Bundestagswahl 2021

Olaf Scholz (SPD): Bald Kanzler? Das steckt hinter dem „Scholzomaten“

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz gilt als nüchterner Pragmatiker. Trotzdem ist seine Beliebtheit vor der Bundestagswahl gestiegen – oder vielleicht gerade deswegen?

Berlin – „Olaf Scholz hat sich an die Spitze genichtst“, schrieb Comedian Felix Lobrecht mal in einer Instagram-Story. Und der SPD-Kanzlerkandidat glänzt in seinem Wahlkampf für die Bundestagswahl 2021 tatsächlich vor allem durch eines: Er sorgt für weniger negative Schlagzeilen, als seine Konkurrenten Armin Laschet (CDU) und Annalena Baerbock (Grüne).

Name: Olaf Scholz
Partei: SPD
Funktion: Vizekanzler, Bundesfinanzminister, Kanzlerkandidat
Geburtstag: 14. Juni 1958

Der amtierende Vizekanzler schafft damit bereits vor der Wahl einen echten Überraschungserfolg für seine Partei. Noch vor einem Jahr waren sich die Sozialdemokraten angesichts der niedrigen Umfragewerte nicht einmal sicher, ob sie überhaupt einen Kanzlerkandidaten stellen sollten. Aber Olaf Scholz setzte sich gegen die Bedenken der SPD-Parteichefs Saskia Esken und Norbert Walter Borjahns durch. 

Olaf Scholz (SPD): Weit vor der Bundestagswahl – so machte der Kanzlerkandidat die ersten Schritte in der Politik

Den ersten Schritt in die Politik ist der heute 63-Jährige bereits als Jugendlicher gegangen. Mit gerade einmal 17 Jahren trat er den Jusos in Hamburg bei, weil die Politik vom damaligen SPD-Chef Helmut Schmidt ihn begeisterte. Dass er irgendwann einmal ein konservativer Finanzminister werden würde, das hätte der junge Olaf wohl selber nie geglaubt. Denn in den ersten Jahren positionierte sich Scholz eher links und warb unter anderem für die „Überwindung der kapitalistischen Ökonomie“. 

Will nach der Bundestagswahl neuer Bundeskanzler werden: SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz.

Komplett abgelegt hat er seine Ideale aus jungen Jahren allerdings auch heute nicht: Zu seinen Kernthemen als Bundesfinanzminister und Sozialdemokrat gehören auch heute noch faire Arbeitsbedingungen, die Schwarze Null und der Einsatz für die Energiewende. 

Olaf Scholz (SPD): Erst Fachanwalt für Arbeitsrecht, dann Hartz-IV-Macher – der Werdegang

Vor allem das Thema Arbeitsgerechtigkeit liegt dem studierten Rechtsanwalt am Herzen. Nach dem Abitur studierte er an der Universität Hamburg Rechtswissenschaften und war ab 1985 schließlich jahrelang als Fachanwalt für Arbeitsrecht tätig. 

Der Einstieg in die Bundespolitik folgte dann im Jahr 1998 mit einem Direktmandat für Hamburg-Altona. Im Jahr 2002 wurde Scholz dann nach einem Jahr als Innensenator von Hamburg SPD-Generalsekretär unter Altkanzler Gerhard Schröder. Von 2007 bis 2009 führte er Deutschland als Bundesminister für Arbeit und Soziales durch die Finanzkrise und setzte sich unter anderem für Mindestlöhne ein und entwickelte das Kurzarbeitergeld sowie die verhasste Hartz IV-Agenda* mit. 

Olaf Scholz: Seine komplette Biografie und der Lebenslauf des Kanzlerkandidaten

  • 14. Juni 1958: Geboren als ältester von drei Brüdern in Osnabrück
  • 1975: Eintritt in die Jugendorganisation der SPD
  • 1977: Abitur am Gymnasium Heegen im Hamburger Stadtteil Rahlstedt
  • 1978 bis 1984: Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Hamburg
  • Seit 1985: Fachanwalt für Arbeitsrecht
  • 1998: Hochzeit mit Ehefrau Britta Ernst 
  • 1998 bis 2001: Mitglied des Deutschen Bundestages
  • 2001: Innensenator der Freien und Hansestadt Hamburg
  • 2002 bis 2007: Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion der SPD
  • 2007 bis 2009: Bundesminister für Arbeit und Soziales
  • 2009 bis 2011: Stellvertretender Vorsitzender der SPD Bundestagsfraktion
  • 2009 bis 2019: Stellvertretender Parteivorsitzender der SPD
  • 2011 bis 2018: Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg
  • Seit 2018: Bundesfinanzminister und Vizekanzler 

Olaf Scholz und seine Zeit als Hamburgs Erster Bürgermeister

Seine größten politischen Erfolge konnte er zwischen 2011 und 2017 als Erster Bürgermeister Hamburgs erzielen. In seiner Wahlheimat setzte er gebührenfreie Kitas, flächendeckende Ganztagsschulen und den Ausbau vom sozialen Wohnungsbau durch. Durch seinen typisch norddeutschen Stoizismus und seinen sachlichen Führungsstil war er bei vielen Bürgern der Hansestadt beliebt. 

