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Krank oder verwirrt: Wird Putin von Parkinson geschüttelt?

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Von: Jens Kiffmeier

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Leidet Wladimir Putin unter Parkinson? Ein Auftritt bei Ostermesse nährt Spekulationen. Es ist nicht das erste Mal, dass ihm eine Krankheit attestiert wird. Was ist dran?

Moskau – Auf dem Pferd, beim Angeln oder beim Eisbaden: Einst inszenierte sich Russlands Präsident Wladimir Putin als starker Kremlherrscher – stets mit freiem Oberkörper. Doch aktuell im Ukraine-Krieg wirkt er mitunter alles andere als der durchtrainierte Kampfsportler von früher. Bei seinem jüngsten Auftritt während der Ostermesse in der Erlöserkathedrale von Moskau soll er „zerbrechlich“ gewirkt haben. Schon seit geraumer Zeit wird ihm per Ferndiagnose eine Krankheit bescheinigt – mal Parkinson, mal Krebs. Doch was ist dran an den wilden Gerüchten?

Wladimir Putin: Leidet Russlands Präsident aktuell an Parkinson? Auftritt während Ostermesse sorgt für Gerüchte

Aktuell sorgt mitten im Ukraine-Krieg ein neues Video für Aufregung. Es zeigt Russlands Präsidenten Russlands Präsident Putin während der orthodoxen Ostermesse in der Kirche. In der Hand hält er eine brennende Kerze. Doch zu sehen ist auch, wie der Kremlherrscher permanent mit dem leeren Mund kaut, sich auf die Lippen beißt und staksig bewegt. Für Experten, die die britische Daily Mail befragte, ein untrügliches Anzeichen einer Parkinson-Krankheit.

Russalnds Präsident Wladimir Putin steht während des Osterfestes in der Kirche und hält eine Kerze.
Leidet er unter Parkinson? Im Ukraine-Krieg gibt es ständig neue Gerüchte um Russlands Präsidenten Wladimir Putin. © Alexander Zemlianichenko/

Auch andere Experten schlugen zuletzt in diese Kerbe. Ihre Analyse stützten sie ebenfalls auf ein Video, das am vergangenen Donnerstag aufgetaucht war. Bei einem Gespräch mit seinem Verteidigungsminister Sergej Schoigu klammert sich Putin zwölf Minuten an der Tischplatte fest. Doch unter dem Tisch wippt er permanent mit dem Fuß. Die britische Politikerin Louise Mensch war sich deshalb sicher: Putin muss Parkinson haben. Er halte sich am Tisch fest, damit nicht seine „zitternde Hand“ zu sehen sei, twitterte sie umgehend – und befeuerte damit rasend schnell die Gerüchteküche.

Parkinson oder Krebs: Im Ukraine-Krieg werden Putin viele Krankheiten nachgesagt – alles falsche News?

Alles albern? Mag gut sein. Immerhin hält Putin ein paar Tage später mit seinen angeblich zitternden Händen in der Kirche eine brennende Kerze. Insofern gibt es nur Spekulationen. Vor dem Parkinson-Gerücht gab es auch schon viele Berichte über eine angebliche Krebs-Erkrankung. So wollte das russische Investigativmagazin „Proekt“ herausgefunden haben, dass Putin, der ein hohes Vermögen besitzt, an seiner Residenz in Sotschi bis zu 35 Besuche von führenden Onkologen hatte.

Doch am Ende weiß kaum jemand etwas über Putin und seinen Gesundheitszustand. Denn der russische Präsident selber lebt abgeschirmt und zurückgezogen. Aus Angst vor Attentaten und möglichen Putsch-Versuchen vertraut er nur einem sehr engen Kreis an Mitarbeitern und privaten Sicherheitsleuten. Kaum einer dringt zu ihm durch – und wenn, dann nur nach intensiven Kontrollen und Checks. In der Corona-Pandemie soll sich Russlands Präsident noch einmal mehr zurückgezogen haben.

Wladimir Putin: News sind schwierig einzuschätzen – Kremlherrscher agiert in Isolation

Kremlkenner sehen in dieser selbst gewählten Isolation auch einen Grund darin, warum Putin die Invasion auf die Ukraine befohlen haben könnte. Seit Wochen steckt der Feldzug fest und entpuppt sich an vielen Stellen als Fehlschlag mit hohen Verlusten. Putin habe kein klares Lagebild gehabt, weil in seinen inneren Kreis keine umfassenden, unabhängigen Informationen mehr gedrungen seien, sind sich Militärexperten sicher. Andere Stimmen behaupten aber, Putin sei einfach nur verrückt geworden und habe das ganze Ausmaß der Invasion nicht mehr abschätzen können. Unabhängig überprüfen lässt sich das alles nicht. Am Ende bleibt alles Spekulation.

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Genährt wird die Debatte aber nicht nur von selbsternannten Experten. Auch Staatschefs aus der westlichen Politik beteiligen sich daran. Während die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bereits im Jahr 2015 zu US-Präsident Barack Obama gesagt haben soll, Putin sei gedanklich nicht mehr in der realen Welt zu Hause, berichten auch aktuelle Präsidenten von einer Wesensveränderung Putins. So zeigte sich Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron nach einem Telefonat mit Putin öffentlich irritiert darüber, dass sich das Gespräch nur im Kreis gedreht habe. Putin habe auf ihn einen verwirrten Eindruck gemacht, so Macron.

Verrückt, Parkinson oder Krebs: Putin-Biograf warnt vor vorschnellen Urteilen

Doch einer Lösung des Konflikts kommt man so nicht näher. So warnte kürzlich Putin-Biograf Hubert Seipel vor dem Schema, den Kremlherrscher einfach für verrückt zu erklären. „Den Gegner als Irren zu erklären, ist ein altes politisches Muster“, sagte er im Gespräch mit kreiszeitung.de. „Für alle Beteiligten gilt die PR-Formel: Wir wollen keinen Krieg. Also kann nur der Gegner verrückt sein“, fügte er hinzu. Doch damit komme man am Ende auch nicht weiter.  

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