 Jahren trat er der Jungen Union bei. Nur vier Jahre später, im Jahr 1999, wurde er Vorsitzender der Jungen Union im Kreis Borken. Im selben Jahr begann Spahn eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Westdeutschen Landesbank in Münster. Danach folgte das Studium der Politikwissenschaften an der Fernuniversität Hagen, das er mit dem Master abschloss. 

Im Jahr 2002 schaffte der ambitionierte Politiker schließlich für seinen Wahlkreis Steinfurt/Borken den Sprung in den Bundestag. Seitdem mischt Spahn mit seinem teilweise gewagten und provokanten aber durchaus zielgerichteten Politikstil die Bundespolitik auf. Sein selbsternanntes Ziel: Eine liberal-konservative Politik, die gesellschaftliche und persönliche Freiheit mit Werten, Traditionen und auch Grenzen verbindet, wie er dem Deutschlandfunk in einem Interview verrät.

Die politischen Stationen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU)

  • 1995 bis 1999: Mitglied der Jungen Union
  • 1999 bis 2002: Vorsitzender der Jungen Union Borken
  • 2002 bis 2009: Mitglied des Deutschen Bundestags
  • 2009 bis 2015: Gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Bundestag
  • 2015 bis 2018: Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium
  • 2018 bis heute: Bundesgesundheitsminister und Vizechef der CDU

Jens Spahn (CDU): Wie der gelernte Bankkaufmann zum Gesundheitsminister wurde

Das Thema Gesundheit zieht sich dabei wie ein roter Faden durch die Karriere des 41-Jährigen. Spahn war bereits in der CDU-Arbeitsgruppe aktiv, die an der Gesundheitsreform 2007 arbeitete. Als Bundesgesundheitsminister hat er seit 2018 ganze 33 Gesetze und 77 Verordnungen auf den Weg gebracht. Und auch, wenn die Umfragewerte sich im Laufe der Pandemie alles andere als positiv für den Minister entwickelt haben, scheint sein Selbstbewusstsein unberührt. Nicht umsonst bringt er sich immer wieder als möglichen CDU-Chef ins Gespräch – auch wenn er zuletzt seinen Verzicht erklärte.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und seine Niederlagen in der Politik

Niederlagen, so scheint es, haben ohnehin keine nachhaltige Wirkung auf den Münsterländer. Als Spahn das erste Mal für den Vorsitz seiner Partei kandidierte, nahm er seinen vorzeitigen Ausstieg aus dem Wahlkampf mit einem Schulterzucken hin. Es machte den Anschein, als sagte er sich „Ärmel hochkrempeln und neuen Anlauf nehmen“. 

Damals trat er gegen Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz an und flog mit lediglich 16 Prozent der Delegierten-Stimmen bereits bei der Vorrunde raus. Aber sein Durchhaltevermögen wurde prompt belohnt, als Kramp-Karrenbauer 2019 zurücktrat. Seitdem ist er an der Seite von Armin Laschet (CDU) Vize-Chef seiner Partei.

Spahn über die Neuaufstellung der CDU: „Größte Krise der Partei“

Angesprochen auf die derzeitige Neuaufstellung seiner Partei spricht Spahn offen aus, was viele denken: Er nennt es die „größte Krise in der Geschichte der CDU“. Umso unerwarteter allerdings seine vornehme Rückhaltung im Rennen um die neue Spitze seiner Partei: Jens Spahn wirft seinen Hut dieses Mal nicht in den Ring, sondern lässt seinen Parteikollegen Friedrich Merz, Norbert Röttgen oder Helge Braun den Vortritt im Kampf um den Vorsitz

Woher diese Rückhaltung rührt, das lässt sich nur mutmaßen. Vielleicht möchte Spahn es jemand anderem überlassen, die CDU wieder aus der Krise zu holen um dann unbeschadet und nach einer kurzen Pause ohne Skandale wieder ins Rampenlicht zu treten. 

Villa, Skandale, Ehemann: Das ist Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) privat

Denn ganz so weiß ist die Weste vom noch amtierenden Bundesgesundheitsminister auch nicht. Insbesondere während der Coronavirus-Pandemie hat er mit dem ein oder anderen Skandal für Aufsehen gesorgt. Da gab es das Spendendinner, das er kurz nach einer erneuten Lockdown-Verschärfung besuchte – am nächsten Tag hielt er einen positiven Corona-Test in der Hand. Oder der viel diskutierte Kauf seiner Nobelvilla in Berlin-Dahlem. Als die Kaufsumme der Immobilie bekannt wurde, gab es viel Kritik aus der Öffentlichkeit – zu der sich Spahn allerdings konsequent nicht äußern wollte. 

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Privat bleibt privat – das ist eines der wichtigsten Grundsätze von Jens Spahn. Es ist nur wenig über den fleißigen Politiker bekannt – und fast alles hat er selbst auf Social Media oder in einem TV-Format preisgegeben. Zum Beispiel die Tatsache, dass er homosexuell ist und seit 2017 mit dem Journalisten Daniel Funke verheiratet ist. Sobald das Thema allerdings darauf kommt, betont der CDU-Politiker vehement, dass es nicht seine sexuelle Orientierung ist, die ihn ausmacht. Und wer das politische Wirken von Jens Spahn verfolgt, der merkt schnell: Es ist etwas ganz anderes, das ihn prägt. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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