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Rente 2022: Knapp die Hälfte der Rentner bekommt weniger als 1000 Euro

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Von: Felix Busjaeger

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Seit Jahren wird über die Rente diskutiert – die Ampel will sie zukunftssicher machen. Eine AfD-Anfrage wirft nun ein schlechtes Licht auf die Altersversorgung.

Berlin – „Die Rente ist sicher“ – kaum ein anderes Zitat in Bezug zur finanziellen Sicherheit im Ruhestand brannte sich in die Köpfe der Deutschen ein als der Satz von Dr. Norbert Blüm, dem damaligen Bundesarbeitsminister, den er 1997 im Bundestag sagte. Und ja, vielleicht ist die Rente in Deutschland noch sicher – allerdings springt für viele deutsche Rentner nicht viel raus.

Das ist das Ergebnis einer Anfrage des AfD-Abgeordneten René Springer an das Bundessozialministerium. Demnach muss rund die Hälfte der 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland mit einer sehr geringen Rente auskommen. Allerdings bedarf es bei den Zahlen einer Einordnung.

Ehemaliger Mitglied des Deutschen Bundestages:Norbert Blüm
Geboren:21. Juli 1935, Rüsselsheim am Main
Verstorben:23. April 2020, Bonn
Partei:Christlich Demokratische Union Deutschlands

Gut leben im Alter – das ist das Ziel vieler Erwerbstätigen in Deutschland. Doch während die Bundesregierung von Kanzler Olaf Scholz (SPD) die Zukunft der Rente 2022 mit einem Fünf-Punkte-Plan sichern will, sehen die Opposition und wissenschaftliche Experten das Vorhaben kritisch und fordern ambitioniertere Reformen der Rente – etwa mit einer Jugendrente. Unter anderem CSU-Chef Markus Söder hatte sich Ende 2021 für einen Generationenfond ausgesprochen, der den Grundstock für die Rente der künftigen Generationen legen soll. Derweil ist in Deutschland die Grundrente in Kraft.

Keine goldenen Jahre für Rentner: Knapp die Hälfte bekommt Rente unter 1000 Euro

Während jetzige Rentner häufig als Krisengewinner bezeichnet werden, denen goldene Jahre der Rente* bevorstehen, zeigen die Zahlen des Sozialministeriums ein anderes Bild. Demnach erhalten 49,5 Prozent der deutschen Rentner monatlich weniger als 1000 Euro. Besonders viele kleine Renten würden laut den Informationen des Ministeriums im Westen und an Frauen gezahlt.

Holzklötze mit Buchstaben, auf denen zwei kleine Figuren sitzen, bilden auf Geldscheinen das Wort Rente.
Das ändert sich 2022 in Deutschland bei der Rente. (Symbolbild) © Martin Wagner/imago

Für AfD-Politiker Springer ein Unding: Er sprach von einer „jahrzehntelangen verantwortungslosen Rentenpolitik“. Wegen ihrer niedrigen Bezüge müssen manche Rentner in Deutschland zusätzlich einem Nebenjob nachgehen.

Rente 2022: Drastische Situation bei 3,4 Millionen Rentner – Bezüge unter 500 Euro

Während 50 Prozent mit weniger als 1000 Euro auskommen müssen, ist die Situation für 3,4 Millionen Rentner noch deutlich gravierenderer: Wie aus Zahlen von Ende 2020 hervorgeht, erhalten sie eine Rente unter 500 Euro. 500 Euro – fast so viel wie bei einem Minijob: Auf den ersten Blick sind die Zahlen alarmierend, doch es bedarf einer Einordnung in die deutsche Realität: Niedrige Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung bilden nicht die absolute Wahrheit ab und können nur wenig über das Gesamteinkommen im Alter aussagen. Das verdeutlicht das Ministerium ebenfalls in seiner Antwort.

Rente in Deutschland: Sozialministerium liefert Erklärung für niedrige Bezüge im Alter

Renten in Deutschland*, die nur einen geringeren Betrag umfassen, würden sich vor allem aus sehr kurzen Beitragszeiten ergeben. Mit Hinblick auf den Schwerpunkt der kleinen Renten im Westen und bei Frauen ist das naheliegend: Früher waren kurze Erwerbsbiografien bei Frauen in den alten Bundesländern keine Seltenheit. Nach kurzer Zeit im Beruf kümmerten sie sich häufig um den Haushalt sowie den Nachwuchs und ermöglichten dem Mann so die berufliche Karriere. In der damaligen DDR war das Berufsbild der Hausfrau hingegen eine Seltenheit: Viele Frauen gingen wie Männer einer Vollzeitbeschäftigung nach.

Eine weitere Möglichkeit, die das Bild verzerren könnte, würde durch den Wechsel des Versichertenstatus von der gesetzlichen Rentenversicherung in die Beamtenversorgung entstehen, erläutert das Sozialministerium in seiner Stellungnahme. Wie aus dem Alterssicherungsbericht der Bundesregierung hervorgeht, kämen geringe Renten „viel häufiger“ in Haushalten mit hohen Einkommen vor. Zudem verfügen viele Rentner neben der gesetzlichen Rente über weitere Einkommensquellen, etwa aus einer Riester-Rente*.

Deutsche Rentenversicherung sieht tatsächliches Gesamteinkommen von Rentnern deutlich höher

Die Deutsche Rentenversicherung erklärte am Freitag, 21. Januar 2022, dass die Betrachtung individueller Ansprüche alleine aus der gesetzlichen Rentenversicherung nur eine begrenzte Aussagekraft hinsichtlich der generellen Einkommenssituation von Rentnern besitze. „Rentnerinnen und Rentner haben in zahlreichen Fällen Alterseinkünfte aus weiteren Quellen, beispielsweise Betriebsrenten, Einkünfte eines Partners oder daraus abgeleiteten Ansprüchen auf Hinterbliebenenleistungen“, heißt es in einer Erklärung.

Ehepaare würden demnach ein durchschnittliches Netto-Gesamteinkommen aus Alterssicherungsleistungen und zusätzlichen Einkommen in Höhe von 2907 Euro im Monat beziehen. Alleinstehende Männer ab 65 haben demnach im Schnitt 1816 Euro Gesamteinkommen pro Monat zur Verfügung, Frauen 1607 Euro. (mit Material der dpa) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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