Große Unterschiede bei AfD und Grüne

Politische Polarisierung: Unterschiedliche Meinungen nehmen zu

Pegida-Demonstranten in Dresden, 2016.
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Pegida-Demonstranten in Dresden, 2016.

Immer weniger Zusammenhalt und wachsende Differenzen: In Deutschland entfernen sich die unterschiedlichen politischen Ansichten immer weiter voreinander.

Berlin – Pegida-Aufmärsche und Corona-Proteste auf der einen Seite, Fridays-for-Future-Proteste auf der anderen: Die Kluft zwischen Menschen mit unterschiedlichen politischen Ansichten ist in den vergangenen Jahrzehnten* gewachsen. Das fand jüngst die Konrad-Adenauer-Stiftung heraus. Wie aus der Studie, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, hervorgeht, sind die Unterschiede so groß wie zuletzt in den 1980er Jahren. Gestützt werden die Aussagen auf zwei repräsentative Umfragen aus den Jahren 2019 und 2020.

Stiftung:Konrad-Adenauer-Stiftung
Vorsitz:Norbert Lammert
Gründung:20. Dezember 1955, Bonn
Gründer:Bruno Heck

Ein auffälliges Ergebnis der Untersuchungen: Besonders zwischen den Unterstützern der AfD und den Anhängern der Grünen sind die politisch motivierten Vorbehalte am größten – die Spaltung der Gesellschaft schreitet* weiter voran. Aber auch die Lager von AfD und Linkspartei sind nicht gut aufeinander zu sprechen. Während in den 1980er Jahren die Kluft zwischen Grünen und Unionswählern am größten war, hat sich dies nun offenbar verändert. In der internen Bewertungsskala der Studie betrug demnach der Abstand zwischen CDU/CSU und Grüne bis 2013 2,2 Punkte. Die Parteien führten damit die Liste der am weit entferntesten Parteien an.

Politische Polarisierung in Deutschland: Anhänger von Parteien entfernen sich weiter voneinander

Ende 2019 zu Beginn der Corona-Pandemie veränderte sich dies: Der Maximalabstand zwischen Parteien stieg auf 3,8 Punkte an – dieses Mal aber zwischen der AfD und den Grünen. Einige Politikfelder stehen dabei besonders im Vordergrund, weil in ihnen die Meinungen zuletzt weiter auseinandergingen als früher: So nennt die Studie die Themengebiete Zuwanderung, Steuern, Sozialleistungen und Klimaschutz. Wie eine Studie des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt des Helmholtz Zentrums München ergab, besteht zudem auch ein Zusammenhang zwischen hohen Corona-Zahlen in Hotspots und dem Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl 2017.

Die Wahrnehmung der Themengebiete Geschlechterrollen und Migration hat sich in den vergangenen Jahren massiv verändert. Während 2009 etwa 40 Prozent der Deutschen Zugangsmöglichkeiten für Ausländer einschränken wollten, war Anfang 2020 nur noch jeder Fünfte dieser Ansicht. Laut der Deutschen Presse-Agentur könne hierfür aber auch die Tatsache verantwortlich sein, dass die Zahl der Deutschen mit ausländischen Wurzeln zugenommen habe.

Polarisierung in Deutschland: Öffentliche Akzeptanz verändert sich

Eine starke Veränderung habe es auch mit dem Blick auf die Rolle der Frau. Dem Satz „Einen Beruf zu haben, ist ja ganz schön, aber das, was die meisten Frauen wirklich wollen, sind ein Heim und Kinder“ stimmten 2012 22 Prozent der Deutschen zu. Inzwischen befürworten noch neun Prozent der Befragten diese Aussage.

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Ihre politischen Positionen wirken sich für die Parteien nach Einschätzung der Konrad-Adenauer-Stiftung auch auf die öffentliche Wahrnehmung aus. So fühlen sich auch Wähler der AfD in weiten Teilen Deutschlands – besonders aber im Westen – manchmal gesellschaftlich nicht akzeptiert. Wie die CDU-nahe Stiftung mitteilte, sei diese Einschätzung nicht ganz unbegründet: Bei einer Befragung im vergangenen Jahr gaben 62 Prozent der Befragten an, mit AfD-Wählern nichts zu tun haben zu wollen.

Da die Studienergebnisse aus dem 2020 stammen, wurden die Entwicklungen zur Bundestagswahl 2021 nicht berücksichtigt. Inzwischen ringen SPD, FDP und Grüne über das Zustandekommen einer Ampel-Koalition.

AfD, SUV-Fahrer und Klimaaktivisten: Lager wollen nichts miteinander zu tun haben

Andere Parteien würden deutlich besser abschneiden: Über die Wähler der Grünen sagten dies nur 13 Prozent der Gefragten, über CDU-Wähler nur neun Prozent. Klimaaktivisten schnitten allerdings weniger positiv ab: Jeder Fünfte gab an, persönlich nichts mit ihnen zu tun haben zu wollen. Mit SUV-Fahrern wollten 22 Prozent der Menschen keinen Kontakt. Eine gemeinsame Diskussion über Themen scheint unwahrscheinlicher, als die Ausgrenzung einzelner Gruppen.

Wie eine Befragung des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap herausfand, gelten die Grünen auch über die eigene Wählerschaft hinaus als sympathische Partei. Auch die SPD und die CDU werden noch als sympathisch wahrgenommen. Das Schlusslicht bildet hingegen die AfD: Nur 13 Prozent der Wahlberechtigten stufte sie als sympathisch ein. (Mit Material der dpa) *kreiszeitung.de und fr.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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