„Geradezu anachronistisch“

Corona-Lockerungen: Sommer im Homeoffice? Scholz hat klaren Standpunkt

Olaf Scholz auf dem Ostkonvent.
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Olaf Scholz spricht sich für eine Verlängerung der Home-Office-Pflicht aus. (Symbolbild)

Bleibt Deutschland auch über den Sommer im Homeoffice? Vizekanzler Olaf Scholz hat eine klare Meinung. Die Grünen legen derweil einen „Zukunftsplan“ vor.

Berlin - Die Corona-Inzidenzen* sinken - und immer mehr Pandemie-Maßnahmen fallen weg. Teils sind wieder mehr Kontakte möglich, Tests und Terminbuchungen nicht mehr überall nötig. Das weckt auch weitere Begehrlichkeiten: Der Bundesverband der Deutschen Industrie hat eine Aufhebung der Homeoffice-Pflicht sowie der Corona-Testpflicht in Betrieben gefordert - auch angesichts von Impffortschritten.

Olaf Scholz: Keine Aufhebung der Homeoffice-Pflicht bis Ende Juni

Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz* hat dazu allerdings eine klare Meinung: Er lehnt eine frühzeitige Aufhebung der Homeoffice-Pflicht ab. Der Vizekanzler beharrt darauf, dass Arbeit im Homeoffice gar bis Ende Juni die Regel bleiben soll. „Jetzt dürfen wir nicht leichtsinnig werden. Das Virus ist noch nicht besiegt. Deshalb halte ich es für absolut richtig, wie vereinbart die Pflicht zum Homeoffice beizubehalten“, sagte Scholz der Bild am Sonntag. Die bisher geltende Regelung würde ohne eine weitere Verlängerung aber ohnehin nach Plan am 30. Juni auslaufen.

Die derzeit geltende Homeoffice-Pflicht schreibt gemäß dem Infektionsschutzgesetz vor, dass Arbeit zu Hause für alle Beschäftigten, die im Büro arbeiten, als Regel gilt. Die Unternehmen müssen daher Homeoffice ermöglichen, wenn keine zwingenden Gründe dagegen sprechen - und die Arbeitnehmer:innen müssen dies auch annehmen.

Kritik für seine Ansicht bekommt Scholz von FDP-Fraktionsvize Michael Theurer: „Wer Biergärten richtigerweise öffnet, darf nicht an der Homeoffice-Pflicht festhalten“, sagte er laut AFP. Scholz‘ Position zum Homeoffice wirke „geradezu anachronistisch“, rügte Theurer, wie auch 24hamburg.de* berichtete.

Grünen fordern: Homeoffice-Pflicht soll Recht auf Homeoffice werden

Aus den Reihen der Grünen* dagegen legte Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt einen Drei-Punkte-Plan zur Modernisierung der Arbeitswelt nach der Corona-Pandemie vor. Kernforderung in dem Papier, aus dem die Zeitungen der Funke Mediengruppe zitieren, ist die Umwandlung der Homeoffice-Pflicht in ein Recht auf Homeoffice. Daneben schlägt Göring-Eckardt vor, Unternehmen etwa mit Investitionszuschüssen bei der Digitalisierung zu helfen und die Infrastruktur im ländlichen Raum zu stärken, um dort mehr offene Gemeinschaftsbüros (Coworking-Spaces) zu schaffen.

„Die zum Schutz der Beschäftigten in der Pandemie eingeführte Homeoffice-Pflicht muss bei einer weiteren Entspannung der Pandemielage auslaufen“, heißt es dem Bericht zufolge in dem Konzept. Und weiter: „Eine moderne Arbeitswelt sollte für geeignete Tätigkeiten ein Recht auf selbstbestimmtes, mobiles Arbeiten beinhalten, wobei die Inanspruchnahme jederzeit freiwillig und den beschäftigten überlassen bleibt.“

Göring-Eckardt sagte den Funke-Zeitungen: „Die Bundesregierung hat keine Rezepte für eine moderne Arbeitswelt. Nach der Krise einfach alles auf den Status Quo zurückdrehen zu wollen, anstatt auf den Erfahrungen von Beschäftigten und Unternehmen aufzubauen, das ist ideenlos, kraftlos und rückständig. Um den Übergang in eine Zeit nach Corona zu gestalten, braucht es eine Zukunftsoffensive für die Arbeitswelt.“ (dpa/jh) *tz.de, Merkur.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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