Union kontert

Brüderle: "Wer Merkel haben will, wählt FDP"

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FDP-Bundestagsfraktionsvorsitzender Rainer Brüderle

Berlin - Die FDP hat bei der Landtagswahl in Bayern eine derbe Klatsche einstecken müssen. Dennoch wirbt die Partei unverhohlen um Zweitstimmen von Unionsanhängern bei der Bundestagswahl.

Nach ihrer Schlappe bei der Landtagswahl in Bayern wirbt die FDP massiv um Leihstimmen der Unionsanhänger. Nur eine Zweitstimme für die FDP sichere den Fortbestand des schwarz-gelben Regierungsbündnisses und verhindere, dass die Union eine große Koalition mit der SPD eingehe, sagte FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle am Montag in Berlin. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe lehnte Wahlkampfhilfe für den Koalitionspartner klar ab.

Die FDP war bei der Landtagswahl in Bayern mit 3,3 Prozent deutlich an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert. Auch im Bund liegen die Liberalen in Umfragen nahe an der Fünf-Prozent-Marke. Sie setzen nun in den letzten Wahlkampftagen auf eine Zweitstimmenkampagne - und vertrauen dafür sogar auf die Beliebtheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): "Wer Merkel haben will, wählt FDP", sagte Brüderle am Montag.

Parteichef Philipp Rösler kündigte an, die FDP werde in den letzten Tagen vor der Wahl "sehr konkret um die Zweitstimme kämpfen", die Wahlplakate würden mit einem entsprechenden Aufruf überklebt. Die Parteiführung habe die Bundestagskandidaten angeschrieben und vorgeschlagen, dass diese vor Ort Absprachen mit dem jeweiligen Unionskandidaten treffen: Erststimme für die Union, Zweitstimme für die FDP. Eine entsprechende Absprache mit der CDU im Bonner Wahlkreis von Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) könne dabei als "Beispiel" für die ganze Partei dienen, sagte Rösler.

Die Union will dem derzeitigen Koalitionspartner im Bund offenkundig keine Wahlhilfe gewähren. "Die Union hat keine Stimme zu verschenken", sagte Gröhe am Montag nach den Sitzungen der CDU-Spitzengremien in Berlin. Wer wolle, "dass Angela Merkel Bundeskanzlerin bleibt, der muss mit beiden Stimmen CDU wählen". Ähnlich äußerte sich in München auch CSU-Chef Horst Seehofer, der bei der Bayern-Wahl am Sonntag die absolute Mehrheit zurückerobert hatte: "Leihstimmen kann es natürlich nicht geben." Die FDP müsse selbst ihre Stimmen holen.

Bei der Landtagswahl in Bayern hatte die CSU dem vorläufigen amtlichen Endergebnis zufolge mit 47,7 Prozent der Stimmen die absolute Mehrheit im Landesparlament erreicht. Auf die SPD entfielen 20,6 Prozent. Neben der FDP scheiterten die Linkspartei mit 2,1 Prozent und die Piratenpartei mit 2,0 Prozent auch an der Fünf-Prozent-Hürde.

Die SPD sah sich durch das Ergebnis der Landtagswahl gestärkt. Parteichef Sigmar Gabriel sprach von einer "großen Chance" für ein Regierungsbündnis von SPD und Grünen, wenn nur die Wahlbeteiligung am kommenden Sonntag hoch genug ausfalle. Das Reden über andere Konstellationen wie eine große Koalition wies er als "alberne Spekulationen" zurück.

