1. Startseite
  2. Politik

Von der Demo an die Front: Putin lässt Festgenommene wohl direkt rekrutieren

Erstellt:

Von: Jens Kiffmeier

Kommentare

Harte Bestrafung in Russland: Das Putin-Regime nimmt Tausende nach Protesten gegen die Teilmobilmachung fest. Landen die Demonstranten an der Front?

Moskau – Wut und Protest gegen die Teilmobilmachung: Mit äußerster Härte ist das Putin-Regime gegen tausende Demonstranten in Russland vorgegangen. Bei mehreren Demos in zahlreichen Städten sind tausende Menschen gewaltsam festgenommen und in Polizeigewahrsam gebracht worden. Dabei gab es mehrere Berichte von Bürgerrechtsbewegungen und Journalisten, wonach die Inhaftierten von den Behörden sofort für den Ukraine-Krieg rekrutiert worden seien. Die Betroffenen hätten noch auf der Polizeistation ihre Papiere ausgehändigt bekommen, twitterte unter anderem Evan Gershkovich vom Wall Street Journal.

Proteste in Russland: Demonstranten winkt nach der Festnahme offenbar der Militärdienst

Unabhängig überprüfen lassen sich die Meldungen nicht. Fakt ist aber: In 38 Städten in Russland kam es am Mittwochabend zu zahlreichen Protesten gegen die Teilmobilmachung im Ukraine-Krieg. Die hatte Präsident Wladimir Putin zuvor bekannt gegeben. Nach immensen Verlusten und vielen Rückschlägen bei der Offensive im Donbass sollen nun 300.000 Reservisten für den Militärdienst eingezogen werden.

Proteste in Russland: Die Polizei greift hart gegen Demonstranten durch.
Proteste in Russland: Die Polizei greift hart gegen Demonstranten durch. © Alexander Zemlianichenko/dpa

Stimmung in der Bevölkerung: Tausende Menschen demonstrieren gegen Kreml und die Teilmobilmachung

Doch in der russischen Bevölkerung kippt gerade die Stimmung. In Moskau riefen die Demonstranten „Nein zum Krieg“ und „Russland ohne Putin“. Doch die Sicherheitsdienste des Kreml gingen rüde auf die Demonstranten los und traktierten sie teilweise mit Knüppeln. Im Netz kursieren zahlreiche Videos von den Festnahmen. Schätzungen zufolge wurden mehr als 1350 Menschen inhaftiert, allein jeweils über 500 in St. Petersburg oder in Moskau.

Festnahme nach Protesten in Russland: Bei Polizei wird der Marschbefehl für den Militärdienst erteilt

Die Oppositionsbewegung OVD-Info prangerte anschließend die sofortige Rekrutierung der Gefangenen an. Dabei soll der Einzug in den Militärdienst nach einem festgelegten Schema ablaufen, wie auch der Russland-Experte am Royal United Services Institute for Defense an Security Studies, Samuel Ramani, der Berliner Zeitung bestätigte. Demnach wird die Identität der Demonstranten nach der Festnahme von der Polizei festgestellt und an die Behörde für innere Angelegenheiten weitergeleitet. Anschließend soll unter Beteiligung des Amtes für Militärregistrierung eine Kategorie für die Rekrutierung festgelegt werden. „Diejenigen, die nicht sofort in die erste Kategorie fallen, werden in das Register für die spätere Einberufung aufgenommen“, sagte der Fachmann dem Blatt.

Mit unserem Newsletter verpassen Sie nichts mehr aus ihrer Umgebung, Deutschland und der Welt – jetzt kostenlos anmelden!

Inwieweit die Festgenommenen wirklich an die Front müssen, bleibt aber dennoch unklar. Tatsache ist, dass Russland herbe Verluste im Ukraine-Krieg hinnehmen musste und bei der Suche nach Freiwilligen und Söldner zuletzt nicht wählerisch war. Berichte, wonach auch Strafgefangene und Kriminelle für den Militärdienst rekrutiert werden, gab es schon vor den Protesten gegen die Teilmobilmachung. Nun könnte das Kreml-Regime diese Tatsache als Drohkulisse aufbauen, um die aufkeimende Widerstandsbewegung, die einen Sturz von Putin fordert, einzudämmen.

Proteste in Russland: Demonstranten winken harte Strafen bei Teilnahme an Demonstration

Für Putin wird der Ukraine-Krieg zunehmend gefährlich. Denn trotz angekündigter Repressalien trauen sich immer mehr Oppositionelle auf die Straße. Die Staatsanwaltschaft drohte den Demonstranten unverhohlen mit 15 Jahren Haft. Erst vor wenigen Tagen hatte die Duma das Strafmaß bei Kritik gegen den Ukraine-Krieg drastisch erhöht. Im Staatsfernsehen flankierte einer der Chef-Propagandisten von Putin, der TV-Moderator Wladimir Solojow, dann auch die Ankündigung der Strafverschärfung mit dem Hinweis, dass bei Zuwiderhandlung auch ein Kriegseinsatz in der Ukraine drohen könne.

Auch interessant

Kommentare