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Wladimir Putins Oligarchen: Die reichen Freunde von Russlands Präsidenten

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Von: Leonie Zimmermann

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Russlands Präsident umgibt sich mit mächtigen Oligarchen und hat damit selbst ein beträchtliches Vermögen angehäuft. Aber wer sind die Männer hinter Wladimir Putin?

Berlin – Gigantische Villen, Luxus-Yachten und jede Menge geheimnisvolle Auslandskonten: Russlands Präsident Wladimir Putin schwimmt scheinbar nur so im Geld. Wie viel Vermögen Putin wirklich hat, darüber wird seit Jahren spekuliert. Fest steht: Einen Großteil seines Reichtums hat er einigen seiner engsten Freunde zu verdanken. Denn der russische Zar umgibt sich gerne mit milliardenschweren Oligarchen. Aber wer sind eigentlich die großzügigen Hintermänner von Wladimir Putin?

Name:Wladimir Putin
Geburtstag:7. Oktober 1952
Position:Präsident
Land:Russland

Eine Frage, die sich sicherlich viele Menschen stellen. Einfach zu beantworten ist sie aber keinesfalls. Denn Russlands Präsident hat ein vielschichtiges Netzwerk um sich herum auf die Beine gestellt. Nicht nur die Oligarchen selbst leben in vielen Ländern dieser Welt, auch ihr Vermögen haben sie geschickt verteilt. Bereits im Jahr 2018 hat der Ökonom Gabriel Zucman ausgerechnet, dass die reichsten Russen mehr als die Hälfte ihres Vermögens im Ausland angelegt haben. 

Wladimir Putins Oligarchen verstecken ihr Vermögen durch Strohmänner

Großbritannien, die EU und die USA haben bereits erste Sanktionsmaßnahmen beschlossen. Die betreffen allerdings nicht Wladimir Putin selbst, sondern einige seiner mächtigsten Oligarchen-Kumpel. Bei der Umsetzung könnte es aber zu Problemen kommen. Denn um Gelder einzufrieren, muss man sie erstmal ausfindig machen. Blöderweise sind die Oligarchen selbst oft gar nicht die offiziellen Eigentümer ihrer Kapitalanlagen. Sie kaufen Yachten, Wertpapiere oder Villen lieber über Strohmänner.

Pyotr Aven, Roman Abramowitsch, Wladimir Putin, Mikhail Fridman, Gennadi Timchenko
Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich ein hochrangiges Oligarchen-Netzwerk aufgebaut. Im Bild: Pyotr Aven(l-r), Roman Abramowitsch, Wladimir Putin, Mikhail Fridman, Gennadi Timchenko. (kreiszeitung.de-Montage) © Sergey Guneev/Anthony Anex/dpa/Dmitry Feoktistov/Yegor Aleyev/Mikhail Japaridze/imago

Wer einmal einen russischen Oligarchen treffen möchte, der hat die größte Chance dazu in London. Die britische Metropole gilt als wahres Mekka für Milliardäre aus Osteuropa. „Für uns ist London der korrupteste Ort der Welt. Nirgendwo ist die Konzentration an schmutzigem Geld so hoch wie hier“, sagt der Putin-Kritiker Roman Borisovich im „Deutschlandfunk“. Daraus resultiert allerdings auch eine enge Verbindung zur britischen Wirtschaft. 

London als Mekka für Wladimir Putins Oligarchen: Gezielten Sanktionen fehlt die Ernsthaftigkeit

Nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine wollen westliche Regierungen den Günstlingen und Oligarchen von Wladimir Putin mit gezielten Sanktionen auf die Pelle rücken. Damit will der Westen dem Herrschaftssystem von Russlands Präsident einen empfindlichen Schlag verpassen. Allerdings zeigen sich diverse Experten von der Ernsthaftigkeit dieser Absichten wenig beeindruckt. Doch Experten zweifeln an der Ernsthaftigkeit dieser Absichten, da vor allem jene Oligarchen, die sich zuhauf in London tummeln, nach den Expertenmeinungen von den Sanktionen verschont geblieben sind.

„Es ist meiner Meinung nach nicht vorstellbar, dass eine Regierung noch mehr tun könnte, um korrupte russische Gelder aufzustöbern“, sagte der britische Premierminister Boris Johnson, dessen eigene Skandale um Partygate aufgrund der Ukraine-Krise zunehmend in den Hintergrund rücken, kürzlich im Unterhaus in London über die eigenen Bemühungen der Regierung. Für diesen Ausspruch kassierte der britische Regierungschef vonseiten der Opposition Häme und Spott.

Wladimir Putins Oligarchen bleiben verschont: „Londongrad“ verhängt Sanktionen für nur acht Superreiche

London verhängte in dieser Woche Sanktionen gegen gerade einmal acht russische Superreiche und Putin-Vertraute. Und nach Ansicht von Kritikern sind ausgerechnet diejenigen, denen das am meisten wehtun würde, verschont geblieben. Die britische Hauptstadt wird teilweise als „Londongrad“ verspottet, weil sich russische Oligarchen dort so wohlfühlen und fleißig Geld waschen.

