Politik reagiert

Pferdefleisch-Skandal: Härtere Strafen geplant

+
Verschiedene Produkte aus Pferdefleisch sind im Fachgeschäft für Pferdefleisch in Bremen zu sehen (Archivbild).

Berlin - Der Pferdefleisch-Skandal wird immer undurchsichtiger. Die Lieferketten sind oft nur schwer nachzuvollziehen. Supermärkte nehmen weitere Fertiggerichte aus den Regalen. Jetzt reagiert die Politik.

Bayerns Gesundheitsminister Marcel Huber (CSU) fordert härtere Strafen für Etikettenschwindel bei Lebensmitteln, sieht aber auch die Verbraucher in der Pflicht. Beim Fleischkauf sollte man nicht nur auf den Preis achten, sagte Huber am Montag dem Bayerischen Rundfunk (Bayern2). „Schlussendlich hat es jeder Verbraucher selbst in der Hand, sich vor solchen Dingen zu schützen. Wer immer nur darauf achtet, das allerbilligste Schnäppchen zu kaufen, ohne darüber nachzudenken, ob das für diesen Preis überhaupt herstellbar ist, der hat seinen Beitrag auch dazu geleistet, dass es soweit kommt.“

Bund und Länder haben am Montag Konsequenzen aus dem Skandal um falsch deklariertes Pferdefleisch vereinbart. Wie es nach Beratungen der Verbraucherminister in Berlin aus Teilnehmerkreisen hieß, sollen auch höhere Strafen und schärfere Vorgaben für die Eigenkontrollen der Unternehmen geprüft werden. Geplant sind zusätzliche Tests von Fleischprodukten und eine zentrale Internetseite mit Informationen über Produktrückrufe. Deutschland will sich zudem in der EU für eine Herkunftskennzeichnung für verarbeitete Fleischprodukte einsetzen. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) hatte ihren Länderkollegen einen nationalen Aktionsplan vorgeschlagen.

Lebensmittelskandale in Deutschland

Vergammelt, verseucht, falsch deklariert - Lebensmittelskandale haben Verbraucher in Deutschland schon mehrfach verunsichert. © dpa
März 2013: 10 000 Tonnen vergifteter Mais wurden zu Tierfutter verarbeitet. Allein in Niedersachsen sind mehr als 3500 Bauernhöfe beliefert worden. © dpa
Februar 2013: Millionen Eier aus Freiland- und Bodenhaltung sowie von Bio-Betrieben wurden als angebliche Bio-Eier verkauft, obwohl die Legehennen nicht vorschriftsgemäß gehalten. © dpa
Januar 2013: In mehreren europäischen Ländern wird in Supermarktprodukten neben dem angegebenen Rindfleisch auch Pferdefleisch gefunden. Mitte Februar tauchen auch in Deutschland Fertiggerichte mit falsch deklariertem Fleisch auf. © dpa
2012: Nach dem von Behörden verhängten Produktionsstopp in einer Brotfabrik bei München meldet die Bäckereikette Müller-Brot Insolvenz an. Kontrolleure fanden wiederholt Mäusekot und Speisereste von früheren Produktionen in Maschinen der Bäckerei. © dpa
2011: In Deutschland sterben rund 40 Menschen an den Folgen des gefährlichen EHEC-Darmkeims. Die Behörden warnen vor dem Verzehr roher Tomaten, Gurken und Blattsalate. Später stellt sich heraus: EHEC war von belasteten Sprossen aus Ägypten ausgelöst worden. © dpa
2010: Mit Dioxin belastetes Bio-Futtermittel eines niederländischen Herstellers wird in elf Bundesländer geliefert. Vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen werden viele Biohöfe gesperrt. © dpa
2008: Vergammelter Mozzarella aus Italien landet auch auf deutschen Käsetheken. Insgesamt sollen rund 11 000 Tonnen des mit Würmern und Mäusekot verunreinigten Käses europaweit als frische Ware in Supermärkten angeboten worden sein. © dpa
Lebensmittelskandale in Deutschland
2005: Mindestens 50 Betriebe und Lager in mehreren Bundesländern sind in Geschäfte mit verdorbenem Fleisch verwickelt. Große Mengen wurden zu Döner, Bratwurst und Geflügelnuggets verarbeitet. Besonderes Aufsehen erregte ein Unternehmer aus dem bayerischen Deggendorf: Er importierte tonnenweise Schlachtabfälle aus der Schweiz, deklarierte sie um und verkaufte sie an Lebensmittelproduzenten im In- und Ausland. © dpa
2005: In zwei Filialen einer Supermarktkette werden bei Hannover Mitarbeiter beim Manipulieren von Fleischverpackungen ertappt. Sie hatten Hackfleisch mit abgelaufenem Verbrauchsdatum neu verpackt und so das Verfallsdatum verlängert. Mitarbeiter und Kunden anderer Supermärkte melden sich mit ähnlichen Vorwürfen. © dpa
2001: Mit dem in der EU verbotenen Antibiotikum Chloramphenicol belastete Shrimps aus Asien gelangen über die Niederlande nach Deutschland. Die EU beschließt, die Einfuhr von Shrimps, Geflügel, Honig und Kaninchenfleisch aus China zu verbieten. © dpa
1997: Ein Skandal um illegale Rindfleisch-Importe aus Großbritannien verunsichert die Verbraucher. Aus Angst vor der Rinderseuche BSE werden in Deutschland Tausende Tiere getötet, der Konsum von Rindfleisch geht drastisch zurück. Als Auslöser der Krankheit gilt die Verfütterung von Tiermehl und Tierfett, die 2001 europaweit verboten wird. © dpa

