Schock für Arbeitnehmer

Rente: Mehr arbeiten, weniger Urlaub – so trifft es die Jüngeren

Die Erhöhung der Rente ab 2022 hat ihren Preis: Die Jüngeren müssen dafür mit Urlaub und mehr Arbeit bezahlen, warnen Forscher. Steuert die Ampel noch um?

Berlin – Schock für viele Arbeitnehmer: Nach der angekündigten Rentenerhöhung ab 2022 steuert die Altersversorgung der Deutschen auf ein gewaltiges Finanzierungsloch zu. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat deswegen jetzt Alarm geschlagen und einen Rettungsplan vorgelegt. Doch der hat es in sich: So sollen die jüngeren Generationen länger arbeiten und auf Urlaub verzichten. Anders sei die dauerhafte Sicherung der Rente nicht zu stemmen, zitierte die Bild-Zeitung die Wirtschaftsforscher. Auch andere Experten schätzen die Lage ähnlich dramatisch ein.

Forschungseinrichtung:Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Hauptsitz:Köln
Gründung: 1951
Präsident:Arndt Günter Kirchhoff

Laut dem Medienbericht entwickelte das IW bereits im Mai dieses Jahres die Berechnungen. Demnach wird es wegen der demografischen Entwicklung bereits in zehn Jahren insgesamt drei Millionen Erwerbstätige weniger geben in Deutschland – also immer weniger Beitragszahler, dafür aber immer mehr Rentner. Ein Problem. „Diesen Verlust an Arbeitszeit müssen wir ausgleichen“, sagte Studienautor Thomas Obst dem Boulevardblatt.

Rente: Mehr Arbeit, weniger Urlaub – für deutsche Arbeitnehmer kommt es in Zukunft knüppeldick

Der Vorschlag: Die Deutschen, die eigentlich gerne früher in Rente gehen wollen*, sollen jetzt im Schnitt ein bis zwei Stunden in der Woche länger arbeiten. Derzeit beträgt der Durchschnitt der wöchentlichen Arbeitszeit 33,9 Stunden. Zum Vergleich: In Schweden sind es bereits 35,2 Stunden, in der Schweiz sogar 36,1. Doch die Erhöhung der Wochenarbeitszeit alleine würde nicht reichen. Zusätzlich soll der Urlaub gekappt werden. Statt wie bisher im Schnitt 43,4 Wochen sollen die Deutschen dann 45 Wochen im Jahr arbeiten, also auf rund eineinhalb Wochen Freizeit verzichten.

Bis zur Erschöpfung? Zur Sicherung der Rente sollen Arbeitnehmer jetzt mehr arbeiten und auf Urlaub verzichten.

Bei den Vorschlägen handelt es sich aber um Durchschnittswerte. Das heißt: Nicht jeden Arbeitnehmer trifft es vielleicht so drastisch. So betonen die Forscher, dass ein großer Anteil bei der Wochenarbeitszeit auch dadurch erreicht werden könnte, dass der Anteil von Teilzeitbeschäftigten und Minijobber verringert werden könnte. Viele wollten gerne mehr arbeiten, betonte IW-Experte Obst. Zu einer ähnlichen Einschätzung kam auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Die drohenden Einschnitte dürften die Rentendebatte ordentlich anheizen. Denn ab dem kommenden Jahr 2022 werden die Renten für Millionen Ruheständler erst einmal kräftig weiter wachsen. Nach jüngsten Schätzungen der Rentenversicherung dürfen sich rund 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner über ein Rentenplus freuen. So steigen die Bezüge im Westen um 5,2 Prozent und im Osten um 5,9 Prozent. Und auch im Jahr 2023 ist ein weiterer Aufschlag wahrscheinlich.

Alterssicherung: Wann kann ich in Rente gehen? Ampel-Koalition will am Eintrittsalter nichts ändern

Angesichts des drohenden Lochs in der Rentenkasse wird der Ruf nach einem sozialpolitischen Umsteuern immer lauter. Vor allem SPD, Grüne und FDP stehen nun verstärkt im Fokus. Nach der erfolgreichen Bundestagswahl verhandeln die drei Parteien derzeit über einen Koalitionsvertrag. In einem Sondierungspapier hat die potenzielle Ampel-Regierung um Olaf Scholz (SPD) erste Eckpunkte vorgelegt. Doch aus Expertensicht sind vorerst keine großen Würfe geplant.

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Bei Top-Ökonom Daniel Stelter fiel das Sondierungspapier mit Blick auf die Rente bereits in Ungnade. Beitrag, Niveau und Renteneintrittsalter – alles solle offenbar gleich bleiben, kritisierte er im Gespräch mit focus.de. Obwohl immer weniger Erwerbstätige die Rente für immer mehr Ruheständler finanzieren müssten, habe sich das Ampel-Bündnis offensichtlich für ein „beherztes Weiter-so“ entschieden. * kreiszeitung.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Christin Klose/dpa

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