Der Organisation Transparency International zufolge sind in Großbritannien Immobilien im Wert von 1,5 Milliarden Pfund (rund 1,8 Milliarden Euro) im Besitz von russischen Staatsbürgern, denen Korruption vorgeworfen wird. Allein ein Viertel davon befindet sich im Londoner Regierungsviertel Westminster. Das Kapital von Firmen, die im Vereinigten Königreich registriert sind und mit russischen Korruptions- und Geldwäschefälle in Verbindung steht, beläuft sich demzufolge auf umgerechnet rund 98 Milliarden Euro.

Putins Oligarchen: Gutes Geschäft für Londoner City als Grund für die weichen Sanktionen

Der britische Journalist und Autor Oliver Bullough, der sich seit Jahren mit Geldwäsche und korrupten Eliten auseinandersetzt, ist von den bisherigen Sanktionen enttäuscht. Er glaubt nicht, dass die richtigen Personen getroffen werden und hält die westlichen Sanktionen gegen Einzelpersonen allesamt für zu lasch.

„Der größte Teil des Reichtums in Russland gehört einer sehr kleinen Gruppe von Leuten und wir wissen, wer das ist“, sagt er im dpa-Gespräch und weist auf eine Liste des inhaftierten russischen Oppositionellen Alexej Nawalny mit den Namen von 35 Oligarchen und Putin-Vertrauten hin und fordert, auch das Vermögen von deren Familien einzufrieren. Was die Politik von entschlossenerem Handeln abhalte, sei das gute Geschäft, das sie und Superreiche aus anderen Ländern dem Finanzzentrum in der Londoner City und anderen Branchen bescherten.

Strohmänner und Briefkastenfirmen verschleiern Besitz von Putins Oligarchen

Auch Expertin Elisabeth Schimpfössl, die an der Aston University in Birmingham lehrt, hält die Sanktionen nicht für ausreichend. Nur wenn eine „kritische Masse“ an Personen aus dem Umfeld Putins und anderen Oligarchen davon betroffen sei, habe man die Chance, damit das Verhalten des russischen Präsidenten zu beeinflussen, sagt sie im dpa-Gespräch. Auch Putin sei auf deren Unterstützung angewiesen und könne keine allzu große Unzufriedenheit riskieren.

Doch ein weiteres Problem ist, dass es gerade in Großbritannien den Oligarchen ins Putins innerem Kreis besonders einfach gemacht wird, ihren Besitz mithilfe von Briefkastenfirmen und Strohmännern zu verschleiern. Angaben werden von den Handelsregistern so gut wie nicht geprüft. Johnson versprach kürzlich, diese Lücke zu schließen, doch ähnliche Versprechen gibt es schon seit Langem. Passiert ist bislang nichts.

Millionen-Spenden von russischen Staatsbürgern und Geschäftsleuten mit Beziehungen nach Russland fließen an Johnsons Partei

Was die Glaubwürdigkeit von Johnsons Tory-Partei nicht erhöht, ist die Tatsache, dass sie gerne Geld von großzügigen Spendern mit Russland-Bezug entgegennimmt. Umgerechnet rund 2,3 Millionen Euro soll die Partei seit Johnsons Amtsantritt 2019 nach Berechnungen der Labour-Partei von russischen Staatsbürgern oder von Personen mit engen Geschäftsbeziehungen nach Russland erhalten haben. Offiziell sind die Spender alle auch Briten, denn eine großzügige «goldene» Visa-Regelung bahnte den Superreichen bis vor kurzem einen einfachen Weg zur doppelten Staatsbürgerschaft.

Oligarch Gennadi Nikolajewitsch Timtschenko: Von Eishockey und Judo bis zu Wladimir Putins Mega-Villa

Trotzdem hat der britische Premierminister Boris Johnson am Dienstag als Reaktion auf Putins Vorstoß in die Ostukraine drei russische Milliardäre mit Sanktionen belegt. Einer von ihnen ist der Öl-Milliardär Gennadi Nikolajewitsch Timtschenko. Der Eigentümer des Gaskonzerns Novatek gilt mit einem Vermögen von rund 20 Milliarden Dollar als einer der reichsten Männer Russlands und pflegt ein enges Verhältnis zu Putin. Es heißt, dass sie sich regelmäßig zum Judo und Eishockey treffen. Laut dem russischen Oppositionellen Alexej Nawalny soll Timtschenko auch am Bau von Putins Mega-Villa beteiligt gewesen sein. Auch die eng mit Gasprom in Verbindung stehenden Oligarchen Boris und Igor Rotenberg stehen auf der britischen Sanktionsliste. 

Zwei weitere Namen tauchen im Zusammenhang mit Wladimir Putin immer wieder auf: Michail Fridman und Pjotr Aven. Die beiden Milliardäre haben enge Verbindungen zur Alfa Bank. Fridman, der in der Ukraine geboren wurde und heute in Großbritannien lebt, hat die größte nicht-staatliche Bank Russlands gegründet. Aven führt das Milliarden-Unternehmen in seinem Heimatland heute – und gilt als langjähriger Freund und Berater des russischen Präsidenten. 

