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Premierminister Boris Johnson: Verhuscht, populistisch, rechts-konservativ

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Von: Alexander Eser-Ruperti

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Vielen gilt der britische Premierminister als Europas Donald Trump. Boris Johnson polarisiert, dabei verschleiert sein Habitus nicht selten, wofür er steht.

London – Boris Johnson pflegt ein Auftreten, das ungewöhnlich ist für einen Premierminister Großbritanniens: immer ein wenig verhuscht, gelegentlich unsortiert und stets ein bisschen schrullig. Manch einem erscheint die bisweilen kumpelhafte Art des britischen Ministers sympathisch, ist sie doch eine Abwechslung im ernsten Politikgeschäft. Dabei darf nicht vergessen werden, wofür Boris Johnson steht: Für einen populistischen, rechten Konservativismus, der sich immer wieder am Rande der Ehrlichkeit und dahinter bewegt. Insbesondere letzteres, sorgt aktuell für den beispielhaften Absturz eines Premierministers, der sich nicht nur durch das Partygate deutlich von seinen Vorgängern unterscheidet.

Boris Johnsons Kinder, seine Ehefrauen und seine Eltern

Der amtierende Premierminister Boris Johnson, der mit ganzem bürgerlichen Namen Alexander Boris de Pfeffel Johnson heißt, wurde am 19. Juni 1964 in den Vereinigten Staaten geboren. Seine familiären Verhältnisse sollen schwierig gewesen sein, wie der Autor Tom Bower berichtet. Bower hat Daten über Johnson zusammengetragen. Das Bild, was er zeichnet, ist das einer schweren, chaotischen und instabilen Kindheit. Der Vater, Stanley Johnson, soll seiner Ehefrau Charlotte gegenüber gewalttätig gewesen sein.

Wie der SRF berichtet, vermutet Bower, die Erfahrungen seiner Kindheit prägen noch heute Boris Johnsons Beziehungen zu Frauen und Männern. Johnson selbst ist zum dritten Mal verheiratet und mittlerweile siebenfacher Vater. Erst kürzlich hatte seine Frau Carrie Boris Johnsons siebtes Kind zur Welt gebracht. Es ist das zweite Kind mit seiner aktuellen Ehefrau, die den konservativen Politiker erst im vergangenen Jahr geehelicht hatte.

Stationen in Boris Johnsons Biografie: Student in Oxford, Journalist, Londoner Bürgermeister, Außenminister – und britischer Premierminister

Der amtierende Premierminister verbrachte einen Teil seiner Schulzeit am Eliteinternat Eton College, die Stationen in Boris Johnsons Biografie zeigen, er ist tief in der britischen Upper-Class verwurzelt. Johnson studierte an der Universität in Oxford, bevor er einen journalistischen Beruf annahm, der ebenfalls nicht ohne Skandale blieb – es ging unter anderem um nicht wahrheitsgemäße Zitate.

Seine erste große politische Position bekleidete Johnson zwischen 2008 und 2016 als Bürgermeister von London, er hatte Ken Livingstone als seinen Vorgänger abgelöst. Im Jahr 2016 wurde Boris Johnson, von der Boulevardpresse genannt BoJo, von der damaligen Regierungschefin Theresa May zum Außenminister ihres ersten Kabinetts berufen. Nach Theresa Mays Rücktritt stieg Boris Johnson im Jahr 2019 zum britischen Premierminister auf. Bekanntheit erlangte Johnson vor allem auch wegen seiner führenden Rolle im Zuge des Brexits.

Boris Johnson, Partygate und der Brexit: Ein populistischer britischer Premierminister mit Hang zur halben Wahrheit

Politisch ist Boris Johnson ein Populist, der sich immer wieder an der Grenze zur Unwahrheit bewegt – und auch dahinter. Im Rahmen des Partygate Skandals um unerlaubte Feiern während des Lockdowns wird ihm vorgeworfen nicht nur Mitwisser, sondern auch Teilnehmer gewesen sein. Johnson hatte vieles bestritten, was später widerlegt wurde. Der Premierminister gibt sich unwissend und unschuldig, alle Indizien sprechen allerdings dafür, dass Johnson im Partygate wiederholt nicht die Wahrheit gesagt hat.