Produkte von Alfons Schuhbeck sind nach Angaben des Münchner Spitzenkochs nicht vom Pferdefleisch-Rückruf des Fertigprodukte-Herstellers Schuhbecks Geniesser Service (SGS) betroffen. „Ich bin erschüttert“, sagte Schuhbeck der „Bild“-Zeitung (Montag). „Die Firma SGS hat eine Lizenz von mir, hochwertige Gericht zu produzieren - die Produkte, in denen Pferdefleisch gefunden wurde, stammen aus einer ganz anderen Linie.“

Experten des Schweriner Verbraucherministeriums begannen am Montag mit der Überprüfung von SGS. Wie das Unternehmen in Laage (Kreis Rostock) mitteilte, waren in Fertiggerichten mit Anteilen von Rindfleisch für die Supermarktkette Rewe Bestandteile von Pferdefleisch gefunden worden. Die SGS habe sofort nach Bekanntwerden des Pferdefleischskandals von allen Lieferanten schriftliche Bestätigungen erhalten, dass kein zugeliefertes Produkt Pferdefleisch enthält. Allerdings seien bei Rohware vom münsterländischen Hackfleisch-Hersteller Vossko geringe Pferdefleischanteile gefunden worden.

Danach seien die beiden betroffenen Rewe-Produkte sofort gesperrt worden, ebenso alle Lieferungen von Vossko. „Die Firma SGS fühlt sich von seinem Vorlieferanten grob getäuscht, weil sie als Rindfleisch deklarierte Ware vom Lieferanten geliefert bekommen hat, die als pferdefleischfreie Ware vom Lieferanten bestätigt wurde.“

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Vorsicht: Diese Lebensmittel sollten Sie auf keinen Fall aufwärmen

Vorsicht: Diese Lebensmittel sollten Sie auf keinen Fall aufwärmen

"Bibersee" sogar auf Google Maps

"Bibersee" sogar auf Google Maps

Welche Benefits sich für Berufstätige lohnen

Welche Benefits sich für Berufstätige lohnen

Wie werde ich Motorradtechniker/in?

Wie werde ich Motorradtechniker/in?

Meistgelesene Artikel

Atom-Streit: Iran warnt Europa - Maas wirft Trump Versagen vor

Atom-Streit: Iran warnt Europa - Maas wirft Trump Versagen vor

Organspende: „Todesurteil“ und „schwarzer Tag“ - Ärzte reagieren teils heftig auf neues Gesetz

Organspende: „Todesurteil“ und „schwarzer Tag“ - Ärzte reagieren teils heftig auf neues Gesetz

Kanzlerkandidaten: Guttenberg hält Söder und AKK nicht geeignet - und sieht nur eine Möglichkeit

Kanzlerkandidaten: Guttenberg hält Söder und AKK nicht geeignet - und sieht nur eine Möglichkeit

Flugzeugabsturz im Iran: Auch 29-Jährige aus Deutschland gestorben - ihr Arbeitgeber trauert emotional

Flugzeugabsturz im Iran: Auch 29-Jährige aus Deutschland gestorben - ihr Arbeitgeber trauert emotional

Kommentare