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„Wir hoffen, er stirbt daran“: Oligarchen befeuern Krebs-Gerüchte um Putin

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Von: Jens Kiffmeier

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Hat Putin Krebs? Hartnäckig halten sich im Ukraine-Krieg Gerüchte um eine Krankheit von Russlands Präsidenten. Werden sie gezielt gestreut? Und von wem?

Moskau – Erst war es Demenz, dann kam Parkinson hinzu und schließlich auch noch Krebs: Die Gerüchteküche um den Gesundheitszustand von Wladimir Putin brodelt im Ukraine-Krieg. Eine aufgetauchte Tonband-Aufnahme hat die Debatte jetzt weiter angeheizt. In dem aufgezeichneten Gespräch sagt ein Oligarch, dass Russlands Präsident „sehr krank“ sei und an „schwerem Blutkrebs“ leide. Bislang konnte der Kreml die wilden Spekulationen nicht einfangen, weswegen weiter munter über die Krankheiten gerätselt wird. Doch die Frage ist: Wem nützt das? Experten haben bereits einen Verdacht.

Wladimir Putin: Ist Russlands Präsident im Ukraine-Krieg an Krebs erkrankt?

Wegen des Ukraine-Krieges steht Wladimir Putin seit Wochen am Pranger. Zweifelsfrei wird Russlands Präsident als Aggressor gesehen. Nachdem ausländische Staatschefs nach dem Überfall russischer Truppen nach Erklärungsmustern suchten und öffentlich kundtaten, dass ihnen Putin verändert und krank vorkomme, dauerte es nicht lange und die ersten Gerüchte über mögliche Krankheiten machten die Runde. Im Netz wurde zunächst über Demenz spekuliert, dann sahen Mediziner erste Anzeichen von Parkinson. Doch am längsten dreht sich die Debatte um den Krebs.

Ist er krank? Über Russlands Präsident Wladimir Putin gibt es im Ukraine-Krieg viele Gerüchte. Hier schaut er skeptisch zur Seite.
Ist er krank? Über Russlands Präsident Wladimir Putin gibt es im Ukraine-Krieg viele Gerüchte. © Alexander Zemlianichenko/dpa

Verifizieren lässt sich die Krankenakte von Putin nicht. Die vermeintlichen Diagnosen werden fast überwiegend aus der Ferne anhand von Fernsehbildern vorgenommen. Als Belege dienen Experten im Ausland äußere Faktoren wie ein aufgedunsenes oder schmerzverzerrtes Gesicht oder das Zittern von Händen oder Beinen bei Ansprachen. Es gibt nur ganz wenig harte Fakten. So glich die russische Investigativplattform Proekt die Reisedaten von Putin und seinem Ärzteteam ab und kam zuletzt auf sehr viele Überschneidungen. Das befeuerte die Mutmaßungen, dass es um die Gesundheit Putins nicht gut bestellt sei und dass eine Operation kurz bevorstehe.

Auffällig ist, dass der Kreml die Spekulationen laufen lässt – zumindest öffentlich. Während sonst immer schnell alles dementiert wird, hielten sich Kremlsprecher Dmitri Peskow und Außenminister Sergej Lawrow auf entsprechende Fragen seltsam vage. Intern soll es nach Recherchen des Rechercheteams „Bellingcat“ ein Memo des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB an die eigenen Regionaldirektoren gegeben haben. Man solle die Gerüchte, dass Putin krank ist, nicht glauben, hieß es darin. Doch laut dem Bericht bewirkte der Kreml damit das genaue Gegenteil. Danach, so heißt es, schossen die Gerüchte erst richtig ins Kraut.

Wladimir Putin krank? Oligarchen befeuern Gerüchte um Krebs-Krankheit

Vor diesem Hintergrund ist wohl auch die jetzt aufgetauchte Tonband-Aufnahme zu sehen. Als Erste hatte das News Line Magazin darüber berichtet. Der Oligarch, der in dem Mitschnitt über die Krebs-Erkrankung redet, wurde absichtlich nicht namentlich genannt. Die Identität sei gesichert, aber mit Rücksicht auf Repressalien, werde man den Namen nicht veröffentlichten, teilte das Magazin mit. Der Oligarch, der einmal Zugang zu Putin gehabt haben soll, sei kein Freund des Ukraine-Krieges. Wie sehr er Putin, der Anhänger eines Schamanen ist, das Fiasko ankreidet – daraus macht er keinen Hehl: „Wir alle hoffen“, so soll er gesagt haben, „dass Putin am Krebs stirbt.“

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Ungewöhnlich ist die Kritik nicht. In den Reihen der Oligarchen wächst der Unmut. Durch Putins Angriffskrieg auf die Ukraine haben sie in Folge der wirtschaftlichen Sanktionen der EU viel Geld und Bewegungsfreiheit verloren. Zwar schreiben Russland-Experten der Gruppe der Oligarchen zu wenig Macht zu, um den vom Westen erhofften Sturz Putins einzuleiten. Aber dennoch deutet sich für sie in der wachsenden Kritik der beginnende Machtzerfall des Kremlherrschers an.

Gerücht um Krebs: CIA sieht Anzeichen für Putsch gegen Putin in Russland

Zu den Befürwortern dieser Theorie um Putins Gesundheitsstatus gehört John Sipher, ehemals CIA-Analyst mit Fokus auf Russland. Es sei möglich, dass der Kreml die Krankheitsgerüchte selber streue, um Verwirrung zu stiften, zitierte focus.de den US-Strategen. Wahrscheinlicher sei aber, dass sich verschiedene Clans, die Putin in den vergangenen Jahrzehnten wie „ein Maffia-Boss“ zusammengehalten habe, gegen ihn in Stellung bringen würden. „Putins Gesundheitskrise an die Öffentlichkeit zu bringen oder eben eine zu erfinden“, so Sipher, „kann ein Weg sein, um Druckmittel zu erlangen.“

Und auch in Putins Privatleben wird es ungemütlich. Zumindest namentlich befindet sich hier ein Erzfeind in den eigenen Reihen. Laut Der Spiegel soll Putins jüngste Tochter nämlich mit einem Balletttänzer namens Selenski zusammen sein. Somit hat der Schwiegersohn in spe den gleichen Namen wie der ukrainische Präsident – Putins derzeitiger Erzfeind.

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