1. Startseite
  2. Politik

Nach Tod von Mahsa Amini: Die Schergen der Mullahs provozieren Proteste in Deutschland

Erstellt:

Von: Alexander Eser-Ruperti

Kommentare

Nach dem Tod einer jungen Kurdin im Iran folgen auch in Deutschland Proteste. Vor Ort wird offenbar das Internet beschränkt, doch die Demonstrationen halten an.

Teheran – Der Tod der jungen Kurdin Mahsa (Zhina) Amini hat im Iran zu einer Welle von Protesten geführt, auf die der Staat offenbar auch mit Einschränkung des Internets reagiert. Die 22-Jährige war im Anschluss an ihre Festnahme durch die iranische Sittenpolizei, wegen „unangemessener Kleidung“, verstorben. Die Behörden weisen jegliche Schuld für den Tod von sich, doch viele Indizien sprechen gegen die Version der staatlichen Stellen. Auch in Deutschland sind in zahlreichen Städten Kundgebungen und Demonstrationen geplant, die sich auf die Situation vor Ort beziehen. Die Biografie Aminis wirft auch ein Schlaglicht auf die Unterdrückung von Kurdinnen und Kurden im Iran.

Proteste Iran: Deutschlandweit Aktionen zum Tod von Mahsa (Zhina) Amini geplant

An verschiedenen Orten in Deutschland finden Kundgebungen zum Tod von Zhina Amini (bürgerlich Mahsa Amini) statt. Unter anderem sind für den 22. September 2022 Aktionen in München, Duisburg, Düsseldorf und Darmstadt geplant. Zwei Tage später, am 24.09, soll es zudem Aktionen in Dortmund, Köln, Saarbrücken und Hamburg geben. Bereits zuvor hatte es an einigen anderen Orten Veranstaltungen gegeben. Derweil halten die Proteste im Iran weiter an, zum wiederholten Mal strömten landesweit tausende Menschen unter Parolen wie „Wir kämpfen, wir sterben, wir werden uns den Iran zurückholen“ auf die Straßen, wie die Junge Welt berichtet. Selbst in der erzkonservativen Stadt Ghom protestierten zumeist junge Demonstrierende gegen Femizide, Sittenpolizei und Kleidervorschriften.

Ein Mann hält ein Bild von Mahsa Amini mit der Unterschrift „I am Mahsa Amini“
In mehreren Ländern protestieren Menschen in Reaktion auf den Tod der Iranerin Mahsa Amini. Hier ein Demonstrant in Berlin. © Paul Zinken

Amini wurde vor einigen Tagen von der iranischen Sittenpolizei wegen vermeintlich nicht-ordnungsgemäßen Tragens ihres Hijabs festgenommen. Anschließend war sie in ein Krankenhaus eingeliefert worden, wo sie wenig später verstarb. Viele Beobachter gehen davon aus, dass Amini durch die Polizisten geschlagen wurde, was zum Tod geführt haben soll. Die Behörden hatte zuerst verlauten lassen, Amini sei an Herzversagen gestorben, das behandelnde Krankenhaus erklärte laut taz hingegen, die 22-Jährige sei schon hirntot eingeliefert worden. Die Zeitung schreibt zudem, Frauen, die mit Amini verhaftet wurden, hätten von Schlägen auf den Kopf der jungen Frau berichtet.

Iran: Internationale Proteste, Tod von Zhina Amini/Mahsa Amini verdeutlicht auch Unterdrückung der Kurden

Weit über das Land hinaus regen sich zum Iran internationale Proteste. Immer wieder ist in der medialen Berichterstattung dabei der Name Mahsa Amini zu lesen, der staatlich anerkannte Name der verstorbenen Kurdin. Schon an ihm wird noch ein weiterer wichtiger Aspekt der Situation im Iran deutlich: Die Unterdrückung der Kurdinnen und Kurden. Der bürgerliche Name der jungen Frau, „Mahsa Amini“, hat eine bezeichnende Vorgeschichte: Die iranischen Behörden hatten ihr ihren eigentlichen, kurdischen Namen verboten. Der ihr von ihren Eltern ursprünglich verliehene Name lautet Zhina/Jina Amini.

Iran Internet: Berichte über massive Einschränkung des Internets im Zuge der Protestwelle im Iran

Im Zuge der Proteste in mehreren Städten gibt es Berichte über weitere Tote. Die Demonstrationen halten an, es ist unklar, ob die Regierung auch dieses Mal die Protestbewegung zerschlagen bekommt. Laut Tagesschau hatte es im letzten Jahr rund 4000 Proteste im Iran gegeben, ein Rekordwert seit 2016. Bisher ist es der Regierung so gut wie immer gelungen, die Proteste langfristig zu unterwerfen. Auch in diesem Fall wird dies versucht. Laut Spiegel berichtet die kurdische Menschenrechtsorganisation Hengaw von zehn Demonstrierenden, die durch iranische Sicherheitskräfte im Zuge der Proteste getötet wurden. Staatliche Stellen dementieren das. Zudem gibt es nun Berichte über Einschränkungen einer wichtigen Kommunikationsform: Irans Internet.

Das Wichtigste aus der Politik: Ausgewählt von unserer Politikredaktion und um 7:30 Uhr verschickt – jetzt kostenlos anmelden.

Mobile Netzwerke scheinen laut verschiedenen Berichten weitgehend abgeschaltet. Dienste wie Instagram sind offenbar gesperrt, auch der Messengerdienst WhatsApp funktioniert nur noch sehr eingeschränkt. In den sozialen Medien verbreiten sich Bilder von Frauen, die aus Protest ihre Kopftücher verbrennen, wie ein Lauffeuer, obschon die Überprüfung der Echtheit schwer ist. Klar ist, dass Teile der Bevölkerung sich derzeit erheben. Das geschieht auch unter einer hoffnungsvollen Parole: In Teheran sollen Studierende verschiedenen Verlautbarungen zufolge „Zan, Zendagi, Azâdi“ skandieren, angelehnt an die kurdische Parole „Jin, Jiyan, Azadî“. Frei übersetzt heißt das so viel wie „Frau, Leben, Freiheit.“

Auch interessant

Kommentare