Oxfam-Klimastudie

Ökologische Vandalen: So zerstören die Superreichen die Welt

Klimaschutz-Sünder enttarnt: Die Superreichen hausen auf der Welt wie ökologische Vandalen. Das zeigt eine Oxfam-Studie. Muss Jeff Bezos in den Weltraum fliegen?

Berlin – Megayachten, Privatjets, mitunter auch private Weltraumflüge: Die Superreichen in aller Welt leben wie die ökologischen Vandalen. So verursachen die Milliardäre durch ihren Lebensstil zigfach mehr klimaschädliche Treibhausgase als der Rest der Menschheit. Zu diesem schockierenden Ergebnis eine am Freitag veröffentlichte Oxfam-Studie zum Klimaschutz. „Eine kleine Elite gönnt sich einen Freifahrtschein für die Zerstörung unseres Klimas“, kritisierte die Klimaexpertin Nafkote Dabi im Gespräch mit der Nachtichtenagentur dpa. Die Organisation forderte deshalb strenge umweltpolitische Maßnahmen gegen die Millionärsschicht.

Verbund entwicklungspolitischer Organisationen:Oxfam
Gründung:5. Oktober 1942
Hauptsitz:Nairobi, Kenia
Direktor:Winnie Byanyima

Die Studie wurde im Rahmen der UN-Weltklimakonferenz (COP 26) in Glasgow präsentiert. Bei dem insgesamt zweiwöchigen Gipfel treffen sich Vertreter aus 200 Ländern, um über die Eindämmung der Erderwärmung und das Erreichen des 1,5-Grad-Zieles zu verhandeln. Am heutigen Freitag waren große Kundgebungen der Fridays for Future-Bewegung um Klimaaktivistin Greta Thunberg geplant. Sie forderten energisch ein entschlosseneres Handeln gegen den weltweit nach wie vor ungezügelten Ausstoß von klimaschädlichen Treibstoffgasen.

Klimaschutz: Oxfam-Studie bei Weltklimakonferenz (COP26) vorgestellt – Superreiche leben wie die ökologischen Vandalen

Die Oxfam-Studie wirft nun ein Schlaglicht auf einen Teil der Hauptverursacher der CO2-Emissionen. So werden diejenigen, die zum reichsten ein Prozent der Weltbevölkerung gehören, bis zum Jahr 2030 für 16 Prozent der globalen Gesamtemissionen verantwortlich sein. Nach Angaben der Organisation sind das weniger Menschen als die deutsche Gesamtbevölkerung. Während die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung locker bei der Pro-Kopf-Emission unter der angestrebten 1,5-Grad-Grenze bleibt, übersteige dieser Wert bei den reichsten zehn Prozent das Ziel um das Neunfache, so die Studienautoren.

Steht mit seiner Weltraum-Show am Umweltpranger: Amazon-Gründer Jeff Bezos. (Montage von kreiszeitung.de)

Vor diesem Hintergrund forderten die Umweltschützer die Staatenlenker zum Handeln auf. Denkbar sei etwa die bessere Besteuerung von Luxusgütern wie Megayachten oder privater Flugzeuge, schlug Oxfam-Experte Time Gore vor. Zudem könne auch die klimaintensive Investitionen begrenzt werden, etwa der Aktienbesitz in der fossilen Brennstoffindustrie. Anders ließe sich der Klimawandel nicht mehr aufhalten, warnte Gore. Es könne einfach nicht sein, dass ein Milliardär wie Amazon-Gründer Jeff Bezos mit einem privaten Weltraumflug* mehr Treibhausgas verursache, als jemand aus der ärmsten Schicht in seinem ganzen Leben, kritisierte er im Gespräch mit der dpa.

Klimaschutz: Flug im Privatjet – selbst Ursula von der Leyen (CDU) steht plötzlich am Pranger

Die Studie dürfte die Klimaschutzdebatte kräftig anheizen. In Deutschland drängen die Grünen bei den Verhandlungen zu einer Ampel-Koalition auf ehrgeizige Klimaschutzziele. Grundsätzlich sind die Bundesbürgerinnen und Bundesbürger für Veränderungen bereit, wie Umfragen zeigen. So zeigte sich zuletzt eine Mehrheit durchaus entschlossen dafür, ihren Lebensstil im Alltag im Sinne des Klimaschutzes zu verändern – und unter anderem ein Tempolimit zu akzeptieren. Gleichzeitig jedoch fürchten sie die steigenden Preise für Benzin oder fürs Heizen.

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Vor diesem Hintergrund war der Aufschrei am Donnerstag gewaltig, als ein Kurzstreckenflug von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bekannt wurde. Die gebürtige Niedersächsin war von Wien nach Bratislava mit einem Privatjet geflogen. Das ist eine Entfernung von 47 Kilometern. Im Netz warfen viele Nutzer der CDU-Politikerin eine klimapolitische Heuchelei vor, weil sie in ihren öffentlichen Reden die EU als Vorreiter beim weltweiten Klimaschutz stilisiert. Gut möglich, dass jetzt auch viele Milliardäre sich zweimal überlegen, ob sie in ihr Privatflugzeug steigen – oder vielleicht lieber doch nicht. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Blue Origin/Andrej Sokolow

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