Osten fremdenfeindlicher als der Westen?

Teilnehmer eines Rechten Aufmarsches in Heidenau. Foto: Sebastian Willnow, dpa
+
Teilnehmer eines Rechten Aufmarsches in Heidenau. Foto: Sebastian Willnow, dpa

In Sachsen protestieren Bürger an der Seite von Rechtsradikalen gegen ein Flüchtlingsheim. Der Osten habe mehr Schwierigkeiten mit der Migration als gedacht, meint nun der Sprecher der Länderinnenminister. Der Osten mag das nicht auf sich sitzen lassen.

Berlin (dpa) - Die Unterstützung von Bürgern für rechtsradikale Anti-Asyl-Proteste im sächsischen Heidenau hat einen Streit über die Fremdenfeindlichkeit Ostdeutschlands entfacht.

Anders als die ostdeutschen Ministerpräsidenten sieht der Vorsitzende der Innenminister-Konferenz, Roger Lewentz (SPD), im Osten «eine größere Bereitschaft zu einer fremdenfeindlichen Radikalisierung» als im Westen. Das zeige auch das vom Bundesrat für das NPD-Verbotsverfahren nachgelieferte Beweismaterial, sagte der rheinland-pfälzische Minister der «Welt». In den am Freitag eingereichten Unterlagen seien 370 Ereignisse aufgelistet, die die NPD beträfen und sich überwiegend im Osten abgespielt hätten.

Linksfraktionschef Gregor Gysi warnte aber vor pauschalen Urteilen. «Was in Dresden und in der Umgebung passiert, ist ja nicht typisch für Ostdeutschland. Auch dort gibt es klare Mehrheiten gegen den Rechtsextremismus», sagte Gysi der «Saarbrücker Zeitung». Außerdem sei es beim Rechtsextremismus immer so gewesen: «Die Anführer kamen aus dem Westen, das Fußvolk aus dem Osten.»

Auch die Ost-Ministerpräsidenten hatten am Wochenende davor gewarnt, ihre Länder an den Pranger zu stellen. Man solle sich hüten, «vorschnell von einem ostdeutschen Phänomen zu sprechen», sagte Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) der «Welt am Sonntag». Sein Thüringer Kollege Bodo Ramelow (Linke) erklärte «Die Hotspots der braunen Gewalt liegen in allen Himmelsrichtungen verteilt.» Sachsen-Anhalts Reiner Haseloff (CDU) sagte dem «Tagesspiegel»: «Die große Mehrheit der Ostdeutschen ist weltoffen und solidarisch.»

Lewentz dagegen sagte: «Im Osten leben deutlich weniger Flüchtlinge und Migranten als im Westen, und doch ist die Aggressivität dort besonders hoch. Das ist bedrückend und befremdlich.» Zur Erklärung fügte er hinzu: «Der Osten kannte über Jahrzehnte nicht den umfangreichen Zuzug aus anderen Kulturen. Das Zusammenleben mit Menschen mit Migrationshintergründen muss gelernt werden.»

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Was Hobbyköche über die Schwarzwurzel wissen sollten

Was Hobbyköche über die Schwarzwurzel wissen sollten

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

Relax Pur für 2 – jetzt zum Schnäppchenpreis von 29,99 Euro

Relax Pur für 2 – jetzt zum Schnäppchenpreis von 29,99 Euro

Meistgelesene Artikel

Geld für alle statt Hartz IV? Das steckt hinter dem Bürgergeld

Geld für alle statt Hartz IV? Das steckt hinter dem Bürgergeld

Geld für alle statt Hartz IV? Das steckt hinter dem Bürgergeld
Bürgergeld statt Grundsicherung? Was sich Hartz-4-Empfänger wirklich leisten können

Bürgergeld statt Grundsicherung? Was sich Hartz-4-Empfänger wirklich leisten können

Bürgergeld statt Grundsicherung? Was sich Hartz-4-Empfänger wirklich leisten können
Axel Springer entbindet „Bild“-Chefredakteur Reichelt von seinen Aufgaben

Axel Springer entbindet „Bild“-Chefredakteur Reichelt von seinen Aufgaben

Axel Springer entbindet „Bild“-Chefredakteur Reichelt von seinen Aufgaben
ZDF-Größe (45) überraschend gestorben: Emotionaler Abschied im TV - Kollege Claus Kleber fassungslos

ZDF-Größe (45) überraschend gestorben: Emotionaler Abschied im TV - Kollege Claus Kleber fassungslos

ZDF-Größe (45) überraschend gestorben: Emotionaler Abschied im TV - Kollege Claus Kleber fassungslos

Kommentare