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Kaum Liebesgrüße an Moskau: Putin steht im Alter plötzlich alleine da

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Von: Jens Kiffmeier

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Steht zum 70. Geburtstag wegen des Ukraine-Krieges unter Druck: Russlands Präsident Wladimir Putin.
Steht zum 70. Geburtstag wegen des Ukraine-Krieges unter Druck: Russlands Präsident Wladimir Putin. © Ashley Chan/ Gavriil Grigorov/dpa/Montage

Neues Alter, neues Problem: Wladimir Putin feiert 70. Geburtstag – und steht nach 22 Jahren an der Macht vor einem Scherbenhaufen. Die Nachfolger arbeiten am Sturz.

Moskau/St. Petersburg – Wladimir Putin wird 70. Doch aus dem Westen wird der Diktator wohl kaum Glückwünsche zum Geburtstag erhalten. Im Gegenteil. Putin sei ein „KGB-Agent, Mörder und Gauner“, schimpfte die tschechische Verteidigungsministerin Jana Cernochova in diesen Tagen. Doch was will man so einem Mann schenken? In Prag reagiert man vor allem mit Sarkasmus. So soll ein spendenfinanzierter Panzer zu Putins Ehrentag an die Ukraine ausgeliefert werden. Das sei wohl ein „ordentliches Geschenk“ zum 7. Oktober, befand die Ministerin. Dass aus den anderen europäischen Hauptstädten dem Kreml-Tyrannen ernst gemeinte Liebesgrüße übersandt werden, darf angesichts der Gräueltaten im Ukraine-Krieg bezweifelt werden.

Präsident von Russland:Wladimir Putin
Alter:70 Jahre
Geburtstag:7. Oktober 1952
Geboren in:St. Petersburg
Sternzeichen:Waage

Wladimir Putin: Russlands Präsident nimmt beim Alter neue Hürde – doch der 70. Geburtstag wird einsam

Tatsächlich steht Wladimir Putin zu seinem 70. Geburtstag am Freitag, 7. Oktober 2022, international isoliert da. Offiziell wird Russlands Präsident das neue Alter mit einem kleinen informellen Gipfel in Sankt Petersburg feiern. Das teilte der Kreml mit. Im Konstantinpalast sollen mehrere Staatsgäste zu Ehren des Diktators empfangen werden. Doch die illustre Runde ist wegen des von Putin vom Zaun gebrochenen Ukraine-Krieges überschaubar.

Erwartet werden die Staatschefs der „Gemeinschaft Unabhängiger Staaten“ (GUS), die zu einem Großteil aus den autoritär regierten zentralasiatischen Staaten wie Kasachstan, Usbekistan und Tadschikistan angereist kommen. Andere internationale Politprominenz? Fehlanzeige. Bei früheren Geburtstagen hatte das noch anders ausgesehen. Zum 65. etwa tauchte immerhin noch Italiens Ex-Präsident Silvio Berlusconi auf.

Wegen Ukraine-Krieg: Putin steht nach 22 Jahren an der Macht zum 70. Geburtstag vor einem Scherbenhaufen

Doch nach 22 Jahren an der Macht hat Wladimir Putin im Alter von 70 Jahren sein politisches Werk innerhalb weniger Monate zerstört. Zwar ist seine Präsidentschaft seit Amtsantritt von Kriegen durchzogen. Doch mit dem von ihm befohlenen Angriff auf die Ukraine hat er Russland ohne Not an den Rand des Abgrunds getrieben: Die jungen Menschen verlassen scharenweise das Land – aus Sorge davor, eingezogen und an die Front geschickt zu werden, wo die sich die einst stolze russische Armee derzeit in der Auflösung befindet und die Söldner panisch die Flucht ergreifen.

Nach einer Berechnung des US-Magazins Forbes sollen bereits mehr als eine Million Russen ihrem Land den Rücken gekehrt haben, um dem Militärdienst zu entkommen. Putin selber hat die Situation heraufbeschworen, in dem er nach den enormen Verlusten im Ukraine-Krieg die Teilmobilmachung von 300.000 Reservisten angeordnet hat, die nun in dem blutigen Kampf die Lücken auffüllen sollen.