Oligarch Roman Abramowitsch soll dem russischen Präsidenten eine 40-Millionen-Dollar-Yacht geschenkt haben

Einen der wohl bekanntesten Gesichter aus Wladimir Putins Milliardärs-Club ist Roman Abramowitsch. Obwohl auch er in England lebt, ist er noch nicht von Sanktionen betroffen. Er verdiente Milliarden in der Ölindustrie und wurde laut „Capital“ mit seinen Anteilen am Stahlkonzern Evraz zu einem der reichsten Männer der Welt. Spätestens seit dem Kauf des Fußballclubs FC Chelsea ist er weltweit bekannt, dessen Führung er kürzlich offiziell abgegeben hat. Seine Verbindung zum russischen Präsidenten ist allerdings ein wohlbehütetes Geheimnis. Gerüchten zufolge soll er Putin als Zeichen seiner Loyalität allerdings eine 40-Millionen-Dollar-Yacht gekauft haben.

Die offensichtliche Freundschaft mit Putin ist nur eine Gemeinsamkeit, die er mit Alexej Mordaschow teilt. Der Hauptaktionär von TUI hat seinen Hauptwohnsitz zwar in Moskau, verbringt aber viel Zeit in einem seiner Häuser in London. Abgesehen davon ist er großzügig in das Goldbergbauunternehmen Nordgold investiert, das an der Londoner Börse gelistet ist. Als Eigner des Stahlkonzerns Severstal und mit einem geschätzten Reichtum von 29,1 Milliarden Dollar gilt er aktuell als der reichste Mann Russlands.

Schweiz schließt Sanktionen gegen Putins Oligarchen mit Verweis auf Neutralität aus

Doch es ist nicht nur Großbritannien: Auch die Schweiz ist ein besonders wichtiger Finanzplatz für Russen und damit auch für Putins Oligarchen. Nach Zahlen der Nationalbank lagen 2021 auf Schweizer Konten russische Vermögenswerte im Wert von rund 15 Milliarden Franken (14,5 Mrd Euro). Jedes Jahr sollen weitere Milliardenbeträge in die Schweiz fließen. Zudem werden nach Schätzungen 80 Prozent von Russlands Rohstoffen in der Schweiz gehandelt. Oligarchen wie der Putin-Freund Gennadi Timtschenko nennen zudem die Schweiz ihre Heimat.

Dennoch zeigt die Schweizer Regierung keine Flagge, wenn es um Sanktionen geht. Eigene will sie nicht verhängen, wie Bundespräsident Ignazio Cassis gesagt hat, unter Verweis auf die Neutralität. Das ist auch in der Schweiz selbst umstritten. Die Regierung will nach eigenen Angaben alles tun, damit sie nicht zur Umgehung der Sanktionen etwa in der EU genutzt werde. Was das genau ist, blieb aber unklar.

Russische Konten, darunter auch jene von Putins Oligarchen, werden nicht eingefroren

Klar war nach einer konfusen Pressekonferenz am Donnerstag vor allem eins: russische Konten werden nicht eingefroren. Russen, die in der EU Sanktionen unterliegen, können über ihre Gelder in der Schweiz frei verfügen. „Die Rückgratlosigkeit wird hinter Floskeln versteckt“, kommentierte ein Journalist nach der Pressekonferenz auf Twitter. „Die Neutralität dient als Feigenblatt“, schrieb die Neue Zürcher Zeitung.

Wie reicht ist Russlands Präsident Wladimir Putin wirklich? Gerüchte über 200-Milliarden-Dollar-Vermögen

Ein Feigenblatt, das die Oligarchen um Wladimir Putin und Russlands Präsidenten selbst gerne hören werden. Denn die reichsten Männer Russlands müssen sich erstmal keine Gedanken um ihre Vermögen in der Schweiz machen. Zumindest, wenn man den Gerüchten nicht glaubt, die besagen, Wladimir Putin selbst sei der reichste Mann in seinem Land. Schon 2007 spekulierte der russische Politologe Stanislaw Belkowski in der „Welt“, dass der russische Präsident ein Vermögen von rund 40 Milliarden Dollar habe. Der Brite Bill Browder, einer der wichtigsten Auslandsinvestoren Russlands, schätzte den Besitz des Zaren auf 200 Milliarden Dollar. Würde das stimmen, wäre Putin der reichste Mann der Welt.

Unklar ist, was genau an den Gerüchten und Spekulationen rund um Wladimir Putins Vermögen dran ist. Fakt ist, dass sich der russische Präsident in den vergangenen Jahren erfolgreich ein Netzwerk aus reichen und mächtigen Oligarchen aufgebaut hat, die hinter ihm stehen. Ob das aber auch so bleibt, wenn die Sanktionen sie erreichen, wird sich zeigen. Die jüngsten EU-Sanktionen im Ukraine-Konflikt könnten die Beziehung nochmal erschüttern. Es sind Strafen gegen 27 Personen und Organisationen sowie für 351 Abgeordnete des russischen Parlaments geplant. *kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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