Die lustigsten Wahlkampf-Pannen der Politiker

Die lustigsten Wahlkampf-Pannen der Politiker

Angela Merkel
Keine Zeit wird von den Politstrategen so durchgeplant wie der Wahlkampf - und dennoch passieren in dieser Phase immer wieder Pannen. Was in den Parteizentralen für Ärger sorgt, erheitert das politische Publikum - auch die vergangenen Wochen brachten solche Patzer. © Bild: dpa/Text: AFP
Sigmar Gabriel
Der rasende Gabriel: SPD-Chef Sigmar Gabriel hält ein generelles Tempolimit von 120 Stundenkilometern auf Autobahnen aus Sicherheitsgründen für sinnvoll. Von seinem Chauffeur ließ sich Gabriel selbst aber kürzlich mit 180 Sachen zu einem Wahlkampftermin bringen, wie Reporter bemerkten. Obwohl keine Geschwindigkeitsbegrenzung vorlag, zahlte Gabriel selbstkritisch 500 Euro an die Verkehrswacht. © Bild: dpa/Text: AFP
Philip Rösler
Die NPD-Familie der FDP: Die FDP bebilderte in einem Fernsehfilm das Versprechen einer guten Zukunft mit einer durch eine sommerliche Allee radelnden Familie. Dumm nur, dass auch die rechtsextreme NPD in einem Film mit der Familie Werbung machte. Beide Parteien hatten die Bilder bei einer Agentur gekauft - die multifunktionale Familie radelte zudem in Finnland für Quarkwerbung. © Bild: dpa/Text: AFP
Rainer Brüderle
Brüderles Nix-Rauskommt-Liberale: FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle versuchte in einer Fernsehdebatte, das Wort Wahlversprechen zu definieren: "Wenn man viel sagt, Erwartungen hat und nix rauskommt." Das Publikum assoziierte die Beschreibung aber anders und rief im Chor "FDP" - der FDP-Spitzenmann konnte immerhin darüber lachen. © Bild: dpa/Text: AFP
Jürgen Rüttgers
Wahlwerbung mit Rentner Rüttgers: Nordrhein-Westfalens früherer Ministerpräsident Jürgen Rüttgers ist längst Politik-Rentner. Doch in Mönchengladbach feierte der CDU-Mann ein überraschendes Comeback. An mehreren Stellen standen Plakatwände, auf denen "unser Ministerpräsident" für die CDU warb. Die Plakate stammten noch von der Landtagswahl 2010, die zuständige Firma hatte sie nicht überklebt. Ein anderes Plakatproblem hatte SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück: Dessen Wahlplakate erwiesen sich zum Teil als nicht wetterfest und lösten sich auf. © Bild: dpa/Text: AFP
Angela Merkel
Merkels-Raute wird Simpsons-Raute: Die CDU sorgte am Berliner Hauptbahnhof mit einem gigantischen Plakat mit der als Merkel-Raute bekannt gewordenen Handhaltung ihrer Parteichefin Angela Merkel für viel Aufsehen. Im Internet nahmen viele das Motiv zum Anlass für Spott. In einer satirischen Umgestaltung verpasste etwa ein Nutzer dem bösartigen Atomkraftwerksbetreiber Montgomery Burns aus der US-Comicserie "Die Simpsons" die Hände - eine Anspielung auf Merkels vor der Atomkatastrophe von Fukushima atomfreundliche Haltung. © Bild: dpa/Text: AFP
Peer Steinbrück
Steinbrück als "Luser": Im Wahlkampf wandern Politiker gerne, das Erklimmen von Berggipfeln bringt oft schöne Bilder. Das dachte sich auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Allerdings ließ der sich von der bayerischen SPD ausgerechnet auf den Berg Lusen einladen. Bei dem großen Abstand des Herausforderers auf die Kanzlerin fühlten sich da manche an das englische Wort "lose" erinnert - also ans Verlieren. © Bild: dpa/Text: AFP
Jürgen Trittin
Trittin geht baden: Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin wollte auf der Werra in Hessen mit Mitstreitern bei einer Paddeltour Wahlkampf machen. Das Boot kenterte allerdings und Trittin ging baden - Bildaufnahmen dokumentierten den Reinfall. Statt über das von den Grünen geforderte Verbot von Salzeinleitungen in den Fluss zu sprechen, ging es danach ausschließlich um das unfreiwillige Bad. Immerhin trug der Grüne vorbildlich eine Rettungsweste. © Bild: dpa/Text: AFP
Andrea Nahles
Nahles schiefer Gesang: Oft ist es schwer, mit einer Bundestagsrede Aufmerksamkeit zu bekommen. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles schaffte es sogar, tagelang zum Gesprächsthema zu werden - allerdings immer mit Spott: Nahles sang das Gute-Nacht-Lied für ihre zweijährige Tochter. Es ist die von Pippi Langstrumpf bekannt gewordene Textzeile "Ich mache mir die Welt, wide wide wie sie mir gefällt", die Nahles an die Politik Merkels erinnert. Allerdings sang die SPD-Frau diese so schräg, dass es mehr Mitleidsbekundungen für ihr Töchterchen gab als Zustimmung zur Kritik an Merkel. © Bild: dpa/Text: AFP

Die Grünen wollen nach ihrem enttäuschenden Abschneiden bei der Bayern-Wahl bis zum Urnengang im Bund vor allem mit Umweltthemen punkten. Die Energiewende sei die "zentrale Frage" für die letzte Wahlkampfwoche, sagte Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt in Berlin. Dabei gehe es auch darum, dass Energie bezahlbar bleiben müsse. Die Partei war mit 8,6 Prozent weit unter ihrem bisherigen Rekordwahlergebnis von 2008 geblieben, als sie 9,4 Prozent der Stimmen für sich verbuchen konnten.

AFP

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