Boris Johnson in der Downing Street 10. Der britische Premierminister polarisierte schon vor dem Partygate. Er steht für einen rechten Konservativismus, gepaart mit kumpelhaftem Auftreten und markigen Sprüchen.
Boris Johnson: Der britische Premierminister polarisierte schon vor dem Partygate. Er steht für rechten Konservativismus, gepaart mit kumpelhaftem Auftreten und markigen Sprüchen. © Victoria Jones/dpa

Wie genau er es mit der Wahrheit nimmt, wurde auch schon früher deutlich: Als Populist, der er ist, war Johnson im Vorlauf des Brexits immer wieder gerne im Rahmen einer Kampagne aufgetreten, die falsche Zahlen über Zahlungen Großbritanniens an die EU verbreitet hatte. Johnson musste später zurückrudern. Schon 1988 war der amtierende Premierminister als Journalist bei The Times rausgeflogen, weil er sich in einem Bericht kurzerhand Zitate ausgedacht hatte. Sein Hang zur Unwahrheit tritt auch dieser Tage immer wieder zum Vorschein. Während die Gegner des Premierministers immer lauter werden, beendet dieser fast alle Corona-Maßnahmen und plant das Finanzierungsmodell der BBC zu zerschlagen.

Boris Johnson: Peppa Pig, wirre Reden und Alkohol aus dem Rollkoffer

Boris Johnson ist eine skurile Figur, gerade das macht ihn für Beobachter und die Presse interessant. Zuletzt irritierte eine wirre Rede des Premierministers vor Vertretern des britischen Industrieverbands. Johnson vergaß etwa 20 Sekunden lang seinen Text, bevor er lang und breit von seinen Erfahrungen in einem Freizeitpark für Kinder, der „Peppa Pig World“ berichtete. In seiner Rede imitierte der Premierminister ferner das Geräusch eines Autos, das beschleunigt und verglich sich selbst mit Moses. Auf anschließende Nachfragen erklärte Johnson die Rede sei sehr gut gelaufen.

Nachdem im Rahmen des Partygate Berichte über Alkohol-geschwängerte Zusammenkünfte in britischen Regierungskreisen die Runde gemacht hatten, folgten auf dem Fuße weitere Meldungen über den Alkohol-Konsum in der Downing Street Nummer zehn. In einem Rollkoffer hatten Mitarbeiter regelmäßig Wein in das Gebäude gebracht, um ihn anschließend im Büro-eigenen Weinkühlschrank zu verstauen. Johnson selbst soll die Trinkkultur gefördert haben und dazu aufgefordert „Dampf abzulassen“ – auch während des Lockdowns. Die Liste seiner Skandale in der Politik ist lang.

Der britische Premierminister Boris Johnson steht für rechten Konservativismus mit kumpelhaftem Auftreten

Boris Johnson mag eine ungewöhnliche Persönlichkeit sein, die bricht mit dem Bild eines konservativen Politikers. Dabei kann leicht in Vergessenheit geraten, wofür der britische Premier politisch steht. Zeit online bezeichnete Johnson als einen „Mix aus rechtsdrehendem Scharfmacher und Partyclown“. Seine lockere Art täuscht bisweilen darüber hinweg, dass Boris Johnson und seine Regierung eine rechts-konservative Linie fahren. Mit einer Gesetzesreform wollte die Johnson-Regierung zuletzt die Versammlungsfreiheit massiv einschränken, es war ein Angriff auf das Demonstrationsrecht. Der Entwurf wurde vorerst abgelehnt. Die „Police, Crime, Sentencing and Courts Bill“ zielte insbesondere auf Klima- und Anti-Rassismus-Proteste ab.

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Justizminister Dominic Raab plant zudem, Großbritannien der Gerichtsbarkeit des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte zu entziehen. Zudem soll es der Regierung auf Grundlage einer „Judicial Review and Courts Bill“ ermöglicht werden, unliebsame Gerichtsurteile schlichtweg auszusitzen. Die britische Innenministerin Priti Patel arbeitet derweil daran, Geflüchteten, die die Grenze nach britischem Recht „illegal“ überquert haben, ein Bleiberecht quasi zu verunmöglichen. Vehikel hierfür soll die „Nationality and Borders Bill“ sein. Die Regierung Johnson und der Premierminister selbst stehen für einen rechten Konservativismus. Auch ein paar markige Sprüche, eine zerzauste Frisur und ein wenig ministerlicher Umgangston sollten darüber nicht hinwegtäuschen.* kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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