Zukunft der Altersvorsorge

Rente: Goldene Jahre erwartet – „Zahlen müssten die Arbeitnehmer“

Rentner können sich in den kommenden Jahren auf wachsende Bezüge freuen. Für Arbeitnehmer könnten die Rentenerhöhungen hingegen dramatische Auswirkungen haben.

Berlin – Das Jahr 2021 neigt sich dem Ende entgegen und für viele deutsche Rentner beginnen 2022 goldene Jahre: Sie können sich auf kräftige Zuwächse bei der Rente 2022 einstellen. Wie aus Informationen der Bildzeitung hervorgeht, erwartet die Regierung für die kommenden 15 Jahre deutliche Rentenerhöhungen. Allein im nächsten Jahr sollen die Bezüge in Westdeutschland um 5,2 Prozent und in den östlichen Bundesländern um 5,9 Prozent* steigen. Für den Westen bedeutet das den stärksten Anstieg seit knapp 40 Jahren.

Regelmäßiges Einkommen:Rente
Eintrittsalter in Deutschland:67. Lebensjahr
Durchschnittsrente Mann:1178 Euro
Durchschnittsrente Frau:768 Euro

Doch damit ist offenbar noch nicht das Ende der Entwicklung erreicht: Bis 2037 könnten demnach die Renten insgesamt um mehr als ein Drittel steigen – das geht der Bildzeitung zufolge aus dem noch unveröffentlichten Rentenbericht hervor. Mit der jährlichen Rentenanpassung zum 1. Juli eines Jahres erfolgt jeweils eine Anpassung an die Entwicklung der Bruttolöhne in Deutschland. Rentenkürzungen sind hingegen durch die sogenannte Rentengarantie gesetzlich ausgeschlossen.

Goldene Jahre bei Rentner: Experten sehen Missverhältnis bei der Rentenfinanzierung -Rentenkassen droht der Ruin

Steigende Rentenbezüge auf der einen Seite, eine sinkende Zahl an Arbeitnehmern auf der anderen: In den kommenden Jahren wird das Defizit in der Finanzierung der Rente noch größer werden, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand gehen werden*. Laut einer aktuellen IW-Studie deuten sich gravierende Missverhältnisse an und auch andere Experten warnen. So sagte Bernd Raffelhüschen in der Bildzeitung, dass den Rentenkassen mit den üppigen Erhöhungen in den kommenden Jahren der finanzielle Ruin drohe.

Rentner in Deutschland können sich über Jahre hinweg über steigende Bezüge freuen

„Zahlen müssten den Aufschlag letztlich die Arbeitnehmer mit höheren Rentenbeiträgen und die Steuerzahler“, so der Wissenschaftler der Universität Freiburg. Er ist sich sicher, die gesetzliche Rente bedarf einer Reform. „Die Rahmenbedingungen der gesetzlichen Rente mit einer Untergrenze des Rentenniveaus bei 48 Prozent sowie einer Deckelung der Beiträge auf 20 Prozent können nicht erhalten bleiben“, erklärte Raffelhüschen im Zuge der Präsentation des Vorsorgeatlas vor einigen Wochen.

Rente in Deutschland: Ampel-Koalition will an Rentenniveau festhalten

„Bei einem Festhalten an der doppelten Haltelinie über das Jahr 2025 hinaus werden die Defizite der gesetzlichen Rentenversicherung deutlich steigen“, ist er sich sicher. Um dem Problem zu begegnen, sieht er nur wenige Auswege: Entweder die Erhöhung des Bundeszuschusses oder eine Anpassung des Renteneintrittsalters. Sollte beides nicht gewollt oder umsetzbar sein, führt der Weg nicht um die Absenkung des Rentenniveaus oder die Anhebung der Beiträge herum.

Es scheint fast so, als wären die Leidtragenden der kommenden Rentenanpassungen die jetzigen Arbeitnehmer, die in den kommenden Jahren mit deutlichen Änderungen bei der gesetzlichen Altersvorsorge rechnen müssen. Zwar haben die Parteien der möglichen Ampel-Koalition in ihrem Sondierungspapier einen Fünf-Punkte-Plan für die Rente* festgehalten, der neben der gesetzlichen Rente auch die betriebliche und private Altersvorsorge als wichtige Eckpfeiler für ein gutes Leben im Alter sieht, doch sehen Experten diese Vorhaben als kaum haltbar.

Ampel-Koalition: SPD, Grüne und FDP planen keine großen Renten-Reformen

Auch sehen große Renten-Reformen anders aus. Gleichzeitig einigten sich SPD, Grüne und FDP auf eine neue Rentengarantie und halten am Renteneintrittsalter fest. Die Garantie sagt aus, dass das Rentenniveau nicht unter 48 Prozent fallen darf. „Die nächste Regierung muss sich den Problemen des Rentensystems insgesamt stellen und Reformen vorantreiben“, ist sich Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment, sicher. Die Pläne der Koalitionsparteien würden hierzu die richtige Richtung vorgehen. Die Gewerkschaft verdi sieht hingegen die geplanten Änderungen beim Minijob als Gift für den Ruhestand*.

Ein Ausweg aus der Misslage der Rentenfinanzierung sehen Forscher des Instituts der deutschen Wirtschaft unter anderem darin, dass jüngere Generationen mehr arbeiten und auf Urlaub verzichten*. Es gibt also akuten Handlungsbedarf, um die Rente zukunftssicher zu gestalten. Für viele Experten sind die Pläne der Ampel-Koalition viel zu zaghaft. Nach Einschätzung des Top-Ökonomen Daniel Stelter gegenüber Focus Online sei ein „beherztes Weiter-so“ nicht der Ausweg aus der Misslage. *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Frank van Delft/imago

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