Neue Studie enthüllt

Höheres Pflegerisiko: Geringverdiener trifft es besonders hart

Soziale Ungleichheit: Ärmere Menschen landen schneller in der Pflege als Besserverdiener. Das enthüllt eine neue Studie. Woran liegt das und wie kann man umsteuern?

Berlin – Schlecht bezahlte Knochenjobs zahlen sich im Alter nicht aus: Ärmere Menschen werden nämlich häufiger und früher pflegebedürftig als Besserverdiener. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor, die kreiszeitung.de vorliegt. In Deutschland sei das Pflegerisiko leider sozial ungleich verteilt, warnte Studienautor Peter Haan – und forderte Konsequenzen in der Sozialpolitik. Inwieweit die neue Bundesregierung darauf reagiert, bleibt abzuwarten.

Forschungseinrichtung:Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)
Gegründet:1925
Mitarbeiter:334
Leitung:Marcel Fratzscher

Die Studie dürfte aber für einige Aufmerksamkeit sorgen. Frühere Untersuchung hatten bereits gezeigt, dass Menschen mit niedrigen Einkommen eine deutlich geringere Lebenserwartung haben*. Doch das alleine ist es nicht. Denn so tragen sie insgesamt im Alter viele Nachteile.

Pflege: Ärmere Menschen haben höheres Risiko als Besserverdiener

In der neuen DIW-Studie wurden Daten des sozioökonomischen Panels (SOEP) ausgewertet. Dabei fiel auf: Bei amutsgefährdeten Männern, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens bezogen, trat die Pflegebedürftigkeit im Schnitt sechs Jahre früher auf als bei anderen. Selbst bei einem geringen Verdienst, der zwischen 60 und 80 Prozent des mittleren Einkommens liegt, werden die Betroffenen noch gut drei Jahre früher pflegebedürftig als wohlhabende Menschen. Bei den Frauen zeigen sich ähnliche Tendenzen, jedoch in den Jahren etwas abgeschwächt.  

Neue Studie belegt: Ärmere Menschen werden schneller pflegebedürftig.

Die Studienautoren führen dies vor allem auf die beruflichen Belastungen zurück. So tragen Arbeiterinnen und Arbeiter mitunter das höchste Pflegerisiko. Sie werden im Schnitt etwa vier Jahre früher pflegebedürftig als etwa Beamtinnen und Beamte. Generell stellten die Wissenschaftler fest, dass das Risiko, pflegebedürftig zu werden, steigt, wenn die körperlichen und psychosozialen Belastungen im Job hoch sind.

Pflegebedürftigkeit: Geringverdiener landen früher im Pflegeheim – DIW-Studie schlägt Alarm

Laut DIW-Angaben waren Ende 2020 rund 3,5 Millionen Menschen pflegebedürftig*. Für viele Betroffene und deren Angehörige ist das mit hohen Kosten verbunden. So deckt die gesetzliche Pflegeversicherung nur einen Teil ab – einiges muss auch privat getragen werden. Hinzu kommen Belastungen von Familien, die sich mitunter selber um die Pflege kümmern.

Vor diesem Hintergrund schlugen die DIW-Experten jetzt Alarm. Denn gemessen an den Studienergebnissen zeige sich nun, dass die Pflegebedürftigkeit nicht zufällig sei und dass ärmere Menschen durch das höhere Pflegerisiko auch häufiger mehr Kosten zu tragen haben – trotz des geringeren Einkommens. „Um diese Ungleichheit zu bekämpfen, brauchen wir sozialpolitische Maßnahmen, die das ausgleichen. Wir brauchen dabei sowohl Konzepte, die sofort greifen, als auch solche, die langfristig angelegt sind“, sagte Haan.

Pflegereform: Wird die Ampel umsteuern und soziale Ungleichheit bekämpfen?

Das DIW fordert deshalb eine bessere finanzielle Ausstattung der Pflegeversicherung. Dafür könnten etwa private Zuzahlungen* stärker vom Einkommen abhängig gemacht werden, um die Geringverdiener zu entlasten, hieß es. Denkbar sei es auch, die private und gesetzliche Pflegeversicherung in einer Bürgerversicherung aufgehen zu lassen. Dies würde die soziale Ungleichheit reduzieren, so Haan, da das Pflegerisiko von Menschen mit privater Pflegeversicherung deutlich geringer sei als bei Menschen mit gesetzlicher Versicherung.

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Inwieweit der Ruf erhöht wird, bleibt abzuwarten. So verhandeln SPD, FDP und Grüne derzeit über die Bildung einer Ampel-Koalition. Insbesondere die Sozialdemokraten drängen neben einer Rentenreform auf eine Verbesserung in der Pflegeversicherung. Doch bislang drangen wenig Details nach außen. Oberstes Prinzip der Unterhändler ist die Geheimhaltung. Insofern müssen sich die Arbeiterinnen und Arbeiter noch gedulden. * kreiszeitung.de und merkur.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sina Schuldt/dpa

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