Obama: Wir haben IS unterschätzt

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US-Präsident Barack Obama.

Washington/Bagdad - Trotz Luftangriffen ist die IS-Terrormiliz noch lange nicht besiegt. Nun hat Präsident Barack Obama zugegeben, dass die USA die Lage falsch eingeschätzt haben.

US-Präsident Barack Obama hat eingeräumt, dass die USA die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) unterschätzt hätten. Zugleich sei die Fähigkeit des irakischen Militärs überschätzt worden, die Gruppe zu stoppen. In einem CBS-Interview wurde Obama nach Angaben des Senders danach gefragt, ob er eine entsprechende Einschätzung des nationalen Geheimdienstdirektors James Clapper teile. „Das trifft zu“, antwortete Obama. „Das trifft absolut zu.“

CBS bezeichnete die Äußerung des Präsidenten als eine der offensten, die er bisher zum Aufstieg des IS gemacht habe. Demnach führte er das Erstarken unter anderem auf das Bürgerkriegschaos in Syrien zurück, das der Gruppe Raum zum Wachsen gegeben habe. Zudem sei es der Miliz gelungen, ausländische Kämpfer aus verschiedenen Ländern in Syrien zu versammeln. „Und so wurde es Ground Zero für Dschihadisten aus aller Welt“. Eine sehr geschickte Kampagne in den sozialen Medien habe bei der Rekrutierung von Kämpfern geholfen.

Die Terrormiliz hat die kurdische Enklave Ain al-Arab in Nordsyrien von mehreren Seiten aus unter schweren Beschuss genommen. Mindestens elf Granaten seien am Sonntagabend vor allem im Westen der Stadt eingeschlagen, berichtete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Auch von Osten her feuerten die Extremisten nach Angaben von Augenzeugen mit Artillerie in die Stadt.

Terrorgruppe in Syrien: Das will der Islamische Staat

ISIS Irak
Die Kontrolle über die irakischen Großstädte Mossul und Tikrit sowie über Teile der nordirakischen Provinzen bringt die Dschihadisten der Terrororganisation ISIS ihrem Ziel der Gründung eines grenzübergreifenden islamischen Staates in der Region näher. © AFP
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Der Name ISIS ist eine Abkürzung und steht für "Islamischer Staat im Irak und Syrien". © AFP
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Die ISIS ist ein Kind des Irakkriegs (2003-2011) und wurde im syrischen Bürgerkrieg groß. Dass die ISIS nun wieder in den Irak zurückkehrt, ist auch ein Ergebnis gescheiterter Bemühungen um mehr Demokratie. © AFP
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Etwas mehr als zehn Jahre nach dem Sturz von Saddam Hussein und den darauf folgenden Jahren des Aufstands und Terrors droht dem Irak ein Bürgerkrieg wie im benachbarten Syrien. © AFP
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ISIS traue sich inzwischen "ambitionierte Operationen" wie die Verteidigung eingenommener Gebiete zu, sagt Michael Knights vom Institute for Near East Policy in Washington. © AFP
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Die ISIS wolle einen "islamischen Staat", der Mossul, die Provinzen Salaheddin, Dijala und Anbar sowie Deir Essor und Rakka in Syrien einschließe, erläutert Asis Dschabr, Politikwissenschaftler von der Mustansirijah Universität in Bagdad. In Syrien erprobten die Dschihadisten ihre Kampfkraft. © AFP
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Die ISIS entstand aus dem seit 2010 von Abu Bakr al-Bagdadi (Foto) geführten Islamischen Staat im Irak (ISI). Mitte 2012 entsandte al-Bagdadi Mitglieder in das Nachbarland Syrien, um dort die islamistische Al-Nusra-Front aufzubauen. Das gemeinsame Ziel war der Sturz von Machthaber Assad. © AFP
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Politisch gab es Verwerfungen. Im April 2013 gab al-Bagdadi die Fusion von ISI und Al-Nusra-Front zur ISIS bekannt. © AFP
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Doch die Al-Nusra-Front lehnte den Zusammenschluss ab. Beide Gruppen treten in Syrien weiter eigenständig auf. © AFP
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Inzwischen rechnen Experten damit, dass die ISIL gefährlicher werden könne als das Terrornetzwerk Al-Kaida. © AFP
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Die Emanzipierung wurde deutlich, als al-Bagdadi 2013 die Aufforderung von Al-Kaida-Chef Aiman al-Zawahiri ignorierte, dass sich ISIS auf den Irak konzentrieren und Al-Nusra Syrien überlassen solle. © AFP
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Zur Verwirklichung ihres grenzüberschreitenden islamischen Emirats rekrutiert ISIS Kämpfer auch im Ausland. © AFP
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ISIS zufolge kämpfen in ihren Reihen auch Deutsche, Briten, Franzosen und Dschihadisten aus anderen europäischen Ländern. © AFP
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Charles Lister, Gaststipendiat am Brookings Doha Center in Katar, schätzt die Zahl der ISIS-Kämpfer auf 6000 bis 7000 in Syrien und 5000 bis 6000 im Irak. © AFP
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Von allen ausländischen Kämpfern in Syrien seien etwa 80 Prozent im Dienste der ISIS, sagte Peter Neumann vom King's College in London. © AFP
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Europäische und US-Sicherheitsexperten verfolgen die Vorgänge im Irak und in Syrien daher auch mit Sorge, weil sie einen Export des ISIL-Extremismus nach Europa oder die USA befürchten. © AFP
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Die Arroganz, mit der die irakischen Truppen geführt werden, ebnete den Weg für die ISIS-Kämpfer. © AFP
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800 000 irakische Soldaten versagenbeim ISIS-Vormarsch  vor vielleicht 10 000 Extremisten: Die sunnitischen Soldaten wollten laut Sicherheitsexperten ihren Kopf nicht für Ministerpräsident Nuri Al-Maliki hinhalten, die schiitischen Soldaten wurden in Bagdad zusammengezogen. © AFP
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Auch Teile der sunnitischen Bevölkerung schauten dem Isis-Durchmarsch schweigend zu. © AFP
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Die USA haben nach Einschätzung von Experten zwei Fehler gemacht: Sie marschierten wegen vermeintlicher Beweise für die Produktion von Massenvernichtungswaffen in den Irak ein - und zogen dann zu früh wieder ab. © AFP
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So klar das Ziel war, Saddam Hussein zu stürzen - übrig blieb eine ethnisch und religiös zersplitterte Bevölkerung. © AFP
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Auf die „Operation Iraqi Freedom“ folgte blutige Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten. Den erbte die hoffnungslos überforderte irakische Armee nach dem Abzug der US-Truppen 2011. © AFP
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UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay hat sich besorgt über Berichte von willkürlichen Hinrichtungen im Zusammenhang mit dem Vorstoß der Dschihadisten im Irak gezeigt. © AFP
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Pillay sei "extrem beuhruhigt" über die "dramatische Verschlechterung der Situation" in dem Land, sagte sein Sprecher in Genf. Es gebe Berichte über willkürliche Hinrichtungen und "außergerichtliche Tötungen". © AFP

Auf Twitter berichten Beobachter von der türkischen Grenze aus von „schwerem Beschuss“. Eine arabische Journalistin vor Ort schrieb unter Berufung auf Anwohner, es sei das erste Mal, dass die IS-Miliz einen so großen Angriff unmittelbar auf die Stadt führe. Autos würden „reihenweise“ die Stadt verlassen. Ein Korrespondent der kurdischen Nachrichtenseite „Rudaw“ bestätigte Angriffe auf das Stadtzentrum. Später habe sich die Lage etwas beruhigt.

Bereits am Samstag hatten IS-Extremisten Ain al-Arab nach Angaben der Beobachtungsstelle erstmals mit Mörsergranaten beschossen. Kurdische Peschmerga-Kämpfer rüsten sich daher für einen Gegenschlag. Rund 1800 Peschmerga-Soldaten seien in der umkämpften Stadt in Stellung gegangen, berichtete die syrische Beobachtungsstelle am Sonntag. Allein seit Mittwoch seien 1500 Kämpfer eingetroffen. Flugzeuge des US-geführten Anti-IS-Bündnisses hatten am Wochenende bereits Stellungen der IS-Miliz in der Region beschossen.

Die im Norden Syriens gelegene Enklave Ain al-Arab, die im Kurdischen Kobane genannt wird, war vor mehr als einer Woche von IS-Kämpfern teilweise eingekreist worden. Bei ihrem Vormarsch hatten die Dschihadisten mehr als 60 Dörfer im Umland eingenommen. Zehntausende Menschen flohen.

Die äußerst brutalen Dschihadisten des IS beherrschen im Irak und in Syrien je rund ein Drittel der Fläche. Die von ihnen eroberten Gebiete bezeichnen sie als „Kalifat“. Mehrere westliche und arabische Länder fliegen Luftangriffe auf IS-Stellungen im Irak oder in Syrien.

Am Samstag waren erstmals britische Tornado-Flieger aus Zypern zu Aufklärungsflügen gen Irak gestartet, nachdem das britische Unterhaus am Freitagabend Luftangriffe genehmigt hatte. Die französische Luftwaffe bombardierte nach Angaben der irakischen Nachrichtenseite Al-Sumaria News am Samstag IS-Stellungen im irakischen Falludscha.

So unterstützt Deutschland die Kurden

Die Bundesregierung unterstützt die Kurden im Nordirak in ihrem Kampf gegen die sunnitischen Extremisten. In der Kurdenhauptstadt Erbil traf am Samstag der zweite Waffentransport aus Deutschland ein. Nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums landete dort eine in Leipzig gestartete Antonow mit Waffen und Fahrzeugen.

Neben der Ausbildung vor Ort werden kurdische Kämpfer auch in Deutschland in die Waffensysteme eingewiesen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums begann in der Infanterieschule Hammelburg in Bayern am Wochenende die Schulung von etwa 30 Peschmerga-Soldaten im Umgang mit „Milan“-Panzerabwehrraketen.

dpa

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