Trotzdem war Scholz in der Bundespolitik lange Zeit ein Mann der zweiten Reihe. Er war stellvertretender Vorsitzender der Jusos, bis 2019 zehn Jahre lang Vizechef der Bundespartei der SPD und ist seit 2018 Stellvertreter von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Von Wirecard bis G20: Die Skandale und Fehltritte von Olaf Scholz verdeckt er mit seinem Wahlprogramm

Aber Scholz kann Kanzler – das ist eine Überzeugung, die sich der Vizekanzler mit vielen Parteikollegen teilt. An Selbstbewusstsein fehlt es dem Hanseaten gewiss nicht. Auf seinen Wahlplakaten prangen deutschlandweit zwei Worte: Kompetenz und Respekt. Er setzt auf seine lange Berufserfahrung, auf sein Engagement für faire Arbeitsbedingungen und auf seinen nüchternen Politikstil. 

Aber auch Scholz kennt den Balanceakt zwischen Scheitern und Erfolg. Im Laufe seiner politischen Karriere war Scholz immer wieder in Skandale verwickelt. Da gab es den Wirecard-Skandal, die Cum-ex Geschäfte oder Verwicklungen in Belange der Warburg Bank. Doch während viele Skandale an Scholz abperlten, drohte die CDU im Wahlkampf, dass man viel „Unschönes“ von Scholz noch thematisieren werde.

Eine Fehleinschätzung war es, die Scholz auch international bekannt machte: Bei der Ausrichtung des G20-Gipfels im Jahr 2017 in Hamburg kam es zu erheblichen Ausschreitungen. Viele Menschen gaben Scholz die Schuld daran, der als Erster Bürgermeister der Hansestadt die Warnungen ignoriert haben soll. Seitdem steht der SPD-Politiker auf der Feindesliste vieler Linksextremer. Doch die Hamburger haben ihren Groll beerdigt. Im Vorfeld der Bundestagswahl verzeihen viele Wählerinnen und Wähler Scholz das G20-Desaster*.

Bundestagswahl: Scholz vor Baerbock und Laschet – Vizekanzler punktet als zuverlässiger Krisenmanager

Und trotzdem gelingt es dem „Scholzomaten“, wie der SPD-Politiker wegen seinen monoton wirkenden Reden gerne mal von Medien und Kollegen genannt wird, den Menschen vor allem in Krisen ein Gefühl von Verlässlichkeit und Sicherheit zu vermitteln. 

Ich lache mehr, als die Leute glauben.

Olaf Scholz (SPD) über sein Privatleben

Während der Finanzkrise im Jahr 2008 führte der Sozialdemokrat die Wirtschaft mit Sätzen wie „Millionen Menschen in diesem Land verdienen wenig, viel zu wenig, und gehen trotzdem jeden Tag zur Arbeit, oft ihr Leben lang. Das sind für mich die wahren Helden unserer Zeit“ zuversichtlich durch die Krise. Als die Coronavirus-Pandemie die Wirtschaft lahmlegte, versprach der Finanzminister mit einem Milliarden-Konjunkturpaket schnelle Hilfe – seine Bazooka. Zwischenzeitlich galt er deshalb sogar als einer der beliebtesten Politiker Deutschlands. 

SPD-Kanzlerkandidat: Olaf Scholz prahlt mit seinem Gehalt – „Ja, ich gelte als reich“

„Wie viel kostet eigentlich ein Liter Benzin?“ – es war diese unscheinbare Frage, die Olaf Scholz ins Rudern brachte. Denn der SPD-Politiker, der sich für faire Löhne und sozialen Wohnungsbau einsetzt, hatte keine Ahnung. Das Unwissen über die Preise von Butter, Brot und Benzin verschaffte ihm ein dezent abgehobenes Image. Scholz entschuldigte das mit der Bekanntgabe seines stolzen Einkommens von rund 200.000 Euro brutto im Jahr.

Und auch fällt bei einem Blick auf die Inhalte von Scholz auf, dass er durchaus mal zu Widersprüchen neigt. So hat er als SPD-Generalsekretär unter Gerhard Schröder das Grundsicherungssystem Hartz IV mitentwickelt und möchte es nun komplett umbauen*. So heißt es zumindest in seinem aktuellen Wahlprogramm. Und auch sonst bewegt sich der Wahl-Hamburger mit seiner Politik immer wieder zwischen alter Arbeiterpartei und dem politischen Mainstream. 

Olaf Scholz: Ehefrau ja, Kinder nein – das geheime Privatleben des SPD-Politikers

Sein Privatleben ist Olaf Scholz heilig. Deshalb bleiben die meisten Details über den Olaf abseits von Zahlen, Fakten und Wahlkampf unausgesprochen. Bekannt ist lediglich, dass Scholz im Jahr 1998 Britta Ernst geheiratet hat. Gemeinsam mit der SPD-Politikerin, die derzeit Bildungsministerin in Brandenburg ist, lebt er in einer Mietwohnung in Potsdam – auch, wenn der Personenschutz die Nachbarschaft verärgert. Beide Eheleute haben ihre Priorität auf die Politik gelegt und deshalb keine Kinder bekommen, heißt es. Wenn Scholz von seinem Privatleben erzählt, dann fällt meistens irgendwann ein Satz: „Ich lache mehr, als die Leute glauben.“ Ob das stimmt, das wissen wohl nur seine engsten Vertrauten. 

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Was die Politik betrifft, ist es doch so: Olaf Scholz mag vielleicht nicht der mitreißendste Redner sein; statt Leidenschaft und Feuer verkörpert er den typisch norddeutschen Stoizismus und setzt auf pragmatische Lösungen. Aber vielleicht ist es genau das, was die Wähler am Ende überzeugen könnte. Es ist zumindest – so viel steht fest – schon Mal deutlich mehr als „Nichts“. * kreiszeitung.de und 24hamburg.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Georg Wendt/dpa

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