Alles Mumpitz?

Plagiatsvorwurf gegen Baerbock: Kanzlerkandidatin bekommt Schützenhilfe

Erst der Plagiatvorwurf, jetzt der nächste Tiefschlag: Annalena Baerbock taumelt in den Umfragen weiter nach unten. Doch ihre Kontrahenten nehmen sie in Schutz.

Berlin – Viel Lärm um Nichts? Nach der Aufregung um einen Plagiatsvorwurf gegen Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock* haben die Grünen unerwartete Solidarität erfahren. So nahmen Vertreter fast aller Parteien die 40-Jährige in Schutz und warnten vor einem gezielten Schmuddelwahlkampf. „Kommt Leute! Regt Euch ab! Es gibt echt Wichtigeres“, twitterte etwa der Parlamentarische Geschäftsführer der Bundestags-FDP, Marco Buschmann. Ähnlich äußerten sich auch Politiker von SPD und CDU.

Deutsche Politikerin:Annalena Charlotte Alma Baerbock (Grüne)
Geboren:15. Dezember 1980 (Alter: 40 Jahre) in Hannover
Privat:verheiratet, zwei Kinder, wohnhaft in Potsdam
Aktuelles Amt:Bundesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete

Zuvor war ein Plagiatsvorwurf gegen Baerbock laut geworden. Die Parteichefin, die im September bei der Bundestagswahl Nachfolgerin von Bundeskanzlerin Angela Merkel* (CDU) werden will, soll in ihrem Buch „Jetzt. Wie wir unser Land erneuern“ mehrere Passagen fast wortgleich aus anderen Quellen abgekupfert haben, ohne diese jedoch zu nennen. Publik gemacht hatte diesen Vorwurf der österreichische Plagiatsjäger Stefan Weber, der Baerbock zugleich Urheberrechtsverletzungen vorwarf.

Annalena Baerbock (Grüne): Ist ihr Buch ein Plagiat? Ihre Kontrahenten nehmen sie in Schutz

Die Grünen und der Verlag wiesen die erhobenen Anschuldigungen aber umgehend entschieden zurück. Ein Parteisprecher sprach von einem gezielten „Rufmord“. Bei den aufgelisteten Textstellen handele es sich um frei zugängliche Informationen und alt bekannte Positionen der Grünen. Medienanwalt Christian Schertz, den die Parteizentrale einschaltete, sah in einer ersten Stellungnahme ebenfalls keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten.

Muss sich gegen einen Plagiatsvorwurf wehren: Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock (Grüne).

Baerbock steht seit ihrer Nominierung als grüne Kanzlerkandidatin seit Wochen im Zentrum vieler Hasskampagnen im Netz*. Trotz vieler Warnungen vor einer Manipulation von Wahlergebnissen hielten sich ihre politischen Kontrahenten bislang eher zurück. Schützenhilfe? Fehlanzeige. Doch nun scheint eine Grenze überschritten zu sein. Zumindest mehren sich die Stimmen, die vor Stimmungsmache gegen die Grüne warnen.

Zwar lassen sich an einigen Stellen die übernommenen Passagen belegen. Doch Politiker von CDU, SPD oder FDP wollen das nicht überbewerten. Es handele sich nicht um eine Doktorarbeit, sondern um ein populärwissenschaftliches Buch. „Die Story ist sehr aufgeblasen“, sagte etwa Linkspolitiker Fabio de Masi dem Nachrichtenportal t-online.de. SPD-Bundesvize Ralf Stegner forderte die Parteien deswegen zur inhaltlichen Auseinandersetzung auf, „anstatt Annalena Baerbock persönlich anzugreifen und zu versuchen, sie in einen Schmuddelwahlkampf zu verwickeln“.

Annalena Baerbock: Grüne sprechen von Rufmord gegen die Kanzlerkandidatin

Und auch die Union, einer der schärfsten Gegner von Baerbock im Wahlkampf, zeigte sich wenig angriffslustig. CDU-Innenstaatssekretär Günter Krings riet laut merkur.de dazu, „sich nicht auf Nebenkriegsschauplätzen zu verzetteln“. Man müsse ja nicht aus „jedem Furz einen Knall machen“, ergänzte CDU-Europaparlamentarier Dennis Radtke bei Twitter.

Doch trotz der Solidaritätsbekundungen: Bis die Vorwürfe vollständig aufgeklärt sind, bleibt zunächst trotzdem etwas an Baerbock kleben. Nach ihrem Fauxpas um verspätet gemeldete Nebeneinkünfte und einem geschönten Lebenslauf waren die Beliebtheitswerte der grünen Kanzlerkandidatin rapide gesunken. Mit ihrem Buch, in dem sie auch über ihre Kindheit in Niedersachsen berichtet, wollte die 40-Jährige jetzt eigentlich wieder in die Offensive kommen. Doch danach sieht es zunächst nicht aus.

Bündnis90/Die Grünen taumeln in den Umfragen nach unten – im Gegensatz zur CDU

In aktuellen Umfragen* liegt Baerbock mit der Öko-Partei als zweitstärkste Kraft hinter der Union. Auch losgelöst von dem Plagiatsskandal hatte sich der Abstand von Woche zu Woche wieder vergrößert, nachdem sich die beiden Parteien eine Zeit lang ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert hatten.

Wäre am Sonntag bereits die Bundestagswahl, dann käme die CDU mit Armin Laschet jetzt auf 30 Prozent, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten RTL/ntv-Trendbarometer von Forsa hervorgeht. Das ist ein Prozentpunkt mehr als in der gleichen Umfrage vor einer Woche. Die Grünen indes stehen nur noch bei 20 Prozent, was einen Verlust von einem Prozentpunkt entspricht. Erst danach kommen SPD, FDP (beide 12), AfD (9) und Linke (7). * kreiszeitung.de, 24hamburg.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Christian Mang/dpa/picture alliance

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