In Polizeizelle ums Leben gekommen

Oury Jalloh: Keine neuen Ermittlungen zu Feuertod in Polizeizelle - Fragen bleiben

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Demonstration zum Todestag von Oury Jalloh

Vor 13 Jahren ist der Asylbewerber Oury Jalloh in Dessau in einer Polizeizelle gestorben. Nun haben tausende Menschen des Mannes gedacht - sein Fall wirft immer noch Fragen auf.

Naumburg - Die Ermittlungen zum Feuertod eines Asylbewerbers in einer Polizeizelle in Sachsen-Anhalt werden nicht wieder aufgenommen. Die Generalstaatsanwaltschaft habe die Beschwerde der Hinterbliebenen von Oury Jalloh gegen die Einstellung des Verfahrens als unbegründet zurückgewiesen, teilte die Behörde in Naumburg am Donnerstag mit. Ein Tatverdacht gegen Polizisten des Reviers Dessau oder andere Personen bestehe nicht.

Wie genau es am 7. Januar 2005 zum Tod des Asylbewerbers aus Sierra Leone kam, ist auch in zwei Landgerichtsprozessen nicht geklärt worden. Die Staatsanwaltschaft Halle hatte die Ermittlungen im Oktober beendet, weil sie keine weitere Aufklärung erwartete. Die Generalstaatsanwaltschaft sollte das überprüfen.

Generalstaatsanwalt Jürgen Konrad erklärte in einer Mitteilung, es sei nach der Prüfung der Akten nicht auszuschließen, dass Jalloh die Matratze, auf der er gefesselt gelegen habe, selbst entzündet habe. Es lasse sich auch nicht belegen, dass Polizeibeamte oder andere Beteiligte das Feuer gelegt hätten. Hinterbliebene und Unterstützer der Familie Jalloh waren stets von Mord ausgegangen. Dabei handelt es sich laut Konrad um eine rein spekulative Mutmaßung: Hinweise auf eine Tötung aus rassistischen Gründen „liegen evident nicht vor“.

Meldung vom 7. Januar 2018: Todestag von Oury Jalloh - Tausende demonstrierten in Dessau

Dessau - Am 13. Todestag von Oury Jalloh haben in Dessau in Sachsen-Anhalt mehrere tausend Menschen des in Polizeigewahrsam gestorbenen Afrikaners gedacht. Nach Angaben der Polizei folgten am Sonntag rund 3000 Demonstranten einem Aufruf der Initiative zum Gedenken an Oury Jalloh, die Veranstalter sprachen von mehr als 4000.

Demonstration in Gedenken an Oury Jalloh in Dessau

Viele Teilnehmer waren von auswärts angereist, sie zogen mit Fahnen und Transparenten durch die Stadt. Immer wieder wurde „Oury Jalloh, das war Mord“ skandiert. Der Asylbewerber aus Sierra Leone war am 7. Januar 2005 bei einem Feuer in einer Dessauer Polizeizelle ums Leben gekommen. Ungeklärt ist bis heute, ob er das Feuer selbst legte.

Generalstaatsanwaltschaft überprüft Einstellung des Verfahrens

Jalloh war stark betrunken und hatte Drogen genommen. Er war in Gewahrsam genommen worden, um seine Identität zu klären. Weil er sich heftig gewehrt haben soll, wurde er an Händen und Füßen gefesselt.

Während in zwei Landgerichtsprozessen eine Entzündung durch Jalloh selbst als wahrscheinlich angesehen wurde, vertrat die Initiative Oury Jalloh stets die Ansicht, der Mann sei ermordet worden. Zuletzt verfolgte das auch ein Dessauer Staatsanwalt. Das Verfahren wurde nach Halle abgegeben und eingestellt. Aktuell überprüft die Generalstaatsanwaltschaft Naumburg diese Entscheidung.

Lesen Sie auch: In Polizeizelle gestorbener Oury Jalloh - neuer Wirbel nach ARD-Bericht. Auch ein aktuelles Gutachten rund um den Asylbewerber wirft neue Fragen auf: Gab es schwere Misshandlungen in der Polizeizelle?

dpa

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