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Schlag gegen Putins Oligarchen: Abramowitsch verliert wohl 370-Millionen-Flieger

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Von: Felix Busjaeger

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Zwei Flieger aus Abramowitschs Flotte stehen vor der Beschlagnahmung. Doch nicht nur das: Der Oligarch verliert wegen Putins Ukraine-Krieg auch seinen Fußball-Verein.

Washington – Dass westliche Nationen in Zuge des Ukraine-Kriegs mit Sanktionen gegen Wladimir Putin und seine Verbündete vorgehen, ist inzwischen keine Seltenheit mehr. Immer wieder ist zu lesen, wie die Wirtschaftselite Russlands nicht mehr auf Vermögenswerte zugreifen kann oder Jachten von Putins Oligarchen sichergestellt werden. Doch offenbar stehen die US-Behörden derzeit vor einem besonders großen Coup: Die Beschlagnahmung von zwei Flugzeugen des russischen Oligarchen Roman Abramowitsch steht im Raum.

Putins Verbündeter: Abramowitsch im Visier von US-Behörden – Flugzeuge sollen beschlagnahmt werden

Roman Abramowitsch, womöglich einer der mächtigsten Oligarchen Russlands, gilt schon länger als Verbündeter von Wladimir Putin und steht seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs auf den Sanktionslisten des Westens. Nachdem bereits im April bekannt geworden war, dass das Wirtschaftsschwergewicht Abramowitsch durch Maßnahmen von US-Behörden den Zugriff auf einen großen Teil seines Vermögens verloren hatte, holen die USA nun offenbar zum nächsten Schlag gegen den Oligarchen aus. Wie das Justizministerium am Montag, dem 6. Juni erklärte, stehen zwei Flugzeuge auf der Liste – mit einem geschätzten Wert von 370 Millionen Euro.

Roman Abramowitsch hat es derzeit nicht leicht. Nachdem er seinen FC Chelsea verloren hat, droht nun der Verlust mehrerer Flugzeuge. (Archivbild)
Roman Abramowitsch hat es derzeit nicht leicht. Nachdem er seinen FC Chelsea verloren hat, droht nun der Verlust mehrerer Flugzeuge. (Archivbild) © Martin Meissner/dpa

Wie es in einer Mitteilung der Behörde, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, heißt, handle es sich bei den Flugzeugen unter anderem um einen sogenannten Dreamliner, eine Boeing 787-8. Der andere Flieger soll wohl ein Privatjet des Herstellers Gulfstream sein. Dass es nun zu so drastischen Maßnahmen gegen Abramowitsch kommt, hängt mit einer Anordnung der US-Regierung zusammen. Als Handhabe dafür dienen die wegen des Kriegs verhängten US-Exportkontrollen, die auch mehrheitlich in den USA hergestellte Flugzeuge betreffen. Derweil wird vermutet, dass Oligarchen Geld wie Terroristen über das Hawala-System verschieben könnten.

Jagd auf Abramowitschs Yacht: Russischer Oligarch will Ende von Sanktionen erwirken

Die Flugzeuge sind nicht die ersten Vermögenswerte, gegen die der Westen bei Abramowitsch entschieden vorgeht: Anfang April sorgte schon die Jagd auf Abramowitschs Yacht Eclipse für Aufsehen. Zudem soll Abramowitsch seine reichen Freunde um Geld angebettelt haben. Michail Fridman, ebenfalls Multimilliardär, erging es ähnlich: Der Oligarch jammert über Sanktionen: „Kann nicht mehr essen gehen“.

Roman Abramowitsch privat: Was über Tochter, Freundin und Kinder des Oligarchen bekannt ist

Roman Abramowitsch Lebensstil scheint sich auch auf sein Privatleben zu übertragen: Von 1987 bis 1989 war Putins Oligarch mit Olga Abramowitsch verheiratet, die ein Kind mit in die Ehe brachte. Von 1991 bis März 2007 war Roman Abramowitsch mit der ehemaligen Aeroflot-Stewardess Irina verheiratet. Insgesamt hat das Paar fünf Kinder. Zwei weitere Kinder hat der russische Millardär mit Darja Schukowa. Gerüchten zufolge soll Abramowitsch derzeit mit 25-jährigen Alexandra Korendyuk liiert sein. Tochter Sofia Abramowitsch hat sich zu Beginn des Ukraine-Kriegs gegen Putins Invasion ausgesprochen.

