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Neue Grundsteuer-Reform 2022: Das müssen Eigentümer jetzt machen

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Von: Felix Busjaeger

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Was Eigentümer Jahr für Jahr an Grundsteuer zahlen, muss auf Geheiß des Bundesverfassungsgerichtes zeitgemäß neu berechnet werden. Die Erhebung des Daten beginnt im Sommer.
Was Eigentümer Jahr für Jahr an Grundsteuer zahlen, muss auf Geheiß des Bundesverfassungsgerichtes zeitgemäß neu berechnet werden. Die Erhebung des Daten beginnt im Sommer. © Jens Büttner/dpa

Die neue Grundsteuer-Reform kommt und Eigentümer müssen kräftig mithelfen: 2022 müssen Hausbesitzer Daten ans Finanzamt für die Neuberechnung übermitteln.

Berlin/Stuttgart – Wer in Deutschland Grund sowie Wohnung oder Haus besitzt, hat gut lachen: Keine Miete zahlen, freier Gestaltungsraum und nebenbei eine gute Absicherung für das Alter. Denn während die neue Ampel-Regierung von Olaf Scholz (SPD) mit einem Fünf-Punkte-Plan die Rente 2022 sichern will, stehen die Altersbezüge, die Arbeitnehmer nach ihrer Erwerbstätigkeit zustehen, zweifeln Oppositionspolitiker und Experten an der Zukunftsfähigkeit der Rente. Neben den Vorteilen, die Grundbesitz in Deutschland bringt, müssen Eigentümer allerdings auch viele Pflichten erfüllen: Jährlich wird eine Grundsteuer fällig. Zum Jahreswechsel 2022 begann die Reform der Grundsteuer 2022 – Eigentümer müssen nun eine neue Erklärung an die Finanzämter abgeben.

Bundesbehörde:Bundesministerium der Finanzen
Gründung:14. Juli 1879
Hauptsitz:Berlin
Behördenleitung:Christian Lindner (FDP)

Nachdem das Bundesverfassungsgericht die alten Berechnungen der Grundsteuer 2018 gekippt hatte, muss das Finanzamt die Grundsteuer neu berechnen*. Hierfür müssen Eigentümer bestimmte Daten übermitteln. Mit der Reform einhergehend müssen nun neue Grundsteuerwerte berechnet werden, die sich aus folgenden Angaben der Eigentümer zusammensetzen: Lage des Grundstücks, Grundstücksfläche, Bodenrichtwert, Gebäudeart, Wohnfläche, Baujahr des Gebäudes. Grundstückseigentümer müssen diese Angaben in einer Feststellungserklärung an ihr Finanzamt übermitteln.

Neue Grundsteuer: Eigentümer müssen über Steuer-Onlineportal Elster Feststellungserklärung übermitteln

Eigentümer können für die Korrespondenz mit dem Finanzamt das Steuer-Onlineportal Elster nutzen, um die erforderlichen Daten für die neue Grundsteuer in einer Feststellungserklärung* zu übermitteln. Dies soll ab 1. Juli 2022 möglich sein. Die Abgabefrist läuft nach derzeitigem Stand bis zum 31. Oktober 2022. Sollten Eigentümer diese Frist verstreichen lassen, drohen hohe Bußgelder – im schlimmsten Fall eine Schätzung der Angaben.

Die Finanzämter sind im Zugzwang – die Umstellung der Grundsteuer und die Neuberechnung muss nach einem Gesetzesurteil bis zum 1. Januar 2025 erfolgen. Ab dann darf die Grundsteuer nicht mehr auf Grundlage der alten Berechnung erhoben werden. Für die Neuberechnung der Grundsteuer benötigen die Finanzämter daher im ersten Schritt die Eigentümerangaben aus der Feststellungserklärung. Der Bund deutscher Steuerzahler bewertete das geplante Bundesmodell zur Grundsteuer in einer Erklärung kritisch und verwies auf die komplizierte Berechnungsweise, bei der viele Angaben nötig seien.

Bundesmodell zur Grundsteuer 2022: Grundsteuer C soll für unbebaute Flächen gelten

Besonders nachteilig für Eigentümer ist laut einer Mitteilung des Bundes deutscher Steuerzahler, dass steigende Bodenrichtwerte zu steigenden Grundsteuerwerten führen würden – dies sei damit quasi ein Steuererhöhungsautomatismus. Auch wäre die Einführung der Grundsteuer C, die unbebaute Flächen betrifft, kein Garant dafür, dass bezahlbarer Wohnraum geschaffen werde. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass die Bundesländer vom geplanten Bundesmodell zur Grundsteuer 2022 abweichen können. Insgesamt neun Bundesländer haben sich dafür entschieden, das Bundesmodell ohne Änderung zu übernehmen, zwei weitere mit geringfügigen Änderungen. Fünf Länder planen eigene Wege.

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Damit die Werte möglichst genau für den Grundbesitz bestimmt werden können, ist die Mitarbeit der Eigentümer erforderlich. Sollten einige Daten nicht vorliegen, kann unter anderem das Grundbuchamt eine wichtige Anlaufstelle sein. Im Grundbuch sind Angaben zur Grundstücksfläche und der Flurnummer hinterlegt. Der Bodenrichtwert lässt sich über das Bewertungssystem Boris der Bundesländer in Erfahrung bringen – das funktioniert allerdings nicht in allen Bundesländern.

Bund der Steuerzahler erwartet bürokratischen Aufwand für Eigentümer wegen Reform der Grundsteuer

Aufwändig kann es beim Messen der Wohnfläche werden, falls keine Flächenangaben vorliegen: Wer auf professionelle Hilfe verzichtet und selbst das Maßband anlegt, kann sich an der Wohnflächenverordnung orientieren, welche Räume gezählt werden und welche nicht. Teilweise machen Dachschrägen oder installierte Heizanlagen einen deutlichen Unterschied aus. Der bürokratische Aufwand, der auf die Steuerzahler mit der Umstellung der Grundsteuer zukommt, ist also groß und könnte zu einer Überforderung bei vielen Eigentümern führen, so zumindest die Befürchtung einiger Interessensverbände.

Während in einigen Bundesländern bereits für Fragen zur Grundsteuer ein Hilfstelefon* eingerichtet wurde, scheiterte ein entsprechendes Anliegen beim baden-württembergischen Finanzministerium. Zwar sei Kommunikation beim Thema wichtig, allerdings verwies eine Sprecherin des Ministeriums auf das Informationsangebot im Internet. *kreiszeitung.de, merkur.de und hna.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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