Koalitionsverhandlungen

Rente 2022: Verdi sieht Minijob-Änderung als Gift für den Ruhestand

Eine Stärkung der Minijobs ist nach Ansicht von verdi nicht der Impuls, den der Arbeitsmarkt braucht. Die geplanten Änderungen gefährden gar die Rente der Deutschen.

Berlin – Mehr soziale Gerechtigkeit und Wohlstand im Alter: Die Pläne der möglichen Ampelkoalition sind ambitioniert. Auch die Rente 2022 soll zukunftssicher gestaltet werden – hierfür wird an alten Strukturen festgehalten und diese um neue Aspekte ergänzt. Das Vorhaben der Politiker stößt dabei auch immer wieder auf Kritik: Nun hat sich der Gewerkschaftsbund verdi zu den Vorhaben von SPD, Grüne und FDP geäußert und hart geurteilt: Minijobs seien Gift für gegen Armut abgesicherte Renten. Für den Fortbestand der Rente planen die Ampelparteien derzeit einen Fünf-Punkte-Plan.

Deutsche Gewerkschaft:Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (verdi)
Gründung:19. März 2001, Berlin
Hauptsitz:Berlin
Mitglieder:1.941.071 (Stand: 31. Dezember 2020)

Rente 2022: Minijobs könnten sich als Gift für den Ruhestand entpuppen

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (verdi) sieht in den Plänen der Ampelparteien mögliche, falsche Weichenstellungen. „Der Arbeitsmarkt darf nicht zum Trümmerfeld von Marktideologen werden“, warnt Frank Werneke, Vorsitzender von verdi, und führt aus: „Minijobs sind Gift für einen zukunftsfesten Arbeitsmarkt mit auskömmlichen Löhnen, sicheren Arbeitsplätzen und später armutsfesten Renten.“

Minijobs könnten sich als Gefahr für den Ruhestand entpuppen, warnt verdi.

Die geplante Anhebung der Minijob-Grenze auf 520 Euro sei ein Fehler, heißt es weiter in einer am Sonntag veröffentlichten Mitteilung. „Insbesondere viele Frauen sind davon negativ betroffen, Altersarmut wird dadurch vorprogrammiert“, so Werneke. Die Anhebung auf 520 Euro bei Minijobs hätten demnach für den Arbeitsmarkt dramatische Folgen und würde zu einer Ausweitung von prekären Beschäftigungsverhältnissen sorgen.

Minijobs: Aus geringfügigen Beschäftigungen entsteht kein Anspruch auf Sozialleistungen

„Das ist genau das Gegenteil dessen, was Arbeitsmarkt, Beschäftigte und unsere Gesellschaft brauchen. Minijobs sind nicht sozialversicherungspflichtig, sondern ungesichert und bedeuten häufig Arbeit zu Niedriglöhnen“, erklärt Werneke. „Aus Minijobs resultieren keine Ansprüche auf Leistungen aus der Arbeitslosen-, Kranken- oder Pflegeversicherung – und auch nicht auf Kurzarbeitergeld.“

Aber nicht nur verdi sieht in der geplanten Erhöhung des Entgeltes eine Gefahr für den Arbeitsmarkt. Auch die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt lehnt das Konzept von SPD, FDP und Grüne ab. Für viele Beschäftigte sei ein Minijob eine „Überlebensfalle“, urteilte der Bundesvorsitzende Robert Feiger im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Rentenerhöhung: Kräftiger Anstieg der Rente 2022 erwartet

Zuletzt war bekannt geworden, dass die Rentenbezüge im kommenden Jahr kräftig steigen werden – in Westdeutschland sogar so stark wie seit etwa 40 Jahren nicht mehr. Experten befürchten dadurch ein gewaltiges Finanzierungsloch, das von jüngeren Arbeitnehmern gefüllt werden muss. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat einen Rettungsplan vorgelegt, der darauf setzt, dass Jüngere länger arbeiten und auf Urlaub verzichten.

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Die Rentenpläne der möglichen Ampelkoalition sehen derzeit keine Erhöhung des Rentenalters vor. Dennoch wünschen sich viele Deutsche, dass sie nicht bis zu ihrem regulären Rentenalter warten müssen*. Für sie hat das IW einen Vorschlag: Statt wie bisher knapp 43,4 Wochen pro Jahr zu arbeiten, sollen es künftig 45 Wochen sein – Arbeitnehmer sollen demnach auf etwa eineinhalb Wochen Freizeit verzichten.

Minijobs und Rente: Geringfügige Beschäftigung verdrängt sozialversicherungspflichtige Stellen

Schon jetzt würden Minijobs besonders in kleineren Betrieben bis zu 500.000 reguläre, sozialversicherungspflichtige Stellen verdrängen, heißt es in der verdi-Mitteilung. „Wir brauchen stattdessen gute Arbeit – sozialversicherungspflichtig ab dem ersten Euro, gut bezahlt, tarifgebunden und mitbestimmt“, sagt Werneke.

Auf welche konkreten Umsetzungen sich SPD, Grüne und FDP schlussendlich verständigen können, ist derzeit noch völlig unklar. Bei den Forderungen nach mehr sozialer Gerechtigkeit und Wohlstand scheint es aber so, gleichermaßen an Rente und gesicherte, sozialversicherte Arbeit zu denken. *kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

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