Bei den Flugzeugen wollen die USA allerdings dennoch durchgreifen. Wie unter anderem das Nachrichtenportal t-online schreibt, sprach das US-Justizministerium von „aktiven Schritten“ bei der Beschlagnahmung von Abramowitschs Flugzeugen. Ministeriumsvertreter Andrew Adams wird mit den Worten zitiert, dass die geplanten Maßnahmen darauf abzielen würden, Menschen mit engen Verbindungen zum Kreml dazu zu bewegen, sich von der Moskauer Machtzentrale und vom russischen Staat zu „distanzieren“. Auch die EU hat wegen des Ukraine-Kriegs gegen Putins Oligarchen durchgegriffen: Insgesamt wurden bereits über zehn Millarden Euro eingefroren.

USA wollen Abramowitschs Flugzeuge beschlagnahmen: Maschinen stehen in Russland und Dubai

Wie und wann es zur tatsächlichen Beschlagnahmung von Abramowitschs Eigentum kommt, ist indes noch offen: Die Boeing befinde sich derzeit in Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten, die Gulfstream-Maschine sei in der russischen Hauptstadt Moskau, erklärte das Justizministerium. Auch wenn er vorerst weiter im Besitz der Flugzeuge bleiben könnte, haben die geplanten Beschlagnahmungen für Abramowitsch wohl unangenehme Folgen: Künftig könnte es schwer werden, die Maschinen im internationalen Flugverkehr einzusetzen.

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Neben der geplanten Beschlagnahmung droht Abramowitsch noch weiter Ärger mit den US-Behörden: Weil Putins Oligarch seine Flugzeuge ohne eine Sondergenehmigung der zuständigen Behörde des US-Handelsministeriums international einsetzte, wurde von der Behörde zudem ein Verfahren eröffnet, das zu einer Strafzahlung führen könnte. Und das könnte für den vermögenden Russen richtig teuer werden. Wie die dpa berichtet, könnte die maximale Höhe der Gebühr den doppelten Wert der Flugzeuge betragen.

Abramowitsch und FC Chelsea: Putins Oligarch verliert Fußball-Verein

Wegen seiner engen Kontakte zu Russlands Präsidenten Wladimir Putin hat Abramowitsch aber nicht nur in den USA hohe Verluste. Wie das ZDF jüngst berichtete, verliert der russische Oligarch insbesondere in Großbritannien den Zugriff auf sein Vermögen. Der Londoner Fußballklub FC Chelsea, der ihm seit fast 20 Jahren mehrheitlich gehört hatte, wird von einer Investorengruppe des US-Geschäftsmanns Todd Boehly übernommen. Insgesamt soll der Deal fünf Milliarden Dollar schwer gewesen sein. Und auch ein britisches Telekommunikations-Unternehmen des russischen Oligarchen Roman Abramowitsch wird zeitnah den Besitzer wechseln.

Abramowitsch verliert Unternehmen für einen Dollar: Eigentlicher Wert lag bei 480 Millionen Euro

Für etwa einen Dollar soll das Unternehmen an zwei europäische Tech-Unternehmer verkauft werden, berichtet die englische Zeitung The Times. Eine bittere Pille, die Abramowitsch dabei schlucken muss: Noch im vergangenen Jahr wurde das Unternehmen mit 480 Millionen Euro bewertet.

Auch wenn genaue Zahlen zu Abramowitschs Vermögen rar sind und davon ausgegangen werden kann, dass Putins Oligarch weiterhin zu den reichsten Russen zählen wird, werden die geplanten Beschlagnahmungen dennoch ihr Ziel womöglich nicht verfehlen und den Druck auf Putins Vertrauten erhöhen. In welcher Weise dies den Ausgang des Ukraine-Kriegs beeinflussen wird, bleibt indes abzuwarten.

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