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Droht ein Atomkrieg 2022? Das steckt hinter Putins wirrer Rede

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Von: Jens Kiffmeier

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Angst vor einem Atomkrieg 2022: In einer wirren Rede hat Russlands Präsident mit einem Gegenschlag im Ukraine-Krieg gedroht. Alles nur Bluff? Das steckt dahinter.

Moskau – Das Spiel mit der Angst: Angesichts der militärischen Rückschläge im Ukraine-Krieg will Russland zur Gegenoffensive ausholen. Nach der Teilmobilmachung von 300.000 Reservisten beschwor Präsident Wladimir Putin die eigene Stärke – und drohte dem Westen unverhohlen mit einem nuklearen Schlag: „Diejenigen, die versuchen, uns mit Atomwaffen zu erpressen, sollten wissen, dass die Kompassrose sich in ihre Richtung drehen kann“, warnte der Kremlchef in einer Rede im russischen Staatsfernsehen.

Man sei zu allen Mitteln bereit. „Dies ist kein Bluff“, fügte er hinzu. Doch wie real ist ein Atomkrieg 2022 wirklich?

Atomkrieg 2022: Wladimir Putin droht in Rede über Teilmobilmachung der Armee auch den Einsatz von Atomwaffen an

Zuvor hatte die Welt bereits mit Entsetzen zur Kenntnis genommen, dass Russland mit einer Teilmobilisierung der eigenen Armee zu einer weiteren Eskalation im Ukraine-Krieg bereit ist. In der Nacht unterschrieb Präsident Wladimir Putin ein Dekret, wonach 300.000 Reservisten eingezogen werden sollen. Dies sei nötig, weil die territoriale Integrität des eigenen Landes bedroht sei, begründete der Kremlchef in der im TV live übertragenen Rede. Tatsächlich reagiert das Moskauer Regime mit diesem Schritt aber auf die jüngsten militärischen Niederlagen in der Ostukraine.

Russlands Präsident Wladimir Putin vor einem Raketenwerfer
Russlands Präsident Wladimir Putin droht mit dem Einsatz von Atomwaffen. © Sergei Bobylev/Sergei Ilnitsky/dpa/Montage

Putin steht an der Heimatfront massiv unter Druck. In den vergangenen Wochen hatte die ukrainische Armee die russischen Truppen in weiten Teilen des Donbass zurückgedrängt. Damit gerät nach der gescheiterten Besetzung Kiews bereits das zweite Kriegsziel ins Wanken: die Annexion der Ostukraine. Zuletzt hatte die russische Armee, die bislang im Ukraine-Krieg auf Freiwillige und Söldner setzt, einen desolaten Eindruck hinterlassen. So sollen ganze Truppenteile desertiert und vor den ukrainischen Angriffen geflohen seien. Wegen der drohenden Niederlage wird auch trotz aller Repressalien gegen die Opposition der Ruf nach einem Sturz Putins in Russland immer lauter.

Atomwaffen im Ukraine-Krieg: Putin droht in Rede wiederholt mit dem Einsatz nuklearer Sprengköpfe

Putin scheint deswegen zu allem entschlossen zu sein. Es war nicht das erste Mal, dass der Präsident in einer Rede den Einsatz von Atomwaffen angedroht hat. Bereits kurz nach Beginn des Ukraine-Krieges hatte das Moskauer Verteidigungsministerium das Atomwaffenarsenal in Kampfbereitschaft versetzen lassen. Bislang gingen die Beobachter in der westlichen Politik aber mehrheitlich davon aus, dass dies eher als Drohgebärde zu verstehen sei. Doch wird es dabei bleiben? Oder wächst die Gefahr für einen Atomkrieg, je mehr Putin in die Ecke gedrängt wird? Das ist die Frage, über die sich viele Militärexperten den Kopf zerbrechen.

Einsatz von Atomwaffen: Russland verfügt weltweit im Vergleich über die höchste Anzahl – die Übersicht

Atommächte:Anzahl der atomaren Sprengköpfe:
Russland5977
USA5428
China350
Frankreich290

Bereits vor dem Ausrufen der Teilmobilmachung hielt die frühere Vize-Generalsekretärin der Nato, Rose Gottemoeller, einen Einsatz von russischen Atomwaffen nicht mehr für ausgeschlossen. „Ich befürchte, dass sie jetzt auf wirklich unvorhersehbare Weise zurückschlagen werden“, sagte sie in der vergangenen Woche der britischen BBC, „und zwar auf eine Weise, die sogar den Einsatz von Massenvernichtungswaffen beinhalten könnte.“

Russland droht Deutschland und der Welt: Experten spekulieren über Wirkung von taktischen Atomwaffen

Jedoch machen die Experten dabei auch Einschränkungen. So rechnet die Nato-Expertin weniger mit dem Einsatz von atomaren Interkontinentalraketen, die die Weltmeere überqueren und ganze Städte auf einen Schlag ausradieren. Es sei eher davon auszugehen, so Gottemoeller, dass Russland taktische Atomwaffen abfeuern würde.

Diese haben eine geringere Sprengkraft und können präzisionsgelenkt direkt auf militärische Ziele gelenkt werden. Eine US-amerikanische B61-12-Bombe etwa kann auf bis zu 0,3 Kilotonnen reduziert werden, wie der Focus berichtete. Das entspreche in etwa einem Fünfzigstel der Sprengkraft der Bombe, die Hiroshima zerstörte. Von dieser Bombenart soll Russland Schätzungen zufolge über mehrere Tausend verfügen.

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Für Christopher Chivvis, frührerer US-Geheimdienstkoordinator in Europa, sieht in einem möglichen Einsatz vor allem ein Druckmittel. Selbst bei einer geringen Wirkung würde eine atomare Explosion massive Ängste vor einer größeren Eskalation schüren. Das Ziel wäre es“, so sagte er kürzlich, „die Ukrainer in ihrem Schock, zur Kapitulation zu bewegen“.

Gefahr für einen Atomkrieg: Japan ruft Russland zur Zurückhaltung im Ukraine-Krieg auf

Dennoch hofft die internationale Gemeinschaft darauf, dass es erst gar nicht so weit kommt. So rief Japans Ministerpräsident Fumio Kishida Russland zur Zurückhaltung auf. Die geschaffene Drohkulisse des Einsatzes von Atomwaffen im Ukraine-Krieg sei „völlig inakzeptabel“, kritisierte er in einer Rede vor der UN-Vollversammlung.

Das Gebaren Russlands sei eine „ernste Gefahr für den Frieden und die Sicherheit der internationalen Gemeinschaft“, fügte er hinzu. Der Wahlkreis Kishidas liegt in der Stadt Hiroshima, die zum Ende des Zweiten Weltkriegs durch eine von der US-Luftwaffe abgeworfene Atombombe verwüstet worden war.

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