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Hinter der Frontlinie: Partisanen setzen Putins Truppen schwer zu

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Von: Jens Kiffmeier

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Sie operieren verdeckt, aber effektiv: Im Ukraine-Krieg spielen Partisanen eine wichtige Rolle bei der Gegenoffensive. Putins Truppen stecken im Dilemma.

Kiew – Sie verüben Attentate auf Kollaborateure, sie zerstören wichtige Infrastruktur und sie spionieren die Schwachstellen hinter dem Frontverlauf aus: Im Ukraine-Krieg bringen Partisanen die russischen Invasoren immer stärker in Bedrängnis. Zu dieser Erkenntnis kommen die Militärexperten vom Institute for Study of War (ISW). „Der Kreml hat der organisierten Partisanenbewegung der Ukraine weiterhin nichts wirksam entgegenzusetzen und wird wahrscheinlich auch nicht über die Fähigkeiten dazu verfügen“, teilt die US-Denkfabrik in einer neuen Analyse mit.

Ukraine-Krieg: Partisanen bringen Russlands Truppen mit gezielten Gegenoffensive in Bedrängnis

In den vergangenen Wochen hat Russland im Ukraine-Krieg Rückschläge hinnehmen müssen. Unterstützt mit schweren Waffen aus dem Westen gelang es den ukrainischen Truppen, die Invasoren in einigen Gebieten im Donbass mit einer massiven Gegenoffensive zurückzudrängen. Die herben Verluste in den eigenen Reihen versucht Präsident Wladimir Putin mit einer Teilmobilmachung von 300.000 Rekruten auszugleichen. Derzeit werden viele russische Soldaten vor allem in der umkämpften Region Cherson zusammengezogen. Doch das eröffnet hinter der Frontlinie mehr Bewegungsfreiheit für die Partisanen.

Erhalten gezielt Informationen von Partisanen hinter der Frontlinie: ukrainische Soldaten im Ukraine-Krieg.
Erhalten gezielt Informationen von Partisanen hinter der Frontlinie: ukrainische Soldaten im Ukraine-Krieg. © Efrem Lukatsky/dpa

Ukraine-Krieg: Putin lässt seine Truppen rund um Cherson zusammenziehen – Offene Flanke für Partisanen

Nach Informationen des ukrainischen Geheimdienstes hat Russland zuletzt mit 40.000 Mann den größten Teil der noch verbliebenen konventionellen Streitkräfte in der Oblast Cherson konzentriert. Doch das Gebiet umfasst knapp 23.000 Quadratkilometer und ist dadurch nur schwer zu kontrollieren. Deshalb wurden die anderen besetzten Gebiete zwangsläufig geschwächt.

Genau in diese Lücke stoßen nun die Partisanen. Der zunehmende Mangel an Soldaten an vielen Stellen in der Ostukraine führe dazu, dass die Aktivitäten der ukrainischen Kämpfer immer erfolgreicher werden würden, schreiben die ISW-Analysten. Besonders in der Region um Saporischschja wird eine Hochburg der Untergrundkämpfer vermutet.

Partisanen in der Ukraine: Sie verüben Attentate und Anschläge auf die Infrastruktur

Offiziell gehören die Partisanen nicht der Armee an. Sie tragen keine Uniformen und operieren im Verborgenen. Doch es ist schwer vorstellbar, dass die Kämpfer ohne Freigabe aus Kiew arbeiten. Laut ISW gehört zu den Aufgaben wohl das Ausspionieren von Truppenbewegungen und die Weitergabe der Informationen.

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Die ukrainische Armee, die von General Walerij Saluschnyj befehligt wird, ist dadurch immer bestens im Bilde, wo sich die Schwachstellen in der russischen Armee auftun. Doch daneben gehen die Kämpfer mitunter auch einige Schritte weiter und schrecken nicht vor gezielten Attentate auf Kollaborateure oder vor Anschlägen auf die Versorgungs- und Nachschubinfrastruktur der Russen zurück.

Seit März 2022 beobachtet das ISW das Treiben der Partisanen. Die Denkfabrik hat nun damit begonnen, die Aktivitäten in einer Karte zu dokumentieren. Biss zum 1. November waren mehr als ein Dutzend Anschläge registriert. Die Dunkelziffer dürfte aber viel höher sein, denn das Institut nimmt nur offiziell bestätigte Taten auf. Der Beobachtung zufolge werden es nun täglich mehr – auch, weil Russland es in den besetzten Gebieten versäumt habe, seine Kollaborateure und die Infrastruktur ausreichend zu sichern.

Ukraine-Krieg: Karte zeigt die Aktivität der Partisanen hinter der Frontlinie

Die Truppen Putins stecken nun in einem Dilemma. Denn einerseits sollen die Streitkräfte auf die Region Cherson konzentriert werden. Doch andererseits müssen nun wieder einzelne Truppenteile wegen des Partisanenkriegs zurückverlegt werden – was wiederum die Bataillone um Cherson schwächt.

Ukraine-Krieg: Experten hatten die Entwicklung zu einem Partisanenkrieg vorausgesehen

Militärexperten hatten die Entwicklung bereits kommen sehen. So hatte Carlo Masala von der Universität der Bundeswehr in München bereits vor Monaten in der Welt gesagt, dass die schweren Waffen aus dem Westen nicht der einzige Gamechanger im Ukraine-Krieg sei. Es sei sehr wahrscheinlich, dass die Ukraine die russischen Angreifer in den besetzten Gebieten in einen Häuser- und Partisanenkampf ziehen werde.

Außenminister Dmytro Kuleba hatte das dann kurz darauf in der ARD sogar bestätigt. Auch ohne Panzer aus dem Westen werde man Putin aus dem Donbass vertreiben, sagte er damals trotzig und schob hinterher: Zur Not werden man „mit Schaufeln kämpfen, aber wir werden uns verteidigen, denn dieser Krieg ist ein Krieg um unsere Existenz“.

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