Innenminister Shadary Favorit

Ende der Ära Kabila: Präsidentenwahl im Kongo

Polizisten sichern ein Wahllokal in Kinshasa. Foto: Jerome Delay/AP
1 von 9
Polizisten sichern ein Wahllokal in Kinshasa. Foto: Jerome Delay/AP
Der kongolesische Präsident Joseph Kabila bei seiner Stimmabgabe in Kinshasa. Foto: Jerome Delay/AP
2 von 9
Der kongolesische Präsident Joseph Kabila bei seiner Stimmabgabe in Kinshasa. Foto: Jerome Delay/AP
Wahlbeobachter sitzen in einem Wahllokal in Kinshasa. Laut der katholischen Bischofskonferenz kam es während der Abstimmung zu Pannen und zu fast 200 Gewaltvorfällen. Foto: Jerome Delay/AP
3 von 9
Wahlbeobachter sitzen in einem Wahllokal in Kinshasa. Laut der katholischen Bischofskonferenz kam es während der Abstimmung zu Pannen und zu fast 200 Gewaltvorfällen. Foto: Jerome Delay/AP
Der Kandidat der regierenden Partei, Emmanuel Ramazani Shadary, gibt seine Stimme ab. Foto: Jerome Delay/AP
4 von 9
Der Kandidat der regierenden Partei, Emmanuel Ramazani Shadary, gibt seine Stimme ab. Foto: Jerome Delay/AP
Wähler unterbrechen vor einem Wahllokal in Kinshasa eine Ansprache von Corneille Nangaa, Präsident der unabhängigen nationalen Wahlkommission (CENI), mit Zwischenrufen. Foto: Jerome Delay/AP
5 von 9
Wähler unterbrechen vor einem Wahllokal in Kinshasa eine Ansprache von Corneille Nangaa, Präsident der unabhängigen nationalen Wahlkommission (CENI), mit Zwischenrufen. Foto: Jerome Delay/AP
Dem Oppositionskandidaten Félix Tshisekedi werden zwar Chancen eingeräumt, doch weil sich die Regierungsgegner nicht auf einen gemeinsamen Bewerber einigen konnten, wird mit einem Sieg von Innenminister Shadary gerechnet. Foto: Jerome Delay/AP
6 von 9
Dem Oppositionskandidaten Félix Tshisekedi werden zwar Chancen eingeräumt, doch weil sich die Regierungsgegner nicht auf einen gemeinsamen Bewerber einigen konnten, wird mit einem Sieg von Innenminister Shadary gerechnet. Foto: Jerome Delay/AP
Der Oppositionskandidat Martin Fayulu (M) gibt in Kinshasa seine Stimme ab. Foto: Jerome Delay/AP
7 von 9
Der Oppositionskandidat Martin Fayulu (M) gibt in Kinshasa seine Stimme ab. Foto: Jerome Delay/AP
Polizisten patrouillieren auf einer Straße in der Stadt Beni. In der Demokratischen Republik Kongo wird ein neuer Präsident gewählt. Foto: Al-Hadji Kudra Maliro/AP
8 von 9
Polizisten patrouillieren auf einer Straße in der Stadt Beni. In der Demokratischen Republik Kongo wird ein neuer Präsident gewählt. Foto: Al-Hadji Kudra Maliro/AP

17 Jahre lang hieß der Präsident des Kongos Kabila. Jetzt muss er abtreten. Doch für "Kontinuität" scheint gesorgt: Ausgerechnet einer seiner Getreuen könnte sein Nachfolger werden. Dabei darf der nicht mal in die EU einreisen. Im Kongo selbst herrscht Misstrauen.

Kinshasa (dpa) - Der rohstoffreiche und von bewaffneten Konflikten erschütterte Kongo hat einen neuen Präsidenten gewählt. Der seit 17 Jahren amtierende Joseph Kabila durfte nicht erneut antreten.

Als aussichtsreichster Kandidat gilt ein Getreuer Kabilas, der frühere Innenminister Emmanuel Ramazani Shadary. Die EU hat ihn wegen der Niederschlagung von Protesten mit Sanktionen belegt.

Nach Angaben der katholischen Bischofskonferenz kam es während der Abstimmung zu Pannen und zu 194 Gewaltvorfällen. Rund 540 Wahlmaschinen seien zusammengebrochen. In der Südwest-Provinz Mai-Ndombe verwüsteten demnach aufgebrachte Menschen Wahlbüros, weil Stimmzettel fehlten. In Ostkongo erzwangen bewaffnete Rebellen die Schließung einiger Wahlbüros.

Schon vor der Wahl war es in Regionen zu Unruhen gekommen, in denen die Stimmabgabe auf März 2019 verschoben worden war. Die Wahlkommission begründet die Verschiebung mit einem Ebola-Ausbruch und Terrorgefahr. Die Opposition bezweifelte dies. Denn trotz der Wahlverschiebung in den fraglichen Regionen soll der Nachfolger des autoritär regierenden Kabila schon am 18. Januar vereidigt werden.

Zeitgleich wurden auch das Parlament und Provinzvertretungen gewählt. Zuverlässige Ergebnisse werden erst in etwa einer Woche erwartet.

