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Datenpanne bei russischem Lieferdienst: Spione und Putins Tochter enttarnt

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Von: Felix Busjaeger

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Ein Mitarbeiter von Yandex Food trägt eine Lieferung aus. Ein Datenleck beim Lieferdienst sonst in Russland nun für Aufsehen.
Ein Mitarbeiter von Yandex Food trägt eine Lieferung aus. Ein Datenleck beim Lieferdienst sonst in Russland nun für Aufsehen. © Alexandr Kryazhev/imago

Ein Sicherheitsgesetz ist den russischen Geheimdiensten zum Verhängnis geworden. Zahlreiche Adressen wurden veröffentlicht. Putin ist privat betroffen.

Moskau – Wie schnell private Daten und Adressen im Internet landen, ist bereits seit Jahren bekannt. Dass allerdings auch Mitarbeiter von Geheimdiensten leichtfertig mit Adressen umgehen, überrascht dann allerdings schon. Während der Krieg in der Ukraine weiter tobt, gab es in Russland eine Datenpanne: Beim Lieferdienst Yandex Food kam es offenbar im vergangenen März zu einem Datenleck. Neben den Adressen von zahlreichen russischen Durchschnittsbürgern fanden Journalisten des Investigativ-Portals Bellingcat unter den Datenbergen auch brisante Informationen: offenbar die Adressen von Geheimdienstmitarbeitern und Wladimir Putins Tochter.

Datenpanne in Russland: Essenslieferung enthüllt wohl Wladimir Putins geheime Tochter und ehemalige Geliebte

Normalerweise ist Wladimir Putin ein Geheimniskrämer, wenn es um Details über sein Privatleben geht. Vieles ist nur aus seiner eigenen Biografie bekannt und der ehemalige KGB-Agent war bisher stets bemüht, seine Herkunft und sein Familienleben zu verschleiern. Auch über Putins Vermögen ist wenig bekannt. Doch die Möglichkeit der unkomplizierten Lieferung von Essen wurde nun offenbar Putins Tochter und der ehemaligen Geliebten von Wladimir Putin zum Verhängnis.

Wie aus einem Tweet der russischen Politikerin Ljubow Sobol, die als Unterstützerin von Alexei Nawalnys gilt, hervorgeht, soll das Datenleak beim Lieferdienst Yandex Food auch die Adressen von Putins ehemaligen Geliebten Svetlana Krivonogikh umfassen. Das berichtete auch der Stern. Unter der Adresse soll auch Wladimir Putins angebliche, geheime Tochter gemeldet sein. Wie Sabol schreibt, sollen die beiden Frauen in einer Wohnung mit 400 Quadratmetern leben, die einen Wert von ungefähr 170 Millionen Rubel, umgerechnet knapp 1,8 Millionen Euro, hat.

Nicht nur Wladimir Putin von Datenleck betroffen – Mitarbeiter von Geheimdiensten enttarnt

Doch offenbar ist nicht nur das Privatleben von Russlands Präsident Wladimir Putin, der als Kalter Krieger gilt und im Ukraine-Krieg falsch informiert werden soll, von dem Datenleck betroffen. Wie das Portal Bellingcat in einem Beitrag schreibt, umfasst der veröffentlichte Datensatz persönliche Daten von Russen. Darunter befinden sich Adressen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Namen. In einem großen Abgleich haben die Journalisten den Datensatz mit Informationen aus anderen Datenleaks verglichen.

Während Wladimir Putin Propaganda betreibt und auf eine Fake-News-Kampagne sowie auf eine Politik der Unterdrückung setzt, sind die Journalisten auf brisante Details gestoßen: Offenbar nutzen Geheimdienstmitarbeiter auch gerne den Lieferdienst Yandex Food. Mehrere Lieferungen sollen an den russischen Auslandsgeheimdienst GRU oder den Inlandsgeheimdienst FSB gegangen sein.

Wie der Journalist Aric Toler von Bellingcat schreibt, seien unter den Informationen auch Details zu Personen gefunden worden, die Verbindungen zu den Anschlägen auf Alexei Nawalny haben sollen. Offenbar würde die Spur nun direkt auf einen FSB-Mitarbeiter hindeuten. Doch nicht nur einzelne Mitarbeiter der russischen Geheimdienste könnten durch die Datenpanne bei Yandex Food enttarnt worden sein: Offenbar gibt es im Datensatz auch Hinweise auf Standorte der Geheimdienste, die bisher noch nicht bekannt waren. Bei dem aufwändigen Abgleich der Datensätze konnten Kreuzverweise gefunden werden, die jetzt russische Spione und Geheimdienste enttarnt haben.

Cyberkrieg im Ukraine-Krieg: Putin und der Kreml haben zahlreiche Hackergruppen

Dass es nun zu so einer schwerwiegenden Datenpanne in Russland gekommen ist, mag auf den ersten Blick noch überraschend sein: Angeblich verfügt Putin und der Kreml über eine eigene Trollfabrik und Hacker, die gegen andere Staaten operieren. Doch vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs, in dem Putin auf seine Beziehung zu China baut, mehren sich seit Wochen die Hackerangriffe auf russische Cyber-Infrastruktur. Treibende Kraft dabei: das Hackerkollektiv Anonymous, das einen Hackerangriff gegen Russlands Zentralbank verübt haben soll.

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Dass es überhaupt zu so einem schwerwiegenden Datenleck in Russland kommen konnte, liegt an einer russischen Gesetzänderung, die einige Jahre zurückliegt. Diese wurde nun der eigenen Regierung zum Verhängnis, wie auch Bellingcat feststellt. Mehrere Datenpannen in der Vergangenheit hätten demnach gezeigt, dass es immer wieder zu massiven Datenschutzverletzungen kommt. Die Datenpanne bei den Kundendaten von Yandex Food ist damit nur der Eisberg. Mitunter wurden auch Fahrzeugdaten, Benutzerinformationen von Social-Media-Plattformen (VK) und umfassende Flugreiseaufzeichnungen veröffentlicht.

Datenpanne bei Yandex Food: Russisches Gesetz von 2016 wird Wladmir Putin zum Verhängnis

Wie es weiter heißt, seien Telekommunikationsbetreiber seit der Verabschiedung der Jarowaja-Gesetze seit 2016 dazu verpflichtet, Kundendaten aufzubewahren. Russische Sicherheitsdienste sollen diese eigentlich für die Aufklärung von Straftaten nutzen, allerdings werden die Daten immer wieder illegal weiterverkauft. Dieses Gesetz, das eigentlich die Geheimdienste wie den FSB stärken sollte, wurde nun als Waffe gegen ihre vermeintlichen Erfinder und Wladimir Putin genutzt. Angesichts der gegenwärtigen Hackerangriffe ist zudem davon auszugehen, dass es weiter zu sensiblen Datenlecks kommen könnte, die den russischen Sicherheitsapparat enttarnen würden. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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