Bundestagspräsident unter Verdacht

Plagiatsvorwurf gegen Norbert Lammert

Norbert Lammert
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Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU)

Berlin - Erst Karl-Theodor zu Guttenberg, dann Annette Schavan - und nun Norbert Lammert? Gegen den Bundestagspräsidenten werden Plagiatsvorwürfe erhoben. Wieder anonym im Internet.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, in seiner Doktorarbeit getäuscht zu haben. Unter dem Pseudonym des Plagiatsjägers der zurückgetretenen Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) wird ihm im Internet vorgeworfen, auf 42 Seiten seien Textpassagen aus 21 Quellen mit Unregelmäßigkeiten zu finden.

Lammert sagte dazu der Zeitung „Die Welt“ (Dienstag), die zuerst darüber berichtete: „Ich habe meine Doktorarbeit nach bestem Wissen und Gewissen angefertigt.“ Allerdings will er die Arbeit untersuchen lassen: „Ich habe die Universität Bochum unverzüglich darum gebeten, die Vorwürfe zu prüfen“, sagte er dem Blatt weiter. Der Deutschen Presse-Agentur ließ er auf Anfrage zu seiner Dissertation außerdem mitteilen, er sei „von ihrer wissenschaftlichen Qualität überzeugt“.

Die SPD findet Lammerts Initiative zur Prüfung richtig, wie ihr bildungspolitischer Fraktionssprecher Ernst Dieter Rossmann im „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Dienstag) sagte. „Bis das Ergebnis vorliegt, sollten sich alle Beteiligten mit Kommentaren zurückhalten.“

"Übernahme zahlreicher charakteristischer Fehler"

Unter dem Pseudonym „Robert Schmidt“ heißt es auf der Internetseite lammertplag.wordpress.com: „Einen erheblichen Teil der als verwendet angegebenen Literatur hat er ganz offenbar nicht gelesen; dies wird insbesondere anhand der Übernahme zahlreicher charakteristischer Fehler aus der Sekundärliteratur deutlich.“ Der Netzaktivist bejahte die Frage der „Welt“, ob er damit ausdrücklich den schweren Vorwurf verbinde, Lammert habe plagiiert.

Lammert hatte die Dissertation mit dem Titel „Lokale Organisationsstrukturen innerparteilicher Willensbildung - Fallstudie am Beispiel eines CDU-Kreisverbandes im Ruhrgebiet“ im Jahr 1974 an der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Ruhruniversität Bochum eingereicht, 1976 wurde sie veröffentlicht. Lammert wurde 1975 zum Dr. rer. soc. promoviert.

Guttenberg: Die besten Sprüche zur Plagiats-Affäre

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Guttenberg Doktorarbeit Plagiats-Affäre
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Der unbekannte Autor schreibt, die Untersuchung sei nach dem Erreichen von gut einem Drittel der Seiten des Hauptteils abgebrochen worden. Eine vollständige Dokumentation sei wegen des hohen Zeitaufwands nicht möglich. Zweck der Internet-Veröffentlichung sei es, sowohl die Universität Bochum als auch die Öffentlichkeit zu informieren.

Guttenberg und Schavan: Auch diese Promis haben abgekupfert

Fall Schavan: Auch diese Promis haben abgekupfert

Annette Schavan soll bei ihrer Doktorarbeit getäuscht haben. Die Uni Düsseldorf entzieht ihr am 5. Februar 2013 den Titel. Doch in Politik, Literatur und Musik wird seit jeher abgekupfert, was das Zeug hält. Hier eine Übersicht: © dpa
Im Februar 2011 stürzt der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg über seine Doktorarbeit. Darin hatte er kräftig abgeschrieben. © dpa
Der umstrittene Berliner Rapper Bushido wurde 2010 wegen Urheberrechtsverletzungen gerichtlich verurteilt: Er hatte in 13 Liedern Songfragmente der französischen Gothic-Band Dark Sanctuary ohne Erlaubnis verwendet. © dpa
Die Ex-Brosis-Sängerin und „Dschungelshow“-Teilnehmerin wollte ihre kurzzeitig wiedergewonnene Prominenz mit einem Stimmungslied in klingende Münze umwandeln. „Hol de Radio“ heißt das Traktat. Doch es war der Song eines anderen: Comedian Chris Boettcher. © dpa
In der klassischen Musik sind Plagiate nichts Ehrenrühriges, sondern eine gebräuchliche Stilform. In den Epochen des Barock und der Wiener Klassik wird dies „Parodie“ genannt. Johann Sebastian Bach „veredelte“ fremde Werke und eigene Werke. © ddp
Jungautorin Helene Hegemann („Axolotl Roadkill“) sah sich im vorigem Jahr mit dem Vorwurf des Plagiats konfrontiert, weil sie umfangreich aus dem Roman „Strobo“ des Berliner Bloggers Airen abgeschrieben hatte. Die 17-Jährige fand das „total legitim“. Immerhin: Sie würdigte den Textlieferanten in den folgenden Auflagen in der Danksagung. © dpa
Auch Dichterfürst Johann Wolfgang Goethe käme heute in Erklärungsnot, würde man den Schluss seines 1774 erschienenen Briefromans „Die Leiden des jungen Werther“ unter die Lupe nehmen. In der Beschreibung des Endes seines Helden, der sich mit einer Pistole eine Kugel in den Kopf jagte, verwertete Goethe einen Brief seines Wetzlarer Freundes Johann Christian Kestner. © dpa
Als berühmtestes Plagiat der Musikgeschichte gilt derweil „My Sweet Lord“ von Ex-Beatle George Harrison. Das Stück erschien 1970 auf dem Album „All Things Must Pass“. Es klang verdächtig nach dem Titel „He’s so fine“ der US-Mädchenband „The Chiffons“ von 1963. Der Prozess zog sich über viele Jahre hin und endete mit einem Vergleich. © dpa

Plagiatsvorwürfe haben bereits eine ganze Reihe von Politikern zu Fall gebracht. Zu den bekanntesten zählen der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), die Vizepräsidentin des Europaparlaments, Silvana Koch-Mehrin (FDP), und Schavan. Allen wurde der Doktortitel entzogen. Während Koch-Mehrins Klage dagegen erfolglos blieb, ist Schavans Verfahren noch nicht entschieden.

dpa

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