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Spione in der Ukraine enttarnt: So haben Putins Agenten auch Europa unterwandert

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Von: Felix Busjaeger

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Russischer Präsident Putin
Wladimir Putin (r), Präsident von Russland, soll ein weitläufiges Agentennetzwerk in Europa unterhalten. In der Ukraine sollen mehrere russische Spione nun enttarnt worden sein. (Archivbild) © Alexander Zemlianichenko/dpa

Die Ukraine berichtet, dass sie mutmaßlich russische Spione entlarvt hat. Doch Russlands Agenten haben auch andere Länder in Europa im Visier.

Kiew – Sie operieren in der Regel verdeckt und weit hinter der feindlichen Linie. Mitunter infiltrieren sie auch Regierungsapparate und liefern ihren Vorgesetzten detaillierte Informationen über vertrauliche Entwicklungen. Die Rede ist von Spionen. Während der Spionage nicht zuletzt durch James Bond, der als Romanheld 007 für den britischen Geheimdienst arbeitet, stets eine romantisierende Komponente mitschwingt, ist die Realität häufig brutal und hart. Das mussten nun auch mutmaßliche Spione aus Russland im Krieg in der Ukraine erfahren, die enttarnt wurden.

Russische Spione in der Ukraine enttarnt: genaue Anzahl von Putins Agenten weiter unbekannt

Neben der pro-russischen Propaganda von Wladimir Putin sind Spione ein wichtiges Instrument des Kremls – das allerdings auch anfällig ist. Nach Angaben der ukrainischen Sicherheitsbehörden wurde in den vergangenen Tagen ein Ring russischer Spione in der Ukraine ausgehoben. Auch wenn derzeit noch nichts über die genaue Anzahl der Mitglieder des Spionage-Netzwerks bekannt ist, soll es den Russen gelungen sein, Putins Agenten und Strohleute bis in höchste Regierungskreise einzuschleusen. Wie Olexij Arestowytsch, der Berater von Präsident Wolodymyr Selenskyj, in der Nacht zum Montag der Nachrichtenagentur Ukrinform sagte, habe ein mutmaßlicher Spion im ukrainischen Generalstab gearbeitet. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben zunächst nicht.

Auch wenn nichts über die genaue Zahl der russischen Spione bekannt gegeben wurde, nannte Arestowytsch mögliche Ziele für Angriffe: „Diese Genossen sollten ein Passagierflugzeug über Russland oder Belarus abschießen und anschließend die Ukraine dafür verantwortlich machen.“ Wie es weiter heißt, hätten die enttarnten Spione demnach für die Angriffe mutmaßlich Flugabwehrraketen aus ukrainischen Beständen nutzen wollen. Der Vorfall zeigt: Auch lange nach dem Kalten Krieg ist Spionage besonders in Kriegszeiten ein wichtiges Instrument geblieben.

Russlands Spione: Putins Agenten werden immer wieder in Europa enttarnt

Während quasi alle Staaten Spionage betreiben, scheint Russland in den vergangenen Jahren besonders aktiv gewesen zu sein, wenn es um die Platzierung eigener Spione in anderen Nationen ging – davon zeugen unter anderem die Meldungen über zerschlagene Netzwerke russische Herkunft. So berichtete die slowakische Polizei Mitte März von zwei Großeinsätzen, bei denen insgesamt vier Personen festgenommen wurden und damit mutmaßlich die Tätigkeit „eines Netzes russischer Nachrichtendienste“ unterbunden wurde.

Die WOZ aus der Schweiz schrieb vor wenigen Tagen, dass der spanisch-baskische Journalist Pablo González in Polen festgehalten werden soll, weil er für Russland und Wladimir Putin, der an Parkinson leiden könnte, spioniert haben soll.

Putins Spione: Netzwerk von russischen Agenten wohl in Frankreich entlarvt

Weitere Fälle, unter anderem auch in Frankreich, wo zuletzt sechs mutmaßliche Agenten von Putin entlarvt wurden, zeigen, dass Russland ein reges Netzwerk geschaffen hat, das Länder in ganz Europa unterwandert und dem Kreml, und somit auch Wladimir Putin, Informationen aus Feindstaaten zukommen lässt.

Dass dabei mitunter auch auf die Anwerbung von Staatsangehörigen fremder Mächte gesetzt wird, zeigt etwa der Fall González. Doch es kommt auch immer wieder vor, dass sich ehemalige russische Spione gegen ihre Heimatnation wenden. Im Ukraine-Krieg setzt Putin derweil auch auf seine Trollfabrik und zahlreiche Hackergruppen.

Ehemalige russische Spione im Visier von Wladimir Putin: Giftanschläge in Großbritannien

Wie es für russische Überläufer enden kann, war etwa beim Giftattentat auf Sergei Skripal ersichtlich, der gemeinsam mit seiner Tochter am 4. März 2018 bewusstlos im englischen Salisbury aufgefunden wurde. Beide überlebten den Angriff. Der russische Ex-Spion Alexander Litwinenko wurde einige Jahre zuvor mit einer hohen Konzentration von Polonium getötet.

In beiden sowie anderen Fällen stritt die russische Regierung von Wladimir Putin eine Beteiligung ab. Ira Winkler, eine amerikanische Forscherin, beschäftigte sich in den frühen 2000er Jahren mit möglichen Motiven der Überläufer im Allgemeinen und identifizierte vier mögliche Gründe, wieso Menschen zu anderen Nationen überlaufen: Money (Geld), Ideology (Ideologie), Coercion (Zwang) und Ego.

Russische Agenten in Deutschland und Europa: Österreichs Hauptstadt soll Einfallstor sein

Der Standard aus Österreich erklärte jüngst in einem Beitrag, wie die Nation russischer Spionage für ganz Europa die Tür geöffnet hat. Unweit des Wiener Zentrums hat die russische Regierung eine der weltweit größten sogenannten Legalresidenturen der russischen Geheimdienste eingerichtet. Gegenüber der Zeitung sagte Thomas Riegler, ein Geheimdienst-Experte, der am Austrian Center for Intelligence, Propaganda and Security Studies (ACIPSS) in Graz forscht, dass die russischen Aktivitäten in Wien ernst genommen werden müssten. Wie weit sich das russische Agenten-Netzwerk in der Hauptstadt bereits ausgedehnt hat, ist hingegen ungewiss.

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Abseits der klassischen Agentenarbeit setzt Russland vermehrt auch auf Cyberangriffe. Experten warnen bereits länger, dass die Intensität der digitalen Attacken auch in Deutschland zunehmen könnte.

Agenten aus Russland in der Ukraine enttarnt: Spione sollen Anschlag auf Passagierflugzeug geplant haben

Zum aktuellen Fall der in der Ukraine enttarnten Spione gibt es derweil noch wenige Informationen. Der Nachrichtensender N-TV berichtete in einem Beitrag am Montagmorgen, dass der womöglich geplante Abschuss eines Passagierflugzeuges der Ukraine angelastet werden sollte. Mit großer Wahrscheinlichkeit hätte so ein Anschlag das Licht auf den Ukraine-Krieg maßgeblich beeinflussen können.

Der Spiegel schreibt über den Vorfall, dass bisher noch unklar ist, ob ausländische Geheimdienste, wie die CIA, bei der Enttarnung der russischen Agenten beteiligt waren. Laut des Magazins wäre eine US-Beteiligung nicht abwegig, da die amerikanische Regierung in den vergangenen Monaten mehrfach deutlich gemacht hat, dass sie die Ukrainer durch die eigenen Nachrichtendienste unterstützen würde.

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