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Prämien für Haushalte: „Wirtschaftsweise“ Grimm fordert Energiespar-Belohnung

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Von: Anika Zuschke

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Veronika Grimm ist Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, welcher die Bundesregierung berät. Seine Mitglieder werden auch als Wirtschaftsweise bezeichnet.
„Wirtschaftsweise“ Veronika Grimm fordert Prämien für Haushalte, die sparsam mit Gas umgehen. (kreiszeitung.de-Montage) © serienlicht/Imago/Laurin Schmid/Sachverstaendigenrat/dpa

Die Sorge vor fehlendem Gas im Winter zeigt sich zunehmend: „Wirtschaftsweise“ Grimm fordert jetzt eine Prämie für Haushalte, die sparsam Gas verbrauchen.

Berlin – Die Debatte ums Energiesparen in Deutschland reißt nicht ab. Denn seit der russische Gazprom-Konzern seine Gasliefermengen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 in die Bundesrepublik um 60 Prozent verringerte, diskutiert die Politik über Lösungen für eine drohende Energiekrise. Die „Wirtschaftsweise“ Veronika Grimm fordert in dem Zuge eine Prämie für Menschen, die besonders sparsam Gas verbrauchen.

Zoff ums Energiesparen: Ampel reagiert unterschiedlich auf drohende Energiekrise

In der Ampelregierung droht aufgrund der anhaltenden Debatte bereits Zoff: Denn Bundesbauministerin Klara Geywitz lehnt die Spartipps von Robert Habeck ab – sie hält „verordnetes Frieren“ für unsinnig. Der Bundeswirtschaftsminister hingegen sprach von Maßnahmen zur Gas-Einsparung, die „zur Not auch gesetzlich“ vorgenommen werden müssten, wenn die Speichermengen nicht zunehmen. Im Zuge dessen schloss Habeck auch eine Herabsetzung der vorgeschriebenen Mindesttemperatur in Wohnungen nicht aus.

FDP-Fraktionschef Christian Dürr sprach sich jedoch ebenfalls gegen eine Pflicht zum Energiesparen aus. Es sei zwar richtig, dass Habeck sich momentan mit Nachdruck darum kümmere, auch im Winter eine Knappheit zu verhindern, äußerte er laut der Zeit – aber: „Von einer Pflicht zum Energiesparen halte ich nichts.“

„Wirtschaftsweise“ Grimm fordert Prämie für Gas sparende Haushalte: „Würden sich auf den Winter vorbereiten können“

Veronika Grimm, Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, bringt nun eine neue Idee auf den Weg: In Anbetracht der Drosselung russischer Gaslieferungen „sollte man dringend Prämien ausschreiben für Haushalte, die ihren Gasverbrauch im kommenden Winter drastisch reduzieren“, so die Ökonomin gegenüber der Rheinischen Post. „Das könnte man durch den Vergleich der Gasrechnungen relativ einfach überprüfen, und die Leute würden sich jetzt schon – entsprechend ihrer Möglichkeiten – auf den Winter vorbereiten können“, fährt sie fort.

Einen ähnlichen Vorschlag machte auch der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, in Bezug auf Unternehmen bereits. Auch diese sollten ihm zufolge mit einer Prämie belohnt werden, wenn sie freiwillig Gaskontingente abtreten. „Es ist immer besser, wenn Anpassungen über Preise geschehen als über dirigistische Vorgaben“, betonte Müller laut Rheinischer Post.

Energiespar-Debatte: Potenzial einer Spar-Prämie für Haushalte sei laut Grimm groß

„Bevor man zu gesetzlichen Einsparmaßnahmen greift, wie von Wirtschaftsminister Robert Habeck ins Spiel gebracht, sollte man die Potenziale heben, die durch Anreize möglich sind“, äußert Grimm in ihrem Gespräch mit der Rheinischen Post. Auf diese Weise würden diejenigen Akteure verzichten, bei denen es am wenigsten entscheidend wäre. Das Potenzial sei groß, man müsse aber frühzeitig kommunizieren, dass es sich lohne, sagte die „Wirtschaftsweise“.

Ihrer Ansicht nach würden die geringeren Gaslieferungen ohne drastische Energieeinsparungen deutliche wirtschaftliche Spuren in Deutschland hinterlassen. Auch der Verbraucher-Experte Peter Kenning sprach sich gegenüber dem Handelsblatt für eine Gas-Spar-Prämie für Haushalte aus.

Präsident des Industrieverbands BDI will wieder mehr Strom aus Kohle erzeugen: „Sofort die Kohlekraftwerke aus der Reserve holen“

Der Präsident des Industrieverbands BDI, Siegfried Russwurm, schlägt derweil einen anderen Weg vor, die Energieversorgung in Deutschland zu garantieren. Er forderte, übergangsweise wieder mehr Strom aus Kohle zu erzeugen. „Mein Appell ist: Jetzt schon die Gasverstromung stoppen und sofort die Kohlekraftwerke aus der Reserve holen“, sagte Russwurm den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

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Probleme aus Sicht des Klimaschutzes weist Russwurm indes zurück. Ob jetzt oder im Winter mehr Kohle verstromt werde, sei „für die CO2-Emissionen nicht erheblich, aber so sichern wir uns zumindest höhere Füllstände in den Gasspeichern“. Um sich unabhängiger vom russischen Gas zu machen und gleichzeitig die gesetzten Klimaziele einhalten zu können, treibt Habeck derzeit den Ausbau der Windkraft voran – und erhöht den Druck auf die Länder.

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