1. Startseite
  2. Politik

Explosionen auf der Krim: Dänische Experten sehen „peinliche Geschichte“ für Putins Armee

Erstellt:

Von: Florian Naumann

Kommentare

Die Ukraine feiert einen Schlag gegen russische Raketen auf der Krim. Experten halten einen „peinlichen“ Rückschlag für Putin für möglich.

Dschankoj/Kopenhagen - Wieder einmal hat Russland einen Angriff weit hinter den Frontlinien des Ukraine-Kriegs hinnehmen müssen: Nahe der Stadt Dschankoj auf der besetzten Halbinsel Krim gab es in der Nacht auf Dienstag (21. März) offenbar Detonationen - russische Stellen bestätigten zumindest einen Flugabwehreinsatz gegen eine Drohnenattacke. Im Netz kursierende Video-Aufnahmen konnten mehrere Medien zunächst nicht verifizieren.

Russland beklagte einen Angriff auf zivile Infrastruktur. Die Ukraine feierte hingegen die geglückte Zerstörung von russischen Raketen. Sollte Zweiteres zutreffen, wäre es eine „peinliche Geschichte“ für Wladimir Putins Besatzungskräfte, urteilte kurz nach den ersten Berichten der dänische Verteidigungsexperte Anders Puck Nielsen in einem Gespräch mit dem Rundfunksender DR.

„Peinlicher“ Wirkungstreffer für Putin? Ukrainischer Krim-Schlag könnte Angriffswellen schmälern

Dem Wissenschaftler der Dänischen Verteidigungsakademie zufolge hat der Vorfall zwei Dimensionen: Eine militärische und eine eher symbolische. Hätten Kiews Verteidigungskräfte tatsächlich russische Kalibr-Marschflugkörper für den Einsatz auf Schiffen eliminiert, hätte die Ukraine einen wichtigen Erfolg davongetragen, sagte Puck Nielsen dem Sender: In diesem Fall könne die nächste Luftangriffswelle milder ausfallen. Viele der Angriffe gingen von Putins Schwarzmeerflotte aus. Die Schiffe seien teils in der Lage, Ziele in der gesamten Ukraine anzuvisieren.

Zugleich sei ein Mangel an Geschossen denkbar, erklärte der Verteidigungsexperte. Auch der britische Berufskollege Samuel Ramani von der britischen Uni Oxford wies in einer Tweet-Serie auf schwindende Kalibr-Bestände hin. Zugleich sei Dschankoj als Kreuzungspunkt der zwei Haupt-Schienenwege der Krim ein strategisch wichtiger Punkt - ein mutmaßlicher Drohneneinsatz wäre überdies ein „großer Erfolg“ für die Ukraine: Womöglich habe das Land genügend iranische Drohen erbeutet, um nun eine eigene Variante herzustellen; der Klang der Detonationen erinnere an die „Shahed“-Drohnen, erklärte Ramani.

Putin „auf der Krim verwundbar“? Experten sieht „großen Propagandaerfolg der Ukraine“

Sollte es sich tatsächlich um einen erfolgreichen Drohnenangriff gehandelt habe, käme nach dänischer Einschätzung eine gewisse Schmach für die russische Flugabwehr hinzu. Diese hätte eine solche Attacke eigentlich bewältigen müssen, urteilte Puck Nielsen. Seinem Verständnis nach habe es sich um einen Schlag gegen einen stehenden Zug gehandelt, erklärte er dem Rundfunksender. Unklar sei gleichwohl, ob die mutmaßlichen Explosionen von einer Drohne, von Spezialkräften, oder von einem Zusammenwirken beider Strategien ausgelöst worden seien.

„Mir erscheint das als recht großer Propagandaerfolg der Ukraine“, fügte der Experte hinzu. „Dass es den Ukrainern gelingt, zu zeigen, dass Russland auf der Krim verwundbar ist – das schafft sowohl Furcht als auch Aufmerksamkeit“, betonte er – und verwies auf das Treffen von Wladimir Putin und Xi Jinping, das der Nachricht weitere Bedeutung und Reichweite verschaffe.

Explosionen auf der Krim: Wieder ein Treffer der Ukraine hinter Russlands Front?

„Ich denke, es waren Marschflugkörper, auf die es die Ukrainer abgesehen hatten, aber wenn die russische Flugabwehr Geschosse abgeschossen hat, kann es auch gut sein, dass diese in der Stadt und um sie herum herabgestürzt sind“, sagte indes Puck Nielsens Kollege Claus Mathiesen mit Blick auf die stark unterschiedlichen Darstellungen von russischer und ukrainischer Seite.

Auch er betonte, es wäre „peinlich“ für Russland, sollte Kiews Bericht über zerstörte Raketen der Wahrheit entsprechen. Auch Probleme bei der Findung einer gesichtswahrenden Erklärung auf russischer Seite seien ein möglicher Grund für widerstreitende Darstellungen. Mathiesen verwies auf zurückliegende Angriffe auf Militärbasen in Russland. Im Dezember hatten ukrainische Medien über Explosionen am Flugfeld Engels bei Saratow in Südrussland berichtet. Auch damals bestätigte die russische Seite nur Flugabwehr-Einsätze, aber keine Zerstörungen.

Die Krim ist ein symbolisch enorm bedeutsames Ziel im Ukraine-Krieg. Kiew will die bereits seit Jahren völkerrechtswidrig okkupierte Halbinsel zurückgewinnen - Kiews Geheimdienst erklärte am Dienstag, die Attacke sei ein Vorbote für das Ende der Besetzung. Der österreichische Politologe Gerhard Mangott warnte in einem Interview mit IPPEN.MEDIA zuletzt aber auch, eine „Gefährdung“ der Krim könne Putin zu einem Einsatz taktischer Atomwaffen verleiten. (fn)

Auch interessant

Kommentare