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Kommt der Sturz von Putin? Teilmobilmachung schürt die Wut der Russen

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Von: Felix Busjaeger

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Urkaine-Krieg
Russische Polizisten halten einen Demonstranten während eines Protestes gegen die russische Teilmobilisierung in St. Petersburg fest. © Uncredited/AP/dpa

In Russland wächst der Unmut gegenüber Wladimir Putin. Die Teilmobilmachung könnte für den Kremlchef noch Folgen haben. Auch Putins Sturz ist möglich.

Moskau – Für Wladimir Putin läuft es derzeit nicht rund: Der Ukraine-Krieg dauert schon länger als sieben Monate und zuletzt mussten die russischen Streitkräfte auf breiter Front Niederlagen einstecken. Zwar ist ein Ende des Kriegs in der Ukraine noch nicht in Sicht, dennoch verdichten sich immer mehr die Hinweise, dass Russlands Präsident auch innenpolitisch unter Druck gerät. Die kürzlich bekanntgegebene Teilmobilmachung Russlands ist da nur die Spitze des Eisbergs. Allerdings könnte sich diese für Putin als sehr gefährlich erweisen.

Unmut in Russlands: Teilmobilmachung sorgt für Proteste – droht gar Putins Sturz?

Dass Russlands Präsident, Wladimir Putin, derzeit im Ukraine-Krieg in einer schwierigen Situation ist, zeigt sich bereits seit Wochen: Immer mehr Verbündete wenden sich von dem isolierten Kremlchef ab und Verluste an der Front müssen mit Reservisten ausgeglichen werden. Die Teilmobilmachung, die womöglich den Nachschub für die russischen Streitkräfte sichern sollte, sorgt allerdings derzeit in Russland für Aufruhr. Seit bekannt ist, dass etwa 300.000 Reservisten eingezogen werden sollen, versuchen viele Russen das Land zu verlassen.

Unbestätigte Berichte sprachen von ausgebuchten Flügen und Staus an den Grenzen zu den Nachbarländern. Fest steht: Wladimir Putin ist mit der Teilmobilmachung Russlands ein großes Risiko eingegangen, das schlussendlich dazu führen könnte, dass sich Russlands Präsident nicht an der Spitze Russlands halten kann.

Wladimir Putin: Russlands Präsident verliert letzte Verbündete wegen der Annexion ukrainischer Gebiete

Welches Ausmaß Putins Vorgehen haben könnte, ließ sich vergangene Woche mutmaßlich nur erahnen. Doch jetzt zeigt sich, dass selbst die Türkei sich zunehmend von der russischen Regierung distanziert. In den ersten Monaten galt Recep Tayyip Erdogan als wichtiger Verbündeter Putins. Doch anscheinend sind die jüngsten Entwicklungen um die Teilmobilmachung dann doch zu viel. Ein besonders Ärgernis für die Türken: Russlands Plan, weitere Regionen in der Ukraine per Annexion an die Russische Föderation zu binden.

Mit ziemlich deutlichen Worten wurde Putins Vorgehen als „illegitimer“ Weg von dem türkischen Außenministerium abgetan. Doch seit dem Beginn der Teilmobilmachung in Russlands droht Putin ein ganz anderes Problem: Mit zahlreichen Fehlern bei der Teilmobilmachung droht Russland nach Ansicht von Experten zunehmender Unmut in der Bevölkerung und im Verwaltungsapparat. Ob diese Wut schlussendlich dazu führen könnte, dass es zum Sturz von Wladimir Putin kommt, ist derzeit noch unklar. Derweil sollen Russen eine Hotline belagern und sich nach den Möglichkeiten des Desertierens erkundigen.

Proteste gegen Wladimir Putin nehmen zu: Russen tragen wegen Teilmobilmachung Zorn auf die Straße

Wie das in Washington ansässige Institute for the Study of War (ISW) schreibt, würde die russische Regierung derzeit davor stehen, die verängstigte und verärgerte Bevölkerung in Russland zu beruhigen. Welches Ausmaß die Proteste gegen Wladimir Putin und seiner Teilmobilmachung annimmt, zeigte sich in den vergangenen Tagen immer wieder. Neben Anschlägen gab es besonders in größeren Städten Proteste und zahlreiche Menschen, die ihren Zorn auf die Straße trugen.

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Dass es zu Fehlern bei der Teilmobilmachung kommt, kann selbst die Führung im Kreml nicht abstreiten. Allerdings wird diese auf die Fehler einzelner Beamter heruntergespielt. Dennoch: Die Berichte über Mobilisierungsfehlern verbreiten sich in Russland rasend und könnten Bewegungen stärken, die den Sturz von Wladimir Putin anstreben. Offenbar kommt es nämlich vor, dass etwa Männer eingezogen würden, die nie gedient hätten oder zu krank oder zu alt zum Kämpfen seien.

Flucht aus Russland: Russen verlassen Putins Einflussbereich wegen Teilmobilmachung

Welche Angst mit der Teilmobilmachung einhergeht, zeigt sich auch an den Grenzen zu den Nachbarstaaten. Allein nach Kasachstan seien seit dem 21. September rund 98.000 russische Staatsbürger eingereist, teilte die Migrationsbehörde des kasachischen Innenministeriums am Dienstag mit. Der kasachische Präsident Kassym-Schomart Tokajew hatte erklärt, dass alle Russen aufgenommen würden. Alle Flüchtenden haben nur ein Ziel: Nicht als Putins „Kanonenfutter“ im Ukraine-Krieg zu sterben.

Bei den größten Anti-Kriegs-Protesten seit Monaten sind in Russland inzwischen mehr als 2000 Menschen festgenommen worden. Vor allem Frauen demonstrieren, weil sie, wie sie sagen, nicht ihre Söhne, Ehemänner oder Brüder in Putins Blutschlacht in der Ukraine verlieren wollen. Die Stimmung in Russland ist angespannt, davon berichten internationale Beobachter seit Tagen. Inwieweit sich die Stimmung noch weiter aufbauschen könnte und die Stimmung einen Sturz von Wladimir Putin provozieren könnte, bleibt abzuwarten.

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