Die Wahlverschiebung schließe 1,25 Millionen von 40 Millionen Wahlberechtigten aus und betreffe Hochburgen der Opposition, schrieb die International Crisis Group in einer Analyse. Die Gründe für die Verschiebung seien nicht glaubwürdig; in Ebola-Gebieten seien der Wahlkampf und das wirtschaftliche und soziale Leben normal weitergegangen. "Kurz gesagt: Die Verschiebung scheint weniger von Sorgen um die Durchführbarkeit der Abstimmung motiviert zu sein als von der Befürchtung des Lagers des Präsidenten Joseph Kabila, dass die Opposition Terrain gewinnen könnte."

Die Opposition in dem zentralafrikanischen Land, das sechseinhalb Mal so groß wie Deutschland ist, konnte sich nicht auf einen gemeinsamen Gegenkandidaten einigen. 20 Kandidaten treten gegen Shadary an. Zweien von ihnen werden Chancen eingeräumt: Martin Fayulu und Félix Tshisekedi. Beide versprechen den Wählern eine Befriedung des Landes und Arbeitsplätze. Fayulu repräsentiert ein Parteienbündnis um die prominenten Oppositionspolitiker Jean-Pierre Bemba and Moïse Katumbi, denen die Wahlkommission eine Kandidatur verwehrt hatte.

Kabila und Shadary gaben ihre Stimmen in der Hauptstadt Kinshasa ab, wo die Wahl wegen heftiger Regenfälle nur langsam anlief. "Ich glaube, dass ich den Sieg erringen werde", sagte Shadary. Auch Fayulu, der in demselben Wahllokal abstimmte, zeigte sich siegessicher: "Heute werden wir das Leid der Menschen und die Diktatur Kabilas beenden." Zuletzt hatte die Zivilgesellschaft verstärkt mit Beschränkungen der Presse- und Versammlungsfreiheit zu kämpfen.

Knapp zwei Wochen vor der Wahl hatte die EU ihre Sanktionen gegen Shadary und andere Kongolesen wegen Menschenrechtsverletzungen und Schädigung der Demokratie um ein Jahr verlängert. Ihre Vermögen in der EU bleiben eingefroren und sie dürfen nicht nach Europa einreisen. Am Donnerstag hatte der Kongo deswegen den EU-Botschafter ausgewiesen. Die EU verurteilte dies.

Präsident Kabila hatte sich 2016 nach Ende seiner Amtszeit geweigert abzutreten und die Wahlen mehrmals verschoben. Bei der Präsidentenwahl reicht eine einfache Mehrheit zum Sieg. Da sich die Stimmen der Opposition auf mehrere Kandidaten verteilen, wird ein Sieg Shadarys (58) erwartet - und Proteste der Opposition.

Trotz reicher Vorkommen von Mineralien wie Kobalt, Kupfer und Gold gehört der Kongo zu den ärmsten Ländern der Welt. Schuld daran sind auch zahlreiche von der Gier nach Rohstoffen befeuerte Konflikte. Rund 4,4 Millionen Menschen sind auf der Flucht vor der Gewalt. Im Ost-Kongo gibt es zudem derzeit eine Ebola-Epidemie - die bislang zweitgrößte weltweit mit mehr als 550 Erkrankten rund 340 Toten.

Homepage der kongolesischen Wahlkommission

Das könnte Sie auch interessieren

Neue Ochtumbrücke der Bahn in Dreye

Endspurt für das 13-Millionen-Projekt: Die Deutsche Bahn hat in Weyhe kurz vor dem Bahnhof Dreye die alte Ochtumbrücke aus Stahl mit Asbestanstrich …
Neue Ochtumbrücke der Bahn in Dreye

10 Jahre „Rockin Gudewill“ in Thedinghausen

Die Gudewill-Schule Thedinghausen feierte jetzt das 10-jährige Bestehen des beliebten Bandklassen-Projektes. Gemeinsam mit den Bandklassen des Alten …
10 Jahre „Rockin Gudewill“ in Thedinghausen

Abi-Mottowoche an der Eichenschule

Mit den Themen Festival, Horror und Kindheitshelden ging die Mottowoche der Scheeßeler Eichenschule zu Ende, die jedes Jahr die erste …
Abi-Mottowoche an der Eichenschule

Fotostrecke: Die Rückkehr des verlorenen Sohnes

Bremen - Nach fast einem Jahr Verletzungspause hat Werder-Profi Aron Johannsson am Samstag sein Pflichtspiel-Comeback für den SVW gefeiert. Beim …
Fotostrecke: Die Rückkehr des verlorenen Sohnes

Meistgelesene Artikel

„Gelbwesten“-Demos an einigen Orten in Paris verboten

„Gelbwesten“-Demos an einigen Orten in Paris verboten

Utrecht: Motiv des Tram-Täters nun klar - Anklage erhoben

Utrecht: Motiv des Tram-Täters nun klar - Anklage erhoben

Erdogan zeigt trotz Kritik erneut Video von Anschlag in Christchurch - Millionen an Spenden gesammelt

Erdogan zeigt trotz Kritik erneut Video von Anschlag in Christchurch - Millionen an Spenden gesammelt

Brexit: Ministerium für Verteidigung bereitet sich in Bunker auf No-Deal vor

Brexit: Ministerium für Verteidigung bereitet sich in Bunker auf No-Deal vor

Kommentare