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Nancy Pelosi: Kuschen vor den Mächtigen ist nicht ihr Stil

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Von: Jens Kiffmeier

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Trump nannte sie einst „verrückt“: Doch Nancy Pelosi ist die mächtigste Frau in den USA. Nicht erst mit ihrer Taiwan-Reise zeigte sie Haltung – zum Ärger der Mächtigen.

Washington – Seit 35 Jahren ist Nancy Pelosi in der Politik. Seit 35 Jahren kämpft die 82-Jährige gegen männliche Alphatiere. Die US-Politikerin sah Präsidenten kommen. Und sie sah sie gehen. Doch als Sprecherin des Repräsentantenhauses stieg sie selber zur drittmächtigsten Person in Washington auf. Wie sie den Mächtigsten trotzte? Sie folgte ihrem Leitmotto: „Niemand gibt dir Macht“, zitiert die Welt die Demokratin. „Du musst sie ihnen nehmen.“

Nancy Pelosi: US-Politikerin entfacht mit Reise nach Taiwan eine internationale Debatte

Ihr Mantra sagt viel aus. In diesen Tagen ist Nancy Patricia D’Alesandro Pelosi, wie sie mit vollem Namen heißt, mal wieder ins Schlaglicht der Weltöffentlichkeit geraten. Nicht zum ersten Mal. Dafür aber besonders deutlich. Mit ihrer umstrittenen Reise nach Taiwan folgte sie ihrem eigenen, inneren Kompass und setzte sich damit gegen heftige Widerstände durch – national wie international. Denn für die Großmacht China ist die Stippvisite einer hochrangigen US-Politikerin ein absoluter Affront.

Nimmt es mit ihrem Taiwan-Besuch mit den Mächtigen auf: US-Politikerin Nancy Pelosi.
Nimmt es mit ihrem Taiwan-Besuch mit den Mächtigen auf: US-Politikerin Nancy Pelosi. © J. Scott Applewhite/dpa

Seit mehr als einem Jahrhundert ist der Taiwan-Konflikt kompliziert und ein heißes Eisen in der Weltpolitik. Traditionell reklamiert China seinen Einfluss auf das Land, das sich auf die USA als Schutzmacht stützt. Jahrelang wurde der Taiwan-Konflikt mehr oder minder durch die Großmächte stillgehalten. Doch unter US-Präsident Donald Trump verschärfte sich der Ton in Washington gegenüber Peking – und auch Taiwan wurde wieder mehr und mehr zum Spielball der beiden Großmächte. Spätestens seit Beginn des Ukraine-Krieges blickte das Land besorgt auf China.

Taiwan-Besuch: Vor Pelosi war schon Gingrich da – China beäugt die Reise der drittmächtigsten US-Politikerin genau

Pelosi ist längst nicht die erste Spitzenpolitikerin der USA, die einen Fuß auf die Insel gesetzt hat. Vor ihr war schon der Republikaner Newt Gingrich da, der einer der Vorgänger im Amt des Repräsentantenhaussprechers war. Jedoch ist das 25 Jahre her und Ende der 1990er-Jahre standen die Zeichen vielmehr auf Annäherung zwischen China und USA als heutzutage. Dementsprechend sauer reagierten die chinesischen Machthaber, die zugleich am Mittwoch im Südchinesischen Meer mit Militärmanövern die Säbel rasseln ließen.

Wer ist Nancy Pelosi? Im Alter greift die 82-Jährige mit der Taiwan-Reise noch mal richtig an

Und das alles nur wegen Pelosi. Doch wer ist die Frau? Am 3. Januar 2021 wurde sie zur Vorsitzenden des Repräsentantenhauses gewählt. 2007 bis 2011 hatte sie bereits den Posten inne. Sie könne den Job einfach besser als manch anderer, stellte sie bei ihrem zweiten Anlauf selbstbewusst klar. Den Machtinstinkt muss sie auch haben, denn ihr Job ist das dritthöchste Amt in den Vereinigten Staaten.

Verheiratet und fünf Kinder: Privat lebt Pelosi mit Ehemann Paul Pelosi ein Luxusleben

Dabei müsste die heute 82-Jährige eigentlich gar nicht mehr arbeiten. Seit 1963 ist die Demokratin mit dem Investmentbanker Paul Pelosi verheiratet. Das Paar hat fünf Kinder und gilt als steinreich. Doch Pelosi kann sich nur schwer ein Leben ohne Politik vorstellen. Vor allem China lässt ihr keine Ruhe.

Seit über 30 Jahren vertritt sie eine äußerst kritische Position gegenüber Peking. Ein deutliches Zeichen setzte sie 1991, als sie nach der blutigen Niederschlagung der Massenproteste nach Peking reiste. Dort entrollte sie, wie die Süddeutsche Zeitung in einem Bericht kürzlich erinnerte, auf dem Platz des Himmlischen Friedens ein Transparent und erinnerte an die getöteten Demonstranten – während der damalige US-Präsident George W. Bush lieber schwieg. Ihre kritische Haltung gab sie nie auf, das bescheinigen ihr viele Fachleute bis heute.

Ob Peking oder Washington: Pelosi legt sich mit den Mächtigen an – Trump nannte sie „verrückt“

Dass sie dabei vor den Machthabern und Mächtigen dieser Welt nicht kuscht, machte sie immer wieder deutlich. Unvergessen sind ihre Scharmützel mit US-Präsident Donald Trump, dem sie Einhalt gebot, wo sie nur konnte. Trump hatte deswegen vor allem eines für sie übrig: Verachtung. Sie sei „krank“ und „verrückt“, polterte er öffentlich. Und Pelosi? Zerriss vor dem Repräsentantenhaus einfach sein Redemanuskript – ebenso öffentlichkeitswirksam.

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Das gemischte Echo auf ihre umstrittene Reise steckt die erfahrene Politikerin locker weg. Insider gehen davon aus, dass sie die Rückendeckung von US-Präsident Joe Biden genießt. Grünen-Europaabgeordneter Reinhard Bütikofer jedenfalls mahnte an, Pelosi zum Vorbild zu nehmen – trotz der scharfen Kritik Chinas. „Auch wir in Europa dürfen nicht achselzuckend zusehen, wie die Volksrepublik versucht, die Welt an die Vorstellung zu gewöhnen, dass eine erzwungene Einverleibung Taiwans unvermeidlich sei“, sagte Bütikofer der Nachrichtenagentur dpa. Europa habe kein Interesse an einer Eskalation der Spannungen um Taiwan. Aber eben deswegen dürfe es Chinas zunehmend übergriffiger Außenpolitik nicht nachgeben. So sieht das Pelosi ebenfalls. Und dafür kämpft sie. Wie gesagt. Seit 35 Jahren.

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