Parteichefin

Saskia Esken (SPD): Das rote Gespenst hinter Olaf Scholz

Die CDU beschwört die rot-rot-grüne Gefahr. Ein Name taucht immer auf: SPD-Parteichefin Saskia Esken. Doch wer ist die Frau hinter Kanzlerkandidat Olaf Scholz?

Berlin – Für die Union ist die Frau nur noch ein rotes Tuch. Kurz vor der Bundestagswahl 2021 vergeht kaum ein Tag, an dem Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) nicht vor ihr warnt. Wer Olaf Scholz wähle, der bekomme in Wahrheit Saskia Esken (beide SPD), wettert Laschet im ersten TV-Triell. Die Parteivorsitzende der Sozialdemokraten ist für ihn der Inbegriff eines roten Linksbündnisses. Doch stimmt das? Wer ist die Politikerin, die erst vor zwei Jahren die große politische Bühne betrat?

Deutsche Politikerin:Saskia Esken (SPD)
Alter:60 Jahre
Ehemann:Roland Esken (verheiratet seit 1993)
Studium:Politikwissenschaften (abgebrochen)
Ausbildung:staatlich geprüfte Informatikerin
Aktuelles Amt:Parteivorsitzende

Esken führt seit dem Jahr 2019 die SPD zusammen mit Norbert Walter-Borjans. Das Duo setzte sich gegen Scholz durch, der ebenfalls Ambitionen auf den Posten angemeldet hatte. Einer breiten Öffentlichkeit war die heute 60-Jährige nicht bekannt. Mit Ach und Krach hatte sie es bei der Bundestagswahl 2017 über die baden-württembergische Landeliste in den Bundestag geschafft. Trotzdem erkannten die Genossen eine Art Aufbruch.

Saskia Esken (SPD): Die Parteivorsitzende hat Olaf Scholz (SPD) als Kanzlerkandidat akzeptiert

Esken gilt durchaus als links sozialisiert. In den 1970er Jahren baute sie ein alternatives Jugendzentrum auf. In dieser Zeit lernte sie einen gewissen Bernd Riexinger kennen – jenen Riexinger, der viele Jahre die Linkspartei führte. Allein schon diese Tatsache zementiert ihren Ruf, eine glühende Anhängerin eines rot-rot-grünen Regierungsbündnisses nach der Bundestagswahl zu sein.

Arbeitet sie heimlich an einem rot-rot-grünen Bündnis? Parteichefin Saskia Esken (SPD).

Esken, ausgebildete Informatikerin, hat daraus nie einen Hehl gemacht. „Die Kombination aus SPD, Grünen, und Linken steht für eine sehr progressive Politik, mehr noch als die Ampel. Niemand muss Angst vor Rot-Rot-Grün oder Rot-Grün-Rot haben“, sagte sie unlängst der Rheinischen Post. Sie selber tritt für die Abschaffung von Hartz IV, die Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro und eine Verteilungsgerechtigkeit ein.

Im Rennen um den SPD-Vorsitz inszenierte sie sich bewusst mit diesen Positionen als Gegenentwurf zum etablierten Scholz. Anders als Hamburgs ehemaliger Erster Bürgermeister wollte sie vor allem nur eines: raus aus der Großen Koalition.

Saskia Esken: Mit Kevin Kühnert steht die Parteichefin für einen linken Kurs der SPD

Unterstützt wurde sie bei der Übernahme der SPD-Führung von Parteirebell Kevin Kühnert, der ebenfalls eher linksorientierte Positionen vertritt und der seitdem meistens in einem Atemzug mit Esken genannt wird. Zwar halten sich beide im aktuellen Wahlkampf massiv zurück und überlassen Kanzlerkandidat Scholz mit seiner One-Man-Show alleine das Feld. Aber bei der CDU traut man dem Burgfrieden nicht. Aus Sicht von Laschet und Altvorderen wie Friedrich Merz oder Markus Söder warten Esken und Kühnert nur auf den Wahlsieg, um ihre linken Positionen durchzudrücken.

Doch stimmt das? Ganz so einfach ist es jedenfalls nicht. Scholz und das Duo Esken/Walter-Borjans bilden mittlerweile eine ideale Zweckgemeinschaft. Die Vorsitzenden halten die SPD zusammen. Doch die Vertreter des linken Flügels haben mittlerweile erkannt, dass Scholz in der Bevölkerung beliebt ist und die Wahl gewinnen kann. Diese Erkenntnis reifte nicht erst mit dem überraschenden Höhenflug in den Wahlumfragen, sondern bereits im August 2020.

Saskia Esken: Ihr Lebenslauf könnte bald vielleicht um ein Minister-Posten ergänzt werden

Damals kürte die Partei Scholz zur Überraschung vieler Beobachter zum Kanzlerkandidaten. Kaum einer hätte das zu diesem Zeitpunkt noch erwartet. Auf der einen Seite die neue Parteiführung, die raus aus der Groko und mit Hartz-IV brechen wollte. Und auf der anderen Seite der Bundesfinanzminister und Vizekanzler, der das Rennen um den Parteivorsitz verloren und das verhasste ALG-II-System mit eingeführt hatte sowie für eine jahrelange Zusammenarbeit mit der CDU stand.

Doch Scholz, Esken, Walter-Borjans und Kühnert haben sich innerhalb der Corona-Krise zusammengerauft. Höheres Kurzarbeitergeld, Aufgabe der Schwarzen Null als Haushaltsziel, Hartz-IV ohne Vermögensprüfung* – Scholz ließ einige Träume der Parteilinken wahr werden. Dafür lassen sie ihn gewähren – und danken es ihm mit öffentlicher Zurückhaltung. Und plötzlich erlebt die SPD eine Art Geschlossenheit, die es seit 15 Jahren nicht mehr gegeben hatte.

Esken und Scholz: Für rot-rot-grüne Koalition haben sie klare Forderungen

Selbst beim Wahlprogramm fand die Partei eine einvernehmliche Linie – übrigens auch, weil Esken der Linkspartei auch nicht in allen Dingen unkritisch gegenübersteht. So knüpfte sie unlängst eine mögliche Zusammenarbeit an klare Bedingungen. Ohne ein Bekenntnis zur Nato und zu einem klaren außenpolitischen Kurs werde es keine Koalition geben, sagte sie in einem Interview mit der „Welt“.

Wird Saskia Esken nach der Bundestagswahl 2021 auch Ministerin? Unser Newsletter hält Sie auf dem Laufenden.

Für Scholz ist diese Haltung das richtige Signal. Für den Kanzlerkandidaten legt die Parteichefin damit genug Umsicht an den Tag, sodass die Zusammenarbeit auch im Fall der Regierungsübernahme nach der Bundestagswahl intensiviert werden kann. So ließ es in einem Spiegel-Interview bereits erkennen, dass er Esken für „ministrabel“ hält. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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