Ramsauer will Akku-Lampen für Radler erlauben

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Peter Ramsauer

Berlin - Kaum ein Radler kennt diese Pflicht: Wiegt das Rad mehr als elf Kilo, muss es einen Dynamo haben. Batterielampe? Bußgeld! Vielen gilt diese Regelung als unzeitgemäß - und könnte bald der Geschichte angehören.

Für Radfahrer sollen voraussichtlich bald aufsteckbare Akku-Lampen erlaubt sein. Das sieht eine Änderung der Straßenverkehrszulassungsordnung vor, über die der Bundesrat am Freitag abstimmen soll. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sagte der Saarbrücker Zeitung: „Viele Radler sind bereits heute mit Akku-Beleuchtung unterwegs - im Grunde rechtswidrig, obwohl die Beleuchtung oft heller als alte Dynamo-Lichter und vor allem auch im Stehen sichtbar ist.“ Nun solle die Rechtslage dem Stand der Technik angepasst werden, ohne Abstriche bei der Sicherheit.

Laut einer Empfehlung des Bundesratsverkehrsausschusses für das Plenum der Länderkammer sollen künftig „für den Betrieb der aktiven lichttechnischen Einrichtungen auch wiederaufladbare Energiespeicher“ verwendet werden dürfen. Dabei muss über eine Anzeige „dem Fahrer die Kapazität sinnfällig angezeigt werden“. Bisher sind Lichtmaschinen, also Dynamos, Pflicht. Mit der Neuregelung wären Radler, die mit Akku- Lampen unterwegs sind, laut Zeitung auch vor der bisher drohenden Geldbuße von bis zu 15 Euro sicher.

Ein Ende der Dynamopflicht wäre auch ein Wirtschaftsfaktor, gerade mit Blick auf den Verkauf aufsteckbarer Leuchten - schließlich gibt es nach Schätzungen in Deutschland rund 70 Millionen Fahrräder. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) erklärte Anfang des Jahres, es würden immer noch 80 Prozent der Räder mit Dynamo verkauft. Anders als bei Steckleuchten, deren Batterien der Strom ausgehen könne, sei beim Dynamo eine dauerhafte Lichtleistung gesichert.

Bußgeld-Katalog: Das kosten Radl-Sünden

Bußgeld Radfahrer
Rücksichtlose Radfahrer werden stärker zur Kasse gebeten. Was Verkehrssünden jetzt kosten: © dpa
Bußgeld Radfahrer
Wussten Sie, dass freihändiges Fahren verboten ist? 5 Euro kostet es, wenn Sie erwischt werden. © dpa
Bußgeld Radfahrer
Wer einen vorhandenen beschilderten Radweg nicht benutzt, riskiert ein Bußgeld in Höhe von 20 bis 35 Euro. Bisher wurde das mit 15 bis 30 Euro​ geahndet. © dpa
Bußgeld Radfahrer
Nebeneinander radeln ist zwar für manchen Autofahrer ärgerlich, aber grundsätzlich nicht verboten. Nur wenn andere behindert oder gefährdet werden, kann es kosten: 15 bis 25 Euro. © dpa
Fahren auf dem Fußweg wird mit 10 bis 20 Euro geahndet. © dpa
Bußgeld Radfahrer
Wer in einer Einbahnstraße in die falsche Richtung radelt, muss mit einem Bußgeld in Höhe von 20 bis 35 Euro rechnen (statt bisher 15 bis 30 Euro​). © dpa
Bußgeld Radfahrer
Wenn Bremsen, Klingel oder Reflektoren fehlen oder nicht den Vorschriften entsprechen, wird ein Bußgeld von 15 Euro fällig. © dpa
Bußgeld Radfahrer
Auf dem Gepäckträger mitfahren ist ebenfalls verboten. Wer eine über sieben Jahre alte Person auf einem einsitzigen Fahrrad befödert, zahlt derzeit 5 Euro. (Kinder bis sieben Jahre dürfen in Kindersitzen mitfahren). © dpa
Bußgeld Radfahrer
Enorm gefährlich und richtig teuer wird es, wenn ein Bahnübergang trotz geschlossener (Halb-)Schranke überquert wird. Diese Radl-Sünde kostet derzeit 350 Euro. © dpa
Bußgeld Radfahrer
Telefonieren auf dem Fahrrad ohne Freisprecheinrichtung kostet 25 Euro. © dpa
Bußgeld Radfahrer
Mit dem Fahrrad in der Fugängerzone fahren: 15 bis 30 Euro. © dpa
Bußgeld Radfahrer
Wer ohne Licht unterwegs ist, zahlt künftig 20 statt 10 Euro. © dpa
Bußgeld Radfahrer
Auch für Autofahrer gelten neue Strafen: Wenn diese auf Radwegen parken, soll die Geldbuße von 15 auf mindestens 20 Euro angehoben werden. Wer mit seinem Wagen einen Schutzstreifen für Radler blockiert, muss demnach 20 statt 10 Euro zahlen. © dpa
Bußgeld Radfahrer
Wer eine rote Ampel überfährt muss 45 Euro berappen. Gefährdet man dabei andere, kostet es 100 Euro, wenn es zum Unfall kommt, muss man sogar 120 Euro zahlen. © dpa
Bußgeld Radfahrer
Wer an Fußgängerüberwegen (z. B. am Zebrastreifen) deren Vorrang missachtet, muss mit einem Bußgeld von 40 bis 60 Euro rechnen. © dpa

„Die Dynamopflicht ist ja gerade 75 Jahre alt geworden“, sagte ADFC-Rechtsreferent Roland Huhn der dpa. Sie sei aus Sicht seines Verbandes keineswegs überflüssig. „Wir könnten uns aber im Prinzip auch mit einer Wahlfreiheit anfreunden.“ Eine Dynamopflicht gebe es nirgendwo sonst in Europa. Außerhalb Deutschlands hätten Radfahrer die Wahl zwischen einem Dynamo oder batteriebetriebenen Lampen.

dpa

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