Diskussion um Altersvorsorge

Rente 2022: Wirtschaftsweise sieht Rentner als „Krisengewinnler“

Rentner in Deutschland könnte in den kommenden Jahren ein kleineres Plus bei ihren Bezügen bevorstehen als erwartet. Experten warnen dennoch vor den Folgen.

Berlin – Nach einer Nullrunde in 2021 soll die Rente 2022 deutlich ansteigen. Für Rentner im Westen als auch im Osten werden Rekordsteigerungen bei den Bezügen erwartet. Wie der frühere Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, Lars Feld, nun mitteilt, hielte er es für sinnvoller, wenn die Renten im kommenden Jahr weniger stark steigen als bisher prognostiziert. „Es kann nicht sein, dass die Rentnerinnen und Rentner über eine Rentengarantie von Rentenkürzungen im Zuge einer Rezession verschont bleiben, dann aber von der danach wieder steigenden Lohnsumme mit massiven Rentensteigerungen profitieren“, erklärte der Experte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Regelmäßiges Einkommen:Rente
Eintrittsalter in Deutschland:67. Lebensjahr
Durchschnittsrente Mann:1178 Euro
Durchschnittsrente Frau:768 Euro

„Ohne den Nachholfaktor wären die Rentnerinnen und Rentner absolute Krisengewinnler“, so Feld weiter. Beschäftigte würden hingegen die volle Last der Rezession tragen und müssten ohne Nachholfaktor auch noch dauerhaft stärker für die Rentenversicherung aufkommen. Besonders mit dem Hinblick auf viele Babyboomer, die in den kommenden Jahren in Rente gehen werden, könnte dies zu einem Problem werden.

Die rund 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland müssen damit rechnen, dass die Rentenerhöhung nächstes Jahr doch etwas geringer ausfallen wird als erwartet.

Die erwartete Rentenerhöhung für etwa 21 Millionen Rentner in Deutschland könnte nach aktuellen Schätzungen doch geringer ausfallen, als ursprünglich angenommen. Medien hatten vor wenigen Wochen bereits goldene Jahre für Senioren angekündigt.

Rentenerhöhung 2022: Altersbezüge könnten um 4,4 Prozent steigen

„Prognostiziert waren 5,2 Prozent. Jetzt erwarte ich, dass die Renten in Deutschland ab Juli 2022 um 4,4 Prozent steigen. Das ist immer noch sehr ordentlich“, sagte der geschäftsführende Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) der Bild am Sonntag mit Blick auf den Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP. In den östlichen Bundesländern wurde ursprünglich eine Rentensteigerung um 5,9 Prozent erwartet. Um die Zukunft der Rente zu sichern, hatte die Ampel bereits in den Sondierungen einen Fünf-Punkte-Plan für die Rente beschlossen.

Der Grund für den nun niedrigeren Anstieg ist, dass die Politik den sogenannten Nachholfaktor wieder einführen will, der noch vor der Rentenanpassung im Juli 2022 aktiviert werden soll. „So stellen wir sicher, dass sich Renten und Löhne im Zuge der Corona-Krise insgesamt im Gleichklang entwickeln und stärken die Generationengerechtigkeit ebenso wie die Stabilität der Beiträge in dieser Legislaturperiode“, heißt es dazu. Währenddessen soll ein neues Bürgergeld eingeführt werden, das die Situation von Hartz-IV-Empfängern verbessern soll

Rente in Deutschland: DGB kritisiert Wiedereinführung von Nachholfaktor

Während Arbeitgeber den Schritt begrüßten, kam Kritik vom Deutschen Gewerkschaftsbund. So sagte Vorständin Anja Piel am Sonntag: „Das Wiedereinsetzen des Nachholfaktors wird praktisch dafür sorgen, dass Renten langsamer steigen als Löhne und so Rentnerinnen und Rentner noch weiter von der Entwicklung der Löhne abgekoppelt werden.“ Die Renten würden auch ohne Nachholfaktor von 2020 bis 2025 langsamer ansteigen als die Löhne.

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„Unsere Älteren müssen am Wohlstand angemessen teilhaben, schließlich haben sie die Grundlagen dafür mit erwirtschaftet“, so Piel. Gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung hatte DGB-Chef Reiner Hoffmann bereits „fatale Wirkungen“ der Rentenpläne der Ampel-Parteien kritisiert. Im Vorfeld hatte Verdi bereits die geplanten Veränderungen beim Minijob kritisiert. Die Gewerkschafter sahen in der Anhebung der Verdienstgrenze eine Gefahr für die Rente in Deutschland.

Rente 2022: Rentenkürzungen seit 2009 gesetzlich ausgeschlossen

Nach wie vor ausgeschlossen sind seit der Finanzkrise 2009 Rentenkürzungen im Zuge gesunkener Löhne. Das sichert die gesetzlich verankerte Rentengarantie ab. Im Gegenzug sollte ein Nachholfaktor dafür sorgen, dass bei wieder steigenden Löhnen die verhinderte Rentenkürzung rechnerisch ausgeglichen wird - die Rente also weniger stark steigt. Dadurch wurde das Ziel verfolgt, die Rentengarantie nicht als Dauerlast der Beitragszahler zu installieren. Der Nachholfaktor war von der bisherigen Regierung von 2018 bis 2026 ausgesetzt worden.*kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa

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