Kinder, Mutter, Ehefrau – das ist Putin privat

Um sein Privatleben macht Wladimir Putin ein großes Geheimnis. Am 7. Oktober 1952 wurde er in Leningrad (heute St. Petersburg) als drittes Kind einer Arbeiterfamilie geboren. Sein Vater war Kriegsinvalide, seine Mutter hatte die Leningrader Blockade der deutschen Wehrmacht überlebt. Putin selber war 30 Jahre mit seiner Ehefrau Ljudmila verheiratet und hat mit ihr zwei Töchter. Die Ehe scheiterte aber 2013. Unbestätigten Berichten zufolge soll Russlands Präsident aus einer Beziehung mit seiner Geliebten Alina Maratowna Kabajewa vier weitere Kinder haben.

Putsch gegen Putin: Rund um seinen 70. Geburtstag nehmen die Proteste in Russland gegen den Ukraine-Krieg zu

Die Sprengkraft, die sich dadurch in der russischen Gesellschaft entfaltet, hat Putin ebenso unterschätzt wie den wirtschaftlichen Absturz. Wegen der Sanktionen der Europäischen Union (EU) steht Russland vor der schwersten Rezession seit Jahrzehnten. Der russische Haushalt beruhte zu einem Großteil auf den Einnahmen aus den Energieexporten. Doch die Glaubwürdigkeit als zuverlässiger Lieferant ist futsch, im Westen will man sich unabhängig machen. Auch in China verspürt man wenig Lust, die Lücke aufzufüllen. Treueschwüre aus Peking fielen zuletzt äußerst verhalten aus, ebenso wie aus den paar afrikanischen Staaten, die sich im Uno-Sicherheitsrat noch zu Beginn des Krieges an Putins Seite gestellt hatten.

Gescheiterte Offensive im Ukraine-Krieg: Nachfolger von Putin arbeiten am Sturz

Für Russlands Bevölkerung sind die Entwicklungen dramatisch. Vor allem die Armut droht massiv zuzunehmen. Potenziellen Nachfolgern aus dem inneren Kreml-Zirkel bleibt das nicht verborgen. Galt Putin lange als Staatschef und Hüter ihres Reichtums als sakrosankt, bröckelt die stillschweigende Akzeptanz seiner Machtposition. Bereits seit längerem gibt es Spekulationen über einen Sturz Putins. Je mehr in der Bevölkerung die Unzufriedenheit steigt, desto mehr könnten sich mögliche Kandidaten aus der Deckung wagen. Auf den Straßen jedenfalls wächst die Protestwelle.

Putin hat seinen Status als heilige Figur verloren.

Abbas Galljamow, Ex-Insider im Kreml, zum RND

Der russische Politologe Abbas Galljamow, der früher als Redenschreiber im Kreml arbeitete, bescheinigt Putin einen „Kontrollverlust“. Der Präsident sei nicht mehr Herr der Lage, verriet er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Putin sei ein Getriebener der Lage in der Ukraine. Er habe seinen Status als „heilige Figur“ und als Garant für Stabilität verloren. „Putin steht allein da“, befand auch Kremlkritiker Garri Kasparow im Gespräch mit dem Spiegel. Und Regimegegner Iwan Schdanow ist sich sicher: „Die schlafende Mehrheit ist aufgewacht, Putin selbst hat sie aufgeweckt.“

Putin krank: Im Alter von 70 Jahren wird Putin ein schlechter Gesundheitszustand zum Geburtstag bescheinigt

Vor diesem Hintergrund schaut die Politik des Westens dann doch gespannt nach Moskau. Wird Putin nach seinem 70. Geburtstag ein weiteres Fest im Amt feiern können? Immer wieder ranken sich Gerüchte um seinen Gesundheitszustand. So wird gemunkelt, dass Putin an Parkinson oder Krebs erkrankt sein könnte. Doch das sind Spekulationen. Die Gefahr eines Putsches scheint für den Kremlherrscher derzeit weitaus größer zu sein.

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In Tschechien jedenfalls ist man bereit, Putins Abwärtsspirale weiter zu befeuern. So läuft die Spendenkampagne „Ein Geschenk für Putin“ weiter auf Hochtouren. Initiiert wurde die Aktion von der ukrainischen Botschaft in Prag, doch das tschechische Verteidigungsministerium unterstützt dies. Und die Tschechen lassen sich nicht lumpen. An der Sammlung für den umgebauten Panzer, der nun an die Ukraine ausgeliefert werden soll, beteiligten sich übrigens 11.000 Menschen mit 1,2 Millionen Euro. Und das ist noch nicht alles. Die Kampagne läuft weiter. Nun soll auch noch die Munition beschafft werden.

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