NSU-Ausschuss beschließt weite Teile des Berichts

Berlin - Der NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages hat weite Teile seines Abschlussberichts beschlossen. Erarbeitet werden soll jetzt unter anderem noch, welche Konsequenzen aus dem Fall zu ziehen sind.

Das Gremium segnete am Mittwoch in einer internen Sitzung den Großteil des weit mehr als 1000-seitigen Berichts ab, wie die Nachrichtenagentur dpa aus Teilnehmerkreisen erfuhr. Darin geht es vor allem um die Ergebnisse der Zeugenbefragungen der vergangenen Monate und die Bewertung der gravierenden Ermittlungspannen im Fall der rechtsextremen Terrorzelle NSU. Bis Ende August folgt noch die Arbeit an den Schlussfolgerungen.

Die Fraktionen wollen gemeinsam und getrennt voneinander Vorschläge machen, welche Konsequenzen aus dem Fall NSU zu ziehen sind. Am 22. August will der Ausschuss den gesamten Bericht beschließen und ihn an den Bundestag übergeben. Geplant sei außerdem, den Bericht am selben Tag in einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorzustellen, hieß es am Mittwoch.

Kaltblütig ermordet - Die Opfer der Terrorzelle NSU

Kaltblütig ermordet - Die Opfer der Terrorzelle NSU

Zwischen 2000 und 2007 sollen die Mitglieder des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) zehn Menschen umgebracht haben. Die Opfer wurden kaltblütig erschossen, aus nächster Nähe - so das Ergebnis der bisherigen Ermittlungen. Hinzu kamen zwei Sprengstoffanschläge mit insgesamt 23 Verletzten.Die mutmaßlichen Täter und NSU-Mitglieder Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt entkamen immer unerkannt. Eine Übersicht: © dpa
9. September 2000, Nürnberg: Der türkische Blumenhändler Enver Simsek (38) wird beim Arbeiten erschossen. © dpa
19. Januar 2001, Köln: In einem iranischen Lebensmittelgeschäft explodiert ein Sprengsatz. Die 19-jährige Tochter des Inhabers wird schwer verletzt. Das Bild zeigt den Vorsitzenden des NSU-Untersuchungsausschusses beim Treffen mit den überlebenden Opfern des NSU. © dpa
13. Juni 2001, Nürnberg: Mundlos und Böhnhardt erschießen den Türken Abdurrahim Özüdogru (49) in seiner Änderungsschneiderei. © dpa
27. Juni 2001, Hamburg: Der türkische Händler Süleyman Tasköprü (31) stirbt durch mehrere Kopfschüsse in seinem Lebensmittelladen. © dpa
29. August 2001, München: Mundlos und Böhnhardt erschießen den türkischen Gemüsehändler Habil Kilic (38) in seinem Geschäft. © dpa
25. Februar 2004, Rostock: Die Rechtsterroristen töten den türkischen Imbissverkäufer Mehmet Turgut (25). © dpa
9. Juni 2004, Köln: Die Terroristen zünden eine Nagelbombe vor einem türkischen Friseursalon in der Keupstraße. 22 Menschen werden zum Teil lebensgefährlich verletzt. © dpa
9. Juni 2005, Nürnberg: Ismail Yasar (50) wird in seinem Döner-Imbiss getötet. © dpa
15. Juni 2005, München: Der Grieche Theodoros Boulgarides (41) stirbt durch drei Kopfschüsse in seinem Schlüsseldienst-Laden. © dpa
4. April 2006, Dortmund: Mundlos und Böhnhardt töten den türkischstämmigen Kioskbetreiber Mehmet Kubasik (39). © dpa
6. April 2006, Kassel: Halit Yozgat (21) stirbt durch Schüsse in seinem Internet-Café. © dpa
25. April 2007, Heilbronn: Die Polizistin Michèle Kiesewetter (22) wird erschossen, ihr Kollege (24) überlebt schwer verletzt. © dpa

Angedacht sei auch eine Übersetzung ins Türkische. Die meisten der NSU-Opfer waren türkischer Abstammung. Anfang September wird schließlich der Bundestag in einer Sondersitzung über den Bericht beraten. Dabei werden auch Angehörige der Opfer erwartet.

Dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) werden zehn Morde zwischen den Jahren 2000 und 2007 zur Last gelegt - überwiegend an Migranten. Polizei und Nachrichtendienste waren der Bande jahrelang nicht auf die Spur gekommen. Sie flog erst Ende 2011 auf. Der NSU-Ausschuss begann Anfang 2012, die Verbrechen der Terrorzelle und die Ermittlungspannen aufzuarbeiten.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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