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Russischer Oligarch Tinkow klagt über Zwangsenteignung: „Wie eine Geiselnahme“

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Von: Lukas Rogalla

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Er kritisierte Putin und den Ukraine-Krieg. Dann verkaufte Oleg Tinkow seine Anteile an der von ihm gegründeten Bank – offenbar nicht freiwillig.

Moskau – Infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine haben die westlichen Länder Sanktionen beschlossen, die unter anderem russische Oligarchen ins Visier nehmen. Das sogenannte Einfrieren von Geldern von Privatpersonen und Unternehmen ist eine der einschneidendsten Maßnahmen gegen den Kreml. Die meisten russischen Milliardäre gelten als Kreml-nah und Unterstützer des Präsidenten Wladimir Putin.

Oleg Jurjewitsch TinkowRussischer Unternehmer
Geburtstag25. Dezember 1967
GeburtsortPolyssajewo, Russische SFSR
UnternehmenTinkoff Bank
EhepartnerinRina Tinkowa
Vermögen4,7 Milliarden US-Dollar (Quelle: Forbes, 2021)

Nicht so Oleg Tinkow: Als einer von wenigen finanziell mächtigen Russen positionierte sich Milliardär Tinkow gegen den Ukraine-Krieg und Wladimir Putin. Nun ist er seine Privatbank los – und Tinkow vergleicht die Enteignung mit einer „Geiselnahme“.

Russicher Oligarch Tinkow musste angeblich Anteile an eigener Bank verkaufen

Weil er den russischen Krieg kritisiert hatte, ist Oleg Tinkow offenbar gezwungen worden, seine Bank zu verkaufen – für den Bruchteil ihres Werts. „Ich konnte nicht über den Preis diskutieren. Es war wie eine Geiselnahme. Du nimmst, was dir angeboten wird“, sagte er im Interview mit der New York Times, das am Montag (02.05.2022) in den russischen Medien für Aufruhr sorgte.

Die Verwaltung des Kremls habe dem Management der Tinkoff Bank, die Tinkow 2006 selbst gegründet hatte, mit Verstaatlichung gedroht, sollte das Geldhaus die Verbindungen zu ihm nicht kappen. Tinkow sei gezwungen gewesen, seinen Anteil von 35 Prozent „für Kopeken“ zu verkaufen. Der Milliardär Wladimir Potanin habe die Bank schließlich für nur drei Prozent des realen Werts gekauft, klagte Tinkow. Die zweitgrößte Privatbank in Russland bestreitet diese Darstellung jedoch. Eine Drohung habe es nicht gegeben, heißt es.

Zwangsenteignung: nach seiner Kritik an Putin und dem Ukraine-Krieg musste der russische Oligarch Oleg Tinkow die Anteile seiner Bank verkaufen
Zwangsenteignung: nach seiner Kritik an Putin und dem Ukraine-Krieg musste der russische Oligarch Oleg Tinkow die Anteile seiner Bank verkaufen. (Symbolbild) © Sergei Konkov/Alexander Demianchuk/imago/Montage

Tinkow habe sich Leibwächter zugelegt. Freunde mit Verbindungen zum russischen Geheimdienst hätten ihm erzählt, dass der Kreml ihn töten wolle, berichtet der Milliardär, der seit Jahren im Ausland lebt. Derzeit häufen sich mysteriöse Todesfälle russischer Oligarchen und ihrer Familien. In mehreren Fällen deuten die Hinweise auf sogenannten erweiterten Suizid hin. Allerdings gibt es aufgrund der zeitlichen Nähe auch erhebliche Zweifel an dieser Theorie. Bereits einen Tag nach der russischen Invasion wurde auch ein hochrangiger Gazprom-Mitarbeiter tot in seinem Landhaus aufgefunden.

Sanktionen gegen russische Oligarchen: Tinkow distanziert sich von Wladimir Putin

Andere Oligarchen sind zwar noch am Leben, klagen aber über die Effekt der westlichen Sanktionen. „Wir wissen nicht, wie wir überleben sollen“, jammerte der Milliardär Pjotr Awen, dessen Vermögen in Höhe von etwa 4,5 Milliarden Pfund Sterling eingefroren wurde. Auch der russische Oligarch Michail Fridman klagt, dass er nun zu Hause essen müsse – während er in einer 77-Millionen-Euro-Villa in London verweilt.

Im April hatte Tinkow, der selbst von britischen Sanktionen betroffen ist, den Angriff auf die Ukraine als einen „irrsinnigen Krieg“ bezeichnet, den 90 Prozent der Russen ablehnen würden. Der vermeintliche Oligarch rechnete mit Putin ab: „Scheißland, Scheißarmee“, wetterte Tonkow öffentlich – und warf Putin wörtlich warf er „Massaker“ vor. Misserfolge der russischen Armee seien auf Korruption zurückzuführen – das ganze Land stecke in „Vetternwirtschaft, Speichelleckerei und Unterwürfigkeit“ fest. Wenige Tage später gab die Tinkoff-Bank ihre Umbenennung bekannt. Die Bank sei schon lange über den ursprünglichen Markennamen hinausgewachsen. Auch der Verkauf der Anteile wurde publik. Wo sich Tinkow derzeit aufhält, ist unklar. (lrg